Eigentumsnachweise fehlen
Zwangsversteigerungen von Häusern gebremst
Vier Millionen Häuser haben die US-Banken zahlungsunfähigen Kunden seit Beginn der Finanzkrise abgenommen, jeden Monat kommen hunderttausende dazu. Doch nun gibt es eine Wende. Landesweit haben Staatsanwälte Untersuchungen gegen Banken eingeleitet, die es mit der Dokumentation ihrer Ansprüche nicht genau nehmen, betroffene Familien aber dennoch pfänden lassen.
28. April 2026, 15:58
Mittagsjournal, 16.10.2010
Delogierungen ohne Berechtigung
Jason Grodensky ist ein rechtschaffener Mann. Im Dezember vergangenen Jahres kaufte er ein unspektakuläres Haus in Fort Lauderdale, Florida. Den Kaufpreis für das ganze Haus bezahlte Grodensky in Bar, mit eigenem und vom Vater geliehenem Geld. Ein halbes Jahr später erfährt Grodensky, dass die Bank of America ihn delogieren werde, weil er seine Hypothek nicht mehr bediene.
Problem eins: Grodensky hatte nie eine Hypothek auf dem Haus, er hatte es ja von vornherein komplett bar bezahlt. Problem zwei: Die Bank of America brauchte Monate, bis sie dieses Faktum zur Kenntnis nahm. Bis dahin waren die Pfändung längst im örtlichen Bezirksamt vermerkt und Herrn Grodenskys Kreditwürdigkeit im ganzen Land zerstört. Das Beispiel ist spektakulär, illustriert aber einen Zustand im amerikanischen Immobilienwesen, den man in einer hochentwickelten Gesellschaft eigentlich für unmöglich halten würde: es herrscht Unklarheit wem was gehört im Lande Amerika.
Banken ohne Nachweise
Den Banken drohen Milliardenverluste, die auch ihr aktueller Schutzpatron Barack Obama nicht mehr abfangen wird können. Doch der Reihe nach:
In 23 Bundestaaten werden keine Pfändungen mehr durchgeführt, in allen 50 Bundestaaten haben die örtlichen Staatsanwaltschaften Untersuchungen angekündigt. In zehntausenden Fällen hat sich nämlich herausgestellt, dass die Banken auf ihrem Weg zur Zwangsversteigerung der Kundenhäuser grobe Abkürzungen genommen haben und die Gesetze gebrochen haben.
Was aber noch schwerer wiegt: In hunderttausenden Fällen gelingt es den pfändenden Banken gar nicht zu beweisen, dass ihnen die Immobilie tatsächlich gehört. Sie haben nämlich – Achtung keine Ironie – vergessen, ihr Eigentum schriftlich zu dokumentieren. Sie haben es in den Boomjahren nicht mehr für nötig empfunden, schriftliche Unterlagen darüber zu führen, dass sie für die Immobilie einen Kredit vergeben habe und sie somit Eigentümer sind. Gary Klein vertritt als Anwalt gepfändete Familien. Er sagt, dass es hunderttausende Hypotheken gibt, von denen niemand weiß, wem sie heute gehören. Das Problem ist nicht, dass die Daten nicht öffentlich sind, sagt Klein. Das Problem ist, dass die Papiere gar nicht existieren.
Originaldokumente vernichtet
Amerikanisches Gesetz sagt, dass das Eigentum an einer Immobilie schriftlich belegt werden muss, und schriftlich heißt schriftlich, per Urkunde, und nicht per Ausdruck aus einem privaten Computersystem, wie es die Banken zwar angelegt haben, das aber das bleibt was es ist: Eine private Datenbank, und kein anerkannter Eigentumsnachweis. Wie dreist die Banken sich über ihre Verpflichtungen hinweggesetzt haben, zeigt das Beispiel von Florida: Dort hat die Florida Bankers association – also die Vereinigung der Banken Floridas –doch tatsächlich zugegeben, dass man die Hypothekendaten in ein Computersystem übertragen habe – und dann - um Konfusion zu vermeiden – die Originaldokumente vernichtet habe.
Es geht um hunderte Milliarden
Show me the note – zeig mir deinen Eigentumsnachweis – das ist die neue Zauberformel für amerikanische Hausbesitzer in Finanznot. In hunderttausenden Fällen wird die Pfändung betreibende Bank das nicht können – hat man doch Dokumente vernichtet oder gleich gar nicht angelegt. Und in den meisten Fällen gilt: Ohne Papier keine Pfändung. Amerikas Banken stehen vor einem Problem. Einem mehrere hundert Milliarden Dollar schweren Problem.
