Karriereende einer Polithoffnung

Der 13. April 2011 bringt das frühe Karriereende einer gezielt aufgebauten Polithoffnung. Mit 42 Jahren zieht sich ÖVP-Chef Josef Pröll zurück - nach einem steilen Aufstieg und zunehmend schwierigeren Verhältnissen in den letzten Monaten.

Start im Bauernbund

Die politische Karriere von Josef Pröll begann im Bauernbund. Der gebürtige Stockerauer (14.9.1968) heuerte nach seinem Studium der Agrarökonomie bei der EU-Abgeordneten Agnes Schierhuber an, war dann Kabinettschef des damaligen Landwirtschaftsministers Wilhelm Molterer und Direktor des Bauernbunds.

Landwirtschaftsminister

Im Kabinett Schwarz-Blau II von ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel führte Pröll das Landwirtschaftsministerium ohne größere Probleme. In der nachfolgenden rot-schwarzen Koalition Gusenbauer (SPÖ)-Molterer (ÖVP) musste er sich - statt des Wirtschaftsressorts - neuerlich mit dem Landwirtschafts-und Umweltressort zufriedengeben.

Mit 90 Prozent zum Parteichef

Erst als Molterer die mit den Worten "Es reicht" vom Zaun gebrochene Neuwahl an die Wand fuhr, schlug im Herbst 2008 Prölls Stunde. Als Leiter der Perspektivengruppe zur Reform der ÖVP hatte er sich in den Monaten davor eine Basis geschaffen, die groß genug war, um auf einem Parteitag mit knapp 90 Prozent zum Parteichef gewählt zu werden - und das in einer Zeit, wo er sich mit seinem Pro-Regierungskurs einer gehörigen Portion Skepsis der oppositionslustigen Basis ausgesetzt sah.

Schwungvoller Beginn

Die ersten Monate im neuen Amt als Multifunktionär - ÖVP-Obmann, Vizekanzler und Finanzminister - liefen für Pröll wie geschmiert: erfolgreiche Landtagswahlen etwa in Vorarlberg und Niederösterreich, ein Kanzler Werner Faymann, der sich noch schwertat mit dem Umstieg aus der Kommunalpolitik und eine Steuerreform mit Zuckerln wie der steuerlichen Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten. Mit einer Art Rede an die Nation und den Thema Transferkonto dominierte er wochenlang die Schlagzeilen. Stimmen aus der ÖVP, wonach man als Vizekanzler in einer Regierung zum Scheitern verurteilt sei, verstummten.

Reihe von Misserfolgen

Doch mit der Wirtschaftskrise inklusive Bankenrettungspaket und der sozialen Gerechtigkeitskampagne des SPÖ-Kanzlers geriet Pröll in die Defensive. Der Finanzminister stand plötzlich nur noch als Verkünder von Sparpaketen da. Hinzu kam ein schlechtes Wahljahr 2010 - die Steiermark wurde nicht zurückerobert, in Wien ging es so tief wie nie und auch das Burgenland lieferte keinen rauschenden Erfolg. Innerparteilich stieß der einst liberale Reformer Pröll auf Widerstände, die Partei etwa im Bildungsbereich in modernere Zeiten zu holen. Das Bild in der Öffentlichkeit blieb: wenn was geht, dann geht es nur mit, aber nie gegen die schwarze Lehrergewerkschaft. Probleme auch mit der Personalauswahl: Jüngste Beispiele: Claudia Bandion-Ortner im Justizressort, Ernst Strasser als EU-Spitzenkandidat. In den Umfragen war die ÖVP zuletzt nach dem Strasser-Skandal fast überall auf Platz drei hinter die Freiheitlichen abgerutscht. Ein, auch personeller, Neustart schien notwendig.

Mittagsjournal, 13.04.2011

Stefan Kappacher über den Sinkflug der Pröll-ÖVP

Neuorientierung

Ein Lungeninfarkt wies den dreifachen Familienvater darauf hin, dass es neben der Politik noch stressärmere Arten gibt, zu einem ordentlichen Verdienst zu kommen - etwa bei Raiffeisen, wo ihn Generalanwalt Christian Konrad schon seit Jahren als Wunschnachfolger sieht.