Umstrittene Ausstellung im MAK

Blumen für Kim Il Sung

Ein Projekt des Museums für Angewandte Kunst in Wien wirbelt seit Wochen Staub auf: "Blumen für Kim Il Sung - Kunst und Architektur aus der Demokratischen Volksrepublik Korea". Die umstrittene Ausstellung wurde am 18. Mai 2010 eröffnet.

Kulturjournal, 17.05.2010

Kurator Rüdiger Frank im Interview

Mittagsjournal, 17.05.2010

"Demokratischen Volksrepublik Korea" ist die offizielle Selbstbezeichnung des Landes, das wir Nordkorea nennen. Die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der koreanischen Nationalgalerie und der dortigen Architekturfakultät zeigt offizielle Kunst aus dem totalitär regierten Land. Macht sich MAK-Direktor Peter Noever damit zum Handlanger eines verbrecherischen Regimes, wie ihm manche Medien und Politiker vorwerfen?

Keine Staatshaftung für Schäden

Das Ausstellungsvorhaben "Blumen für Kim Il Song" war schon im Bundespräsidentschaft-Wahlkampf kurz einmal Thema. Aufgrund eines Berichts der Zeitung "heute" wollte die FPÖ wissen, ob Bundespräsident Heinz Fischer die "widerwärtige Angelegenheit" etwa selbst eingefädelt habe. Und Finanzminister Josef Pröll verweigerte dem MAK die sonst durchwegs übliche Staatshaftung für Schäden an den Leihgaben - das Museum musste die Bilder aus Nordkorea selbst versichern, ein nie dagewesener Vorgang.

Die Ölgemälde, Tuschemalereien und Plakate in der Ausstellung sind, kein Zweifel, pure Propagandakunst. Auf hellbunten Bildern mit viel Rot sieht man nur wohlgenährte, fast schon mollige Kinder aus dem Land, wo in Wirklichkeit Millionen hungern. "Wir folgen nur dem großen Führer im festen Glauben", oder "Frohes Getreidedreschen" - Bilder mit solchen Titeln stellen glückliche, stolze Arbeiter und Bauern dar, die stereotyp und übertrieben lächeln, lächeln, lächeln. Für einen halbwegs informierten Ausstellungsbesucher, der von Folterungen und Arbeitslagern in Nordkorea zumindest gehört hat, ist die dicke Lüge auf den Bildern offensichtlich. In Österreich Sympathiewerbung für das nordkoreanische System zu machen, das leistet diese Ausstellung nicht, hofft jedenfalls MAK-Direktor Peter Noever: "Es ist sicher keine Verherrlichung. Es ist in gewisser Hinsicht eine zusätzliche Entblößung. Und das halte ich für essenziell, wirklich einen wichtigen Schritt."

Moralisches Dilemma

Nicht wegzureden ist jedoch das moralische Dilemma, dass eine solche Ausstellung Opfer der Diktatur in Nordkorea beleidigen muss. Schon weil es keine kritischen Saal- oder Katalogtexte gibt. Man musste sich ja mit den nordkoreanischen Partnern auf Formulierungen einigen, sonst hätte es die Ausstellung nicht gegeben, argumentiert Noever: "Erstens möchte ich klarstellen, dass diese Ausstellung in Korea niemand wollte. Es war vier Jahre ein Ringen um diese Ausstellung."

Die kritische Auseinandersetzung mit den Werken soll ein Symposion Anfang September liefern, zu dem der Nordkorea-Experte Rüdiger Frank von der Universität Wien erstklassige internationale Fachleute eingeladen hat. Soll man eine Ausstellung mit Staatskunst aus Nordkorea überhaupt machen? Auf alle Fälle, meint Rüdiger Frank: "Ich glaube, dass diese Ausstellung nicht das System stützt, ganz im Gegenteil."

Strenge Vorgaben für Staatskünstler

Staatskünstler beziehen in Nordkorea ein regelmäßiges Gehalt und arbeiten in großzügigen Ateliers. Der Preis dafür sind äußerst strenge Vorgaben, was man wie zu malen hat: "Wenn es zum Beispiel um Landwirtschaft geht, dann ist die Landwirtschaft mechanisiert. Einen Ochsenkarren mit einem Handpflug dahinter kann man nur dann darstellen, wenn man versucht damit zu zeigen, wie rückständig Korea während der japanischen Besetzung war", so Frank.

Die Exponate in der von Barbara Busse kuratierten Ausstellung stammen aus der Zeit ab etwa 1960, mit besonderem Akzent auf der Gegenwart. Da ist eine Renaissance der koreanischen Tuschemalerei zu beobachten. Es mehren sich Darstellungen von Folklorekostümen und anderen Sujets, die die koreanische Identität betonen: "In Nordkorea ist der Sozialismus immer schon sehr stark ideologisch gewesen und zwar im Sinne des Nationalismus. Und das ist eine Ideologie, die mit Sachargumenten nicht zu widerlegen ist. Und deswegen gibt es Nordkorea heute noch, im Gegensatz zu den vielen sozialistischen Ländern Osteuropas."

Veränderungen in Nordkorea

Die glorifizierenden Darstellungen des verstorbenen "Ewigen Präsidenten" Kim Il Sung und seines Sohns Kim Jong Il lassen auf ein System schließen, das sich nicht bewegt. Das Gegenteil sei der Fall, erklärt Rüdiger Frank, Marktwirtschaft und Kapitalismus kommen allmählich an in Nordkorea, verstärkt seit 2002: "Es gab eine große Wirtschaftsreform, die im Westen nahezu komplett ignoriert wurde. Es haben sich große Einkommensunterschiede aufgetan, die die Menschen beobachtet haben. Das hat diese sozialistische Gesellschaft massiv ausgehöhlt und geschwächt. Man versucht deswegen seit zwei, drei Jahren seitens der Führung in Nordkorea das Rad zurückzudrehen. Nur meine ich, dass das nicht gehen wird."

Service

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Ausstellung "Blumen für Kim Il Sung - Kunst und Architektur aus der Demokratischen Volksrepublik Korea", 19. Mai bis 5. September 2010, Museum für Angewandte Kunst,
Ö1 Club-Mitglieder bekommen ermäßigten Eintritt (20 Prozent).

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