Verbrechen gegen Menschlichkeit
Ex-Präsident Gbagbo vor Haager Strafgericht
Der ehemalige Präsident der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, ist am frühen Morgen im Gefängnis des Internationalen Strafgerichtshofs angekommen. Ihm werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vorgeworfen. Gestern hat der Internationale Strafgerichtshof in den Haag einen Haftbefehl gegen Gbagbo ausgestellt.
8. April 2017, 21:58
Mittagsjournal 30.11.2011
Verbrechen gegen Menschlichkeit
Laurent Gbagbo wird in den nächsten Tagen vor Gericht erscheinen, sagt der Sprecher des Internationalen Strafgerichtshofs Fahdi al Abdallah: "Ihm werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Mord, Politische Verfolgung, Vergewaltigung und andere Straftaten vorgeworfen."
3000 Opfer nach der Wahl
Laut Strafgerichtshof wurden diese Taten in der Zeit verübt, als Gbagbo nach der Wahl vor einem Jahr den Sieg seines Herausforderer Alessane Outtara nicht anerkennen wollte. Innerhalb von sechs Monaten wurden mehr als 3.000 Menschen getötet. Gbagbo-Getreue haben mit Maschinengewehren auf demonstrierende Frauen geschossen und viele Gegner ermordet.
Streit über die Opferzahl
Ein enger Berater Gbagbos, Bernard Oudin, hat heute früh gemeint, der ehemalige Präsident werde den Prozess nutzen um seinen Namen reinzuwaschen. "Der jetzige Präsident Allessane Ouattara hätte viel größere Gräueltaten begangen als Gbagbo, sagt Oudin." Und eine von Gbagbos Anwälten, Lucie Bourthoumieux, nennt den Haftbefehl illegal: "Er liegt nicht im Interesse der Elfenbeinküste und diene nicht der nationalen Versöhnung. Sie meint, dass es nicht 3.000, sondern 10.000 Opfer gegeben habe, und dass sie auf das Konto des jetzigen Präsidenten Ouattara gehen."
Parlamentswahlen im Dezember
In Elfenbeinküste finden in weniger als zwei Wochen Parlamentswahlen statt. Drei Gbagbo-treue Parteien haben angekündigt, sie würden aus Protest gegen die Überstellung nach den Haag nicht an der Wahl teilnehmen. Sie meinen, es sei ein abgekartetes Spiel. Gbagbo sei nur nach den Haag überstellt worden, damit der amtierende Präsident freie Hand hätte. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hätte seine Hand im Spiel.
Versöhnung im Land
Doch es geht auch um Versöhnung, hört man in den Straßen von Abidjan: "Wenn man echte Verhöhnung will, muss man die Anklage fallen lassen"´, sagt Laurent Mugbat. Er steht in der Schlange vor einem Supermarkt. So wie er meinen viele, dass die Überstellung Gbagbos den Versöhnungsprozess im Land eher bremsen könnte.
