Eva Blimlinger im Interview

Die neue Rektorin der "Bildenden"

Am Dienstag, 25. Oktober 2011 fand in der Akademie der bildenden Künste in Wien die Antrittspressekonferenz der neuen Rektorin Eva Blimlinger statt. Erstmals wird das Haus von drei Frauen geleitet: Blimlinger wird unterstützt von Andrea B. Braidt als Vizerektorin für Kunstforschung und Karin Riegler als Vizerektorin für Lehre und Nachwuchsförderung.

Mittagsjournal, 25.10.2011

Interview mit Eva Blimlinger

Eva Blimlinger, die von 1991-1999 das von ihr aufgebaute Büro für Öffentlichkeitsarbeit an der Universität für Angewandte Kunst leitete, fungierte von 1999 bis 2004 als Forschungskoordinatorin der Historikerkommission der Republik und ist stellvertretende Vorsitzende des Kunstrückgabebeirats.

Akademie-Generalsanierung

Aufbruch und Umbruch, vorerst allerdings noch in kleinem Ausmaß, herrscht an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Bei ihrer Antrittspressekonferenz legte das neue Rektorinnenteam rund um Eva Blimlinger Vorhaben und Ziele für das neue Studienjahr dar und sprach auch über die anstehende Generalsanierung des Hauses am Schillerplatz, die Blimlinger zufolge "uns alle, von den Lehrenden bis zu den Studierenden, in den nächsten Jahren beschäftigen wird". Beginnen könnte das Vorhaben schon Ende 2012.

Zuvor werde aber noch heuer die Planerausschreibung in einem zweistufigen Verfahren starten, das Mitte kommenden Jahres abgeschlossen werden soll. Je nach budgetärer Lage könnte damit die Sanierung des Haupthauses der Akademie Ende 2012 oder Anfang 2013 starten, so Blimlinger. An ihrer Seite saßen die beiden neuen Vizerektorinnen Andrea Braidt und Karin Riegler. Braidt ist für "Kunst/Forschung" zuständig, Riegler für "Lehre/Nachwuchsförderung".

Mobilitätsförderung und Bewerberanstieg

Der Bereich "Kunst/Forschung" verstehe sich als serviceorientierte Anlaufstelle für künstlerische wie wissenschaftliche Projekte, Vorhaben oder Wettbewerbe, während man gleichzeitig Absolventen stärker an die Akademie binden sowie internationale und allen voran europäische Netzwerke forcieren wolle. Mobilitätsförderung ist auch ein wesentlicher Bestandteil des Vizerektorats "Lehre/Nachwuchsförderung".

Über mangelndes Interesse am Studienangebot kann man sich jedenfalls nicht beschweren: Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete man einen Bewerberanstieg um 36 Prozent, wie Riegler betonte, wenngleich die abschließenden Zahlen erst nach Ende der Nachinskriptionsfrist vorliegen würden. Neu angeboten wird ein Master in Critical Studies, der bereits auf "recht großes Interesse" gestoßen sei, so die Vizerektorin. Von 40 Bewerbern wurde schlussendlich 14 angenommen.

Ansturm auf Architektur-Studium

Speziell im Bachelorstudium Architektur sei der Anstieg von 40 auf 105 Bewerber signifikant, was laut Riegler mit "großer Wahrscheinlichkeit" darauf zurückzuführen sei, dass die Universität für Angewandte Kunst kein Diplomstudium in diesem Fachgebiet mehr anbiete. In den kommenden eineinhalb Jahren wolle man sich aber gemeinsam mit der Angewandten sowie der Technischen Universität (TU) Wien "koordinieren, wer was wie anbieten wird", so Blimlinger.

Die Trennung von Lehre und Forschung habe auch Ressourcen freigespielt, wie Braidt erklärte. Diese könnten nun für Projekte genutzt werden, wie etwa das vom Wiener Wissenschafts-, Forschungs-und Technologiefonds finanzierte "Troubling Research", das den "Bereich der künstlerischen Forschung auf die Spitze" treibe, würde doch der Forschungsprozess selbst hinterfragt werden. Erste Ergebnisse werden Ende November im Rahmen einer Ausstellung im xhibit präsentiert.

Weitere Ausstellungen werde sich im kommenden Jahr mit dem Akademie-Schüler Norbert Bittner oder Jonathan Meese beschäftigen, während der "als legendär zu bezeichnende" Rundgang im Jänner wieder "Besuchermassen" durch die Räume der Akademie schleusen wird, so Braidt.

Hohe Frauenquote

Dass die hohe Frauenquote an der Akademie - abseits des einzigen zur Gänze aus Frauen zusammengesetzten Rektorats kommt man auf über 50 Prozent im Lehrpersonal sowie auf knapp 73 Prozent in Führungspositionen - "aber nicht allen in Österreich so gelegen" komme, konstatierte Blimlinger in Bezug auf eine parlamentarische Anfrage der FPÖ zur Besetzung. "Scheinbar fragen sich einige, wie es denn sein kann, dass eine Person wie ich hier Rektorin wird", bemerkte sie.

Text: APA, Audio: ORF