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Kultur

Wenige Frauen bei Wiener Philharmonikern

1997 erst hat sich das ehemalige Männer-Orchester Wiener Philharmoniker für Frauen geöffnet. Und nach wie vor ist der Frauenanteil bei den Philharmonikern weitaus kleiner als bei vergleichbaren internationalen Orchestern. Die Philharmoniker versichern, dass für die Auswahl ihrer Musiker allein die Leistung zähle.

Mittagsjournal, 28.12.2012

"Schade, dass du ein Mädchen bist"

Das Neujahrskonzert ist einer der erfolgreichsten Exportartikel der österreichischen Kulturszene. Es sind Bilder, die um die Welt gehen: dunkel gekleidete Männer im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins, Frauen sieht man kaum. Magere sechs Prozent beträgt der Frauenanteil bei den Wiener Philharmonikern. Frauen haben es in Spitzenorchestern oft schwer, die gebürtige Amerikanerin Carole Dawn Reinhart kann davon ein Lied singen. 1964 schloss sie als erste Frau an der Wiener Musikhochschule ein Trompetenstudium ab. Und ihr Professor hat ihr damals gesagt: "Schade, dass du ein Mädchen bist. Sonst könntest ein Philharmoniker werden."

Wo das Geld ist, sind die Männer

Mit dem Frauenanteil von sechs Prozent schneiden die Wiener Philharmoniker im internationalen Vergleich schlecht ab. Einige Beispiele: Berliner Philharmoniker 14 Prozent, London Symphony Orchestra 30 Prozent, New York Philharmonic 36 Prozent. Weshalb es hierzulande im Vergleich etwa zu Nordamerika für Frauen schwierig ist, liegt laut Carole Dawn Reinhart auch am Geld: Dort, wo die Bezahlung gut ist, dort seien die Männer. "Und die Männer möchten die Hälfte der Konkurrenz ausschalten - die Frauen."

Subvention über Umwege

Der geringe Frauenanteil bei den Wiener Philharmonikern ist auch dem Grünen Kultursprecher Wolfgang Zinggl schon länger ein Dorn im Auge. Dass Frauen einfach nicht so gute Musikerinnen sind, glaubt er nicht, sondern "dass hier immer noch traditionelle Diskriminierungen am Werk sind." Zwar habe sich hier in den letzten Jahren einiges gebessert, aber insgesamt gehe es zu langsam, so Zinggl, der eine Ursache dafür auch bei Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) ortet. Denn Schmied habe zwar die Subventionen für die Philharmoniker in der Höhe von 2,5 Millionen Euro pro Jahr gestrichen, weil in Sachen Geschlechterparität zu wenig weitergegangen sei. Dafür komme dieser Betrag über das Staatsopernorchester indirekt doch wieder den Philharmonikern zugute, weil alle Philharmoniker im Orchester der Staatsoper spielen, zeigt Zinggl auf.

"Leistung zählt"

Philharmoniker-Vorstand Clemes Hellsberg kann die Aufregung um den geringen Frauenanteil in seinem Orchester nicht nachvollziehen. Wer zu den Philharmonikern wolle, müsse ein Probespiel bestehen. Das finde mit Nummern und hinter einem Paravent statt. Ein anderes Kriterium gebe es nicht. "Was zählt, ist die Leistung, und wir wären ja verrückt, wenn wir nicht die besten nehmen würden, die wir kriegen", so Hellsberg. Sind die Frauen also einfach schlechter als die Männer? Hellsberg: "Aber woher denn. Es sagt ja auch nichts aus, wenn jemand ein Probespiel nicht gewinnt, dass das ein schlechter Musiker ist." Und eines stellt Hellsberg klar: "In der Kunst kann es keine Quote geben." Und so wird es auch diesmal wieder ziemlich männlich klingen, wenn es am 1. Jänner heißt: "Prosit Neujahr."

28.12.2012

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