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Musik

Christa Ludwig

Immenses Rollenrepertoire

Es wird sich kaum ein Sänger oder eine Sängerin finden, der oder die an der Wiener Staatsoper ein ähnliches Repertoire aus divergierenden Rollen gesungen hat wie Christa Ludwig. Am 16. März 2008 wird die außergewöhnliche Sängerin 80.

Christa Ludwig in "Carmen"

An der Wiener Staatsoper mag es Sänger- und Sängerinnen gegeben haben, die mehr Rollen und mehr Auftritte absolviert haben als sie, es wird sich aber kaum ein Künstler finden, der an diesem Haus ein ähnliches Repertoire aus divergierenden Rollen gesungen hat wie Christa Ludwig. Im Jänner dieses Jahres hat sie in Cannes den Midem-Preis für ihr Lebenswerk erhalten, am 16. März 2008 feiert sie ihren 80. Geburtstag.

Wer als Spätgeborener die Karriere von Christa Ludwig nicht live miterlebt hat, könnte leicht beim Überfliegen ihres immensen Rollenrepertoires annehmen, dass sie sich von den leichten Partien bei Mozart über italienische Koloraturpartien und die Hosenrollen bei Richard Strauss nach und nach in ein schwereres Fach bis hin zu Ausflügen in die Sopranregionen vorgearbeitet hat - so war es aber nicht: nach Cherubino in "Le nozze di Figaro" und Octavian im "Rosenkavalier" hat die Ludwig gleich im zweiten Jahr ihres Wiener Engagements schon dramatische Rollen wie Amneris in "Aida" und Eboli in "Don Carlos" gesungen.

Gleichzeitigkeit verschiedenster Stile

Das Erstaunliche und Bemerkenswerte ihrer Karriere war die Gleichzeitigkeit verschiedenster Stile und Anforderungen - um ein weiteres Beispiel zu nennen: Anfang 1963 trat sie in Wien innerhalb weniger Wochen in so unterschiedlichen Rollen wie als Angelina in "La Cenerentola", als Eboli in "Don Carlos", als Octavian im "Rosenkavalier", als Zweite Dame in der "Zauberflöte" und als Leonore in "Fidelio" auf.

Musikalische Familie

Christa Ludwig stammte aus einer musikalischen Familie: der Vater war Sänger und später Theaterdirektor, die Mutter ebenfalls Sängerin, gleichzeitig die erste Lehrerin von Christa Ludwig - und ihr Vorbild. Denn die Mutter selbst hatte vom Altfach zum dramatischen Sopran gewechselt und die Rolle der Leonore in "Fidelio" gesungen. Diese war die eigentliche Traumpartie von Christa Ludwig - und ihre größte Erfüllung - selbst wenn ihre Ausflüge ins Sopranfach, auch mit der Färbersfrau in "Die Frau ohne Schatten" doch eher Experimente bleiben sollten.

Elektra, Brünnhilde und Isolde waren ihr ebenfalls angeboten worden, doch auf diese Partien hat die Ludwig klug verzichtet - nur die Marschallin im "Rosenkavalier" sollte als weitere Sopranrolle lange Zeit in ihrem Repertoire bleiben.

Gefeierte Gastspiele

Nach Verpflichtungen in Frankfurt, Darmstadt und Hannover war Christa Ludwig 1955 nach Wien gekommen. Trotz gefeierten Gastspielen in aller Welt ist sie der Wiener Staatsoper als ihrem Stammhaus fast 40 Jahre verbunden geblieben: 42 Rollen in weit über 700 Vorstellungen listet die Statistik des Hauses auf - inklusive zweier Uraufführungen: "Der Sturm" von Frank Martin und "Der Besuch der alten Dame" von Gottfried von Einem.

Christa Ludwig war ein Liebling des Wiener Publikums, sie wurde aber genauso bei den Salzburger und Bayreuther Festspielen gefeiert. Auf den großen Bühnen der Welt war sie zu Hause, natürlich auch an der New Yorker Metropolitan Opera von New York, wo sie lange Jahre als regelmäßiger Gast gefeiert wurde.

Begnadete Lied- und Konzertsängerin

Christa Ludwig war aber nicht nur eine außergewöhnliche Opernsängerin mit der besonderen Gabe, sich in unterschiedlichste Rollen und Charaktere einzufühlen und ihnen nachdrückliches Bühnenleben einzuhauchen, sie war auch eine begnadete Lied- und Konzertsängerin, die allein mit ihrer Stimme in bewegender Art Inhalte vermitteln und Szenen vor dem inneren Auge des Zuhörers erstehen lassen konnte.

Nach fast 50 Jahren einer in jeder Beziehung außergewöhnlichen Karriere hat sich Christa Ludwig im Dezember 1994 an der Wiener Staatsoper, ihrer künstlerischen Heimat, aus dem aktiven Sängerleben verabschiedet - im vollen Besitz einer intakten Stimme. "Den Beruf machte ich fast 50 Jahre lang, das war genug", lautete damals ihr kurzer Kommentar zum Abschied.

15.03.2008

Mehr zu Christa Ludwig in oe1.ORF.at
Christa Ludwig wird 80
Interview mit Christa Ludwig

Hör-Tipps
Apropos Klassik, Samstag, 15. März 2008, 15:06 Uhr

Apropos Oper, Samstag, 16. März 2008, 15:06 Uhr

Ludwig van Beethoven, "Fidelio", Samstag, 5. April 2008, 19:30 Uhr

CD-Tipps
Neuerscheinungen mit Christa Ludwig
"Christa Ludwig - Live Recordings 1955-1994", Orfeo C 758083 D

Georges Bizet, "Carmen", Wiener Staatsoper, Lorin Maazel, Christa Ludwig, James King, Eberhard Waechter, Jeanette Pilou, Orfeo C 733082 I

"Hommage à Christa Ludwig", RCA 88697276512

"The Art of Christa Ludwig", EMI 5176082

"Christa Ludwig - Meine Dirigenten", Karl Böhm, Herbert von Karajan, Leonard Bernstein, DG 4429975

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