Sauber soll es sein

Sauber soll es sein - das ist die Grundanforderung an den Haushalt. Doch Haushalten und Putzen ist mehr als nur sauber machen. Hausarbeit ist Arbeit, und sollte daher auch entsprechend honoriert werden. Denn der Haushalt ist ein Spiegel der Gesellschaft. Hier eine kleine Theologie der Hausarbeit.

Die Arbeit im Haushalt gehört für sehr viele Menschen zu den wenig geliebten Tätigkeiten. Körperpflege wird emotional hoch bewertet - wie man an der Kosmetik-Werbung sehen kann - doch Raumpflege nicht.

Die Putzkrisen, die Katharina Zaugg, studierte Ethnologin und seit bald 20 Jahren Raumpflegerin der besonderen Art, feststellt, sind vieldimensional. Vor allem geht es nie nur um den Schmutz in der Wohnung.

Putzkrisen sind Werte-Krisen, das gilt für die Gesellschaft, aber vor allem in Partnerschaften. Wenn die Flitterwochen vorbei sind, und der Ehegatte nicht mehr Rosen ins Badewasser streut, sondern einen Schmutzrand in der Badewanne zurücklässt, und erwartet, dass die Ehegattin den wegputzt, so wie das früher die Mama tat, dann ist die erste Ehekrise fällig.

Die Gesellschaft und das Putzen

Man kann heute sogar von einer gesellschaftlichen Putzkrise sprechen, meint Katharina Zaugg, denn Putzen ist mehr als nur Saubermachen. An der Frage, wer welchen Schmutz mit welchen Mitteln wegputzt, lassen sich gesellschaftliche Wertkonflikte ablesen - zum Beispiel die um die gesellschaftliche Stellung von Mann und Frau; auch ökologische Fragen spielen herein. Oder für alte Menschen der Wunsch, autonom zu sein und nicht abhängig von helfendem Personal.

Vor allem aber zeigt die Putzkrise an, dass es um den Begriff Arbeit selbst geht - darum, was in einer Gesellschaft überhaupt als Arbeit gilt. In der Industriegesellschaft ist das klar: Arbeit sind Tätigkeiten, die bezahlt werden und der Produktion von Waren aller Art dienen. Genau das tut Hausarbeit auf den ersten Blick nicht, denn Hausarbeit dient der Reproduktion der Gesellschaft. Hausarbeit ist nötig, damit Kinder aufwachsen können und aus ihnen "etwas wird".

40 Euro pro Stunde

Hausarbeit ist aber auch nötig, damit sich die Erwachsenen in einem guten Klima daheim erholen können, um nachher für die Berufsarbeit wieder fit zu sein. Hausarbeit ist die Voraussetzung dafür, dass Erwerbsarbeit geleistet werden kann - und deswegen schlägt der Schweizer Ethiker Christoph Arn vor, dass Hausarbeit entlohnt werden soll.

Ungefähr 40 Euro pro Stunde, rechnet er vor, ist die Arbeit zur Unterstützung und Pflege des Lebens in Geld umgerechnet wert. Eine Neubewertung der Hausarbeit in Zeiten des Pflegenotstands stünde dringend an, und überhaupt eine gesellschaftliche Neuorientierung in Sachen Arbeit.

Arbeit für ein Leben in Fülle

Und dort, wo man es vielleicht am wenigsten vermutet, nämlich in der Bibel, finden sich Hinweise für ein neues, wertschätzendes Verständnis von Hausarbeit. Die Theologin Luzia Sutter Rehmann, Professorin für Neues Testament an der Universität Basel, hat untersucht, wie sich die allerersten Christen einen guten Haushalt vorstellten.

Die Überraschung: sie lebten zunächst ein egalitäres Modell, in dem die Männer Frauen- und Sklavenarbeit übernahmen und die Frauen wichtige Ämter in der Gemeinde übernahmen, die heute in der Kirche nur Männern vorbehalten sind.

In der antiken Welt war Arbeit Sklavensache - freie Bürger gaben sich damit nicht ab. Die frühe Christengemeinde dagegen sah Arbeit offenbar als einen wichtigen Teil der guten Gestaltung von Beziehungen in einer Gemeinde oder Gesellschaft an.