Elfenbeinküste: Blutiger Machtkampf

Die Cote d'Ivoire (ehemals Elfenbeinküste) steht vor einem Bürgerkrieg, befürchten die Vereinten Nationen. In den letzten Tagen wurden in dem westafrikanischen Land Dutzende Menschen getötet, hunderte verletzt. Der abgewählte Präsident Laurent Gbagbo versucht sich mit aller militärischer Gewalt, die ihm zur Verfügung steht, an der Macht zu halten.

Mittagsjournal, 20.12.2010

Wahlverlierer kontrolliert Militär

Die Lage in der Cote d'Ivoire eskaliert: Seit den Präsidentenwahlen Ende November befindet sich das westafrikanische Land in einer Ausnahmesituation. Gbagbo will den Wahlsieg von Oppositionsführer Allessane Ouattara nicht anerkennen und lässt dessen Anhänger verfolgen. Nun fordert Gbagbo die UNO auf, ihre Soldaten sofort abzuziehen, die seit 2004 im Land stationiert sind, um die Spannungen zwischen dem Norden und dem Süden des Landes zu kalmieren.

UNO schützt Wahlsieger

Der eigentliche Präsident Allessane Ouattara muss sich unterdessen in einem Hotel verschanzt halten, er wird von hunderten UN-Soldaten geschützt. Seine Anhänger auf den Straßen werden von Gbagbo Leuten verfolgt, entführt und getötet. UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay spricht mindestens 50 Toten und hunderten Verletzten allein am vergangenen Wochenende.

Erinnerung an Runada-Genozid

Die UNO befürchtet, dass die Cote d'Ivoire in einen Bürgerkrieg versinken könnte. Für den Afrika-Experten vom renommierten Giga-Institut in Hamburg Dirk Kohnert ist das keine Übertreibung. Die Lage erinnere an die Zeit vor dem Völkermord in Ruanda. Laurent Gbagbo setzt voll auf die nationalistische Karte. Es gelte die Ivorianer gegen politische Einflussnahme von außen zu schützen - so seine Position. Oppositionsführer Ouattara wird als Handlanger des Auslands diffamiert.

"Papiertiger" Sarkozy

Das Ultimatum von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy an Laurent Gbagbo bis gestern Sonntag abzutreten, sonst gebe es persönliche Sanktionen, das hat bei Gbagbo und seinen Anhängern heftigste Reaktionen und alte Ressentiments gegen die ehemalige Kolonialmacht hervorgerufen. Das hier ist nicht Frankreich, sondern die Cote d'Ivoire ließ Laurent Ggagbo an die Adresse von Sarkozy ausrichten. Sarkozys Vorstoß sei tatsächlich nicht sehr hilfreich, bestenfalls ein Papiertiger, meint Afrika-Experte Kohnert. Gbagbo habe längst Parallelstrukturen aufgebaut und sei von Frankreich nicht abhängig.

Druck zu schwach

Der internationale politische Druck von Seiten der UNO, der Afrikanischen Union und der Europäischen Union seien bisher einfach zu schwach gewesen, so der Afrikaexperte vom deutschen Giga-Institut. Man müsse Gbagbo die Grundlagen seiner Macht entziehen - nämlich die Kontrolle über das Geld, um seine Armee und Sicherheitskräfte zu bezahlen. Besonders wichtig sei aber auf jeden Fall, dass die UNO weiter in der Cote d'Ivoire stationiert bleibt, so Dirk Kohnert. Laurent Gbagbo hatte am Wochenende die UNO aufgefordert das Land sofort zu verlassen, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat dem aber eine klare Absage erteilt. Am Montag berät der UN-Sicherheitsrat über eine Verlängerung des UN-Mandats in der Cote d'Ivoire.