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Musik

Bicycle Music Festival

The Pleasant Revolution Tour

Wenn eine Band fünf Monate lang mit dem Tourbus durch ganz Europa fährt und jeden Abend ein Konzert spielt mit E-Gitarren, Mikrophonen und Lautsprechern, wie viel klimaschädliches CO2 wird da wohl produziert? Das haben sich einige Musiker und Musikerinnen aus den USA gefragt und den Tour-Bus kurzerhand gegen Fahrräder eingetauscht.

Kulturjournal, 09.08.2010

Seit Mai touren fünf amerikanische Bands mit ihren Lastenrädern durch Europa. Auch der Strom, den die Bands für ihre Auftritte benötigen, wird von Fahrrädern erzeugt: Wenn das Publikum Musik hören will, so muss es auch in die Pedale treten.

Am 7. und 8. August 2010 machten die fünf Bands der "Pleasant Revolution Tour" Station in Wien. Gemeinsam mit österreichischen Musikern und Musikerinnen, wie Clara Luzia, veranstalteten sie das mobile "Bicycle Music Festival". Musiziert wurde zwei Tage lang am Yppenplatz, im WUK und am Donaukanal. Aber auch am Weg zwischen den Veranstaltungsorten.

Publikumsbeteiligung der anderen Art

Samstagmittag am Yppenplatz im 16. Bezirk in Wien. Hier findet der Auftakt des zweitägigen mobilen Fahrrad-Musik-Festivals statt. Musiker motivieren gerade das Publikum, sich auf die Fahrräder zu setzen und Strom für die Musik zu erstrampeln. Heather Normandale von der Band Stitch Craft tritt selbst in die Pedale: "Die Dynamos auf den Standrädern erzeugen Energie. Diese wird dann umgewandelt und kalibriert. Aus Wechselstrom wird Gleichstrom gemacht und dann können wir Lautsprecher und Mischpult anstecken."

Das Publikum ist leicht zu überreden. ("Man fühlt sich gut, wenn man was dazu beitragen kann") Ohne Flugzeuge oder Kraftfahrzeuge zu benützen, touren die 15 kalifornischen Künstler und Künstlerinnen fünf Monate durch Europa. Manchmal mit dem Zug, meist mit dem Fahrrad. Aus den USA sind sie mit Schiff gekommen.

Initiator ist Kipchoge Spencer, Sänger der Folk-Band The Ginger Ninjas. Er möchte, dass die Menschen mehr über Umwelt- und Klimaschutz nachdenken: "Die meisten Leute sagen, es ist wichtig, dass wir unseren Planeten schützen. Aber wenn es um unseren Lebensstil und unser Konsumverhalten geht, sind wir meist inkonsistent. Bei unserer Tour geht es darum, den Leuten zu zeigen, dass ein anderer Lebensstil möglich ist. Und wir wollen auch für uns selbst herausfinden, wie weit es möglich ist."

90 Kilogramm Gepäck pro Rad

Vier Jahre lang tüftelte Kipchoge Spencer an diversen technischen Lösungen: Wie macht man Strom, wie transportiert man ein gesamtes Band-Equipment auf Lastenrädern? Im Jahr 2007 ging die erste Fahrrad-Tour der Ginger Ninjas von Kalifornien nach Mexiko. Mittlerweile hat Kipchoge bereits an die 10.000 Kilometer on tour mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Bis zu zehn Stunden pro Tag sitzen die Musiker und Musikerinnen der Pleasant Revolution Tour auf den Rädern, erzählt Folk-Sängerin Heather Normandale. Und auf jedem Lastenrad liegen 90 Kilogramm Gepäck: "Manchmal ist es schon hart. Wir sind Performer und Harcore-Sportler. Wir transportieren die ganze Ausrüstung und dann müssen wir auch noch alles organisieren. Das machen wir von unterwegs. Wenn es regnet, setzen wir uns in ein Café, packen den Laptop aus und dann kommunizieren wir mit der Botschaft in Budapest und Berlin."

Unterwegs on stage

Fünf unterschiedliche Bands sind es: Folkmusiker und Singer-Songwriter. Cello Joe kombiniert sein Cellospiel mit Beat-Boxing, also Vokal-Percussion und der Gitarrist The Genie scratcht auf seiner E-Gitarre wie ein DJ auf dem Plattenteller. "Ich bin stark beeinflusst von der Musik der DJs", sagt The Genie. "Ich imitiere auf der Gitarre vieles von dem, was sie mit ihren Platten machen. Ich loope mich auch selbst. Live. Ich hab einen ganz eigenen Stil entwickelt. Niemand auf der Welt macht das noch so."

Musiziert wird nicht nur an den Veranstaltungsorten, sondern auch dazwischen. Trotz des nassen Wetters machen sich vom Yppenplatz an die hundert Radler und Radlerinnen auf den Weg Richtung WUK im 9. Bezirk. Ein Gitarrespieler sitzt auf dem Gepäckträger eines Lastenrades und singt.

Die nächste Station der Pleasant Revolution Tour ist übrigens das Sziget-Festival, das vom 11 bis 16. August 2010 in Budapest stattfindet.

Gestaltung: Ulla Ebner · 09.08.2010

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