Technik im Dienst der Frauen?

Seit den 1920er Jahren wurde die die häusliche Arbeit durch Rationalisierungsmaßnahmen zunehmend erleichtert. Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung ist bis heute jedoch weitgehend unangetastet geblieben.


Über drei Millionen Hausfrauen sagen: Ich bin verliebt in den Vorwerk-Kobold. Auch Sie, liebe Kobold-Kundin, werden von stund an genau das gleich von sich sagen. Denn der Vorwerk-Kobold ist mehr als nur ein Staubsauger.

Umfangreich beworben wurde in den Zwanziger Jahren neben Waschmaschine und Bügeleisen vor allen Dingen der Staubsauger. Die Vorzüge technischer Geräte musste den Frauen im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts als potentielle Nutzerinnen allerdings erst vermittelt werden.

Kampagne für Haushaltsgeräte
Bemüht waren Hausfrauenorganisationen und Rationalisierungsexperten, aber auch Energieversorgungsunternehmen und Gerätehersteller. Beratungsstellen, Messen, Ausstellungen, Vorträge und nicht zuletzt Announcen in Zeitungen sollten Frauen technische Geräte näher bringen.

Argumentiert wurde stets mit Arbeitserleichterung und Entlastung für Frauen. "Jede denkende Frau muss die Rückständigkeit bisheriger Haushaltsführung empfinden und darin schwerste Hemmung eigener Entwicklung und somit auch der Entwicklung der Familie erkennen. Die Frau, an die das heutige hastige Großstadtleben weit höhere Ansprüche stellt als das beschauliche Leben vor 80 Jahren ist dazu verdammt, ihren Haushalt - einige wenige Erleichterungen ausgenommen - noch immer so zu führen wie zu Großmutters Zeiten ", schrieb die 1897 geborene Architektin Margarete Schütte-Lihotzky im Jahr 1926. Der Titel ihres ersten Artikels, den sie verfasst hat, lautete: "Wie kann ich durch richtigen Wohnungsbau den Frauen Arbeit ersparen ".

Die Frankfurter Küche

Bis heute gilt die von Margarete Schütte-Lihotzky konzipierte Frankfurter Küche als Meilenstein in der Geschichte des Wohnbaus, als Vorläuferin der modernen Einbauküche. Bis zum Jahr 1930 wurden etwa 10.000 dieser Küchen gebaut.

Sie waren länglich und relativ schmal, ähnlich den Speisewagenküchen in den Eisenbahnen, um unnötige Schritte und Wege zu vermeiden, merkt die Kulturwissenschafterin Susanne Breuss an.

Die Frankfurter Küche - ein Kernstück der Rationalsisierungsbewegung in den Zwanziger Jahren, meint Carola Sachse, Professorin am Institut für Zeitgeschichte in Wien. Sie verweist darauf, wie sehr Haushaltstechnik zu einer Zementierung geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung beigetragen hat: "Tatsächlich ist der Küchenraum so eng, dass die Hausfrau zwar keine Energie durch unnötige Wege verschwendet, aber es darf ihr auch keiner mehr in die Quere kommen. Jede zusätzliche Person in dieser Küche bringt eigentlich das ganze System zum Einstürzen ".

Arbeitscharakter der Hausarbeit verschleiert

Tatsächlich wurden Frauen mithilfe von Rationalisierungsmaßnahmen die häusliche Arbeit erleichtert. Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung ist bis heute jedoch weitgehend unangetastet.

Die Kulturwissenschafterin Susanne Breuss meint, der Arbeitscharakter der Hausarbeit sei durch die Wunderwerke der Technik zunehmen verschleiert worden: "Selbst das Design der Geräte ließ immer weniger erkennen, dass es sich um Arbeitsgeräte handelt. Technische Hilfsmittel für den Haushalt haben die Arbeit der Frau vielfach nur in dem Sinne zum Verschwinden gebracht, als sie schlicht unsichtbarer wurde ".

Hör-Tipp
Radiokolleg, Montag, 30. April bis Donnerstag, 3. Mai 2007, 9:30 Uhr