Kontrollamtsbericht zu Theatern

Der jüngste Kontrollamtsbericht der Stadt Wien übt herbe Kritik an der Finanzgebarung von zwei Wiener Bühnen: dem Schauspielhaus und dem Metropol. Beide Häuser werden vom Kulturamt der Stadt Wien subventioniert. Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny, dessen oberster Verantwortlicher, über Fragen der Kontrolle von Subventionen im Kulturbereich.

Kulturjournal, 21.01.2011

Christian Fillitz im Gespräch mit Andreas Mailath-Pokorny

Dem Metropol werden vor allem finanzielle Verflechtungen des Musiktheaters mit Privatgesellschaften, an denen die beiden Geschäftsführer beteiligt sind, vorgeworfen, die Stadt Wien solle deswegen ihre weitere Subventionierung überdenken, so die Prüfer. Beim Schauspielhaus wird vor allem ein Vorgriff auf Subventionszuwendungen im Rahmen seiner Vier-Jahres-Förderung kritisiert.

"Nicht nur auf die Bilanz schauen"

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny, der die Kritik des Kontrollamtes durchaus ernst nimmt, verlangt jedoch besondere Kriterien für Kulturinstitutionen. Er meint, dass man gerade im Kulturbereich nicht nur auf die Bilanz schauen darf, "sondern dass man auf der anderen Seite auch schauen muss, was bringt das für die Kunst, was bringt das für Wien?", so Mailath-Pokorny, denn das Kulturbudget betrage nur zwei Prozent des Gesamtbudgets von Wien. "Dafür passiert ja ungeheuer viel, und die Menschen kommen primär – wie man weiß – der Kultur wegen nach Wien und das soll auch so bleiben", meint Mailath-Pokorny.

Diese Aussage will der Kulturstadtrat aber keineswegs als Freibrief für Subventionsempfänger verstanden wissen: "Freibrief ist es keineswegs, wir haben eine sehr intensive Kontrolle." In Wien durchlaufe jeder Cent, der für Kulturförderung ausgegeben wird, "einen Ausschuss, einen Gemeinderatsausschuss, einen Stadtsenat, einen Gemeinderat; es wird ein Rechnungsabschluss vorgelegt", zählt Mailath-Pokorny auf. "Also jeder Cent wird von Haus aus schon mindestens fünf Mal kontrolliert und daher, glaube ich, ist die Kontrolle sehr intensiv."

Kultur aktuell, 21.01.2011

Kritik ernst nehmen

Mailath-Pokorny plädiert auch für einen breiteren Blick, was die Aktivitäten und das Wirkungsfeld etwa des Schauspielhauses betrifft - es ist ja im vergangenem Jahr unter Direktor Andreas Beck, der auch immer wieder zeitgenössische Autoren fördert, zu den drei besten deutschsprachigen Bühnen gewählt worden: "Das Schauspielhaus als vergleichsweise kleine Mittelbühne wirkt weit über Wien und Österreich hinaus und das muss und werde ich sicher auch in Rechnung ziehen."

Es sei übrigens durchaus so, dass man Kritik vom Kontrollamt ernst nehme und Konsequenzen ziehe, sagt Andreas Mailath-Pokorny, wie er am Beispiel des Interthalia-Theaters zeigt. Dieses Theater sei vor einigen Jahren vom Kontrollamt sehr kritisch beurteilt worden. Diese Kritikpunkte habe man gemeinsam aufgearbeitet "und das hat das Kontrollamt jetzt auch anerkannt", so Mailath-Pokorny.

Fazit: "Natürlich sehe ich primär meine Aufgabe, dass ich mich schützend oder ermöglichend vor oder hinter die Künstler stelle, aber dabei natürlich sehr genau kontrolliere, wie das Steuergeld ausgegeben wird, und ich glaube, das gelingt uns in Wien sehr gut."

Textfassung: Red.