Ein Schälchen Sand
Das Leben von Ruth Beckermann findet in der Bewegung statt, wie sie sagt. So schreibt die Autorin und Filmemacherin am liebsten unterwegs und auch die schönsten Fundstücke findet sie so. Durch eine Handvoll Sand fühlt sie sich an die Wüste erinnert.
Eines der zahlreichen Objekte, die sich in Ruth Beckermanns Wohnung in der Wiener Marc-Aurel-Straße angesammelt haben, befindet sich in einer kleinen, unscheinbaren Schale. Diese steht in der Nähe des Schreibtisches, neben einem kleinen Buddha und unter einer Landkarte mit der frühmittelalterlichen Ansicht von der Erde, in der Jerusalem das Herz der Welt darstellt. In dem Glasschälchen befindet sich eine Handvoll Sand.

"Er ist für mich ein Bild. Ein Bild, das mich an die Wüste erinnert, an die Wüste Sinai, wo ich nach dem Sechs-Tage-Krieg '67 eine Weile sogar gelebt hab'. Dieses Erlebnis hat sich sehr eingeprägt."
Die Wüste ist für die Autorin und Filmemacherin ein Ort der Meditation und der Klarheit - und auch ein Ort der Reinigung von der übermächtigen Bilderflut der großen Städte, sagt sie. Die Wüste dient ihr auch als Sinnbild für ihr Verständnis vom Filmemachen. Sie habe, so Ruth Beckermann, damit begonnen, "Filme gegen die Bilder" zu machen.

"Am Anfang, wenn ich das Konzept für einen Film mach', dann denk' ich eigentlich immer von der Leere ausgehend. Dieser Sand erinnert mich daran, dass es da noch etwas anderes gibt. Dass es eben das Unbestimmte ist, wo 'was Spannendes sein kann."
Die Wüste interessiert Ruth Beckermann, deren jüngster Film "Zorros Bar Mizwa derzeit in den Kinos läuft, aber auch aufgrund der Assoziation mit dem Judentum, wie es im Alten Testament beschrieben ist: Moses, der das Heilige, das versprochene Land gesehen hat, aber nie betreten durfte.

"Das Volk hat das Land später bekommen, aber das besondere an der Gestalt Moses ist, das was im Versprechen bleibt. Das verbinde ich auch mit der Wüste: Diese Sehnsucht kann nur bestehen bleiben, wenn man nicht ankommt."
Text: Christa Eder · 22.12.2006
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Film-Tipp
Zorros Bar Mizwa
Dokumentation, Österreich, 2006
Drehbuch und Regie: Ruth Beckermann
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Ruth Beckermann