Schmied gegen "Ausländerwahlkampf"

Versöhnliche Töne kommen heute von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) in Richtung von Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP). Schmied will vermeiden, dass die Schule in einen drohenden "Ausländerwahlkampf" verwickelt werde, und sagt, sie wolle mit Kurz in Sachen Sprachförderung enger zusammenarbeiten. Schmied hat heute den Bildungsbericht für das Jahr 2012 vorgestellt.

Mittagsjournal, 14.1.2013

Mehrsprachig ist nicht gleich mehrsprachig

Nicht viel neues bringt der nationale Bildungsbericht 2012, auch nicht in Sachen Sprach- und Lesekompetenz: Jedes vierte Kind im Kindergarten kommt aus einer mehrsprachigen, meist Migrantenfamilie, in den Städten und Ballungszentren sind es mehr als die Hälfte. Das muss aber nicht bedeuten, dass diese Kinder und Jugendlichen deshalb weniger Leistungen erbringen, sagt die Herausgeberin des Berichts Barbara Herzog-Punzenberger von Bunds-Bildungsinstitut (BIFIE). Denn mehrsprachig ist nicht gleich mehrsprachig. "Schüler und Schülerinnen, die Polnisch, Tschechisch, Slowakisch und Ungarisch sprechen, sind zu höheren Anteilen in Gymnasien als die einsprachig deutschsprachigen Kinder. Umgekehrt ist es für Türkischsprachige. Das hängt mit der Zusammensetzung der Gruppe und dem Bildungshintergrund der Eltern nach Beruf, Einwanderungsgeschichte, nach rechtlichen Rahmenbedingungen, Prestige der Sprache und anderen Faktoren zusammen."

Mehr Sprachförderung

Weshalb auch die oft angestellten Vergleiche mit Einwanderungsländern wie Kanada und Australien mit Vorsicht zu genießen sind, da deren Zuwanderer sich in ihrer sozio-kulturellen Struktur doch sehr von jenen in Österreich unterscheiden. Einige der 30 Wissenschaftler, die am Nationalen Bildungsbericht mitgearbeitet haben, empfehlen daher, die Sprachförderung früher zu beginnen, aber auch länger fortzusetzen als bisher - über die Volksschule hinaus. Das Fazit für Unterrichtministerin Claudia Schmied: Spätestens im Alter von zehn Jahren müssen alle Kinder, die in Österreich die Schulen besuchen, die Bildungssprache Deutsch so beherrschen, dass sie im weiteren Verlauf ihrer Karriere nicht zum Hemmnis wird."

Kein Platz für "FPÖ-Briefpapier"

Wie das zu erreichen ist, darüber gab es zuletzt heftige Meinungsunterschiede zwischen Schmied und Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz, der das Problem im Rahmen der Schulpflicht regeln will. Schmied will es dagegen nur über die Schuleinschreibung angehen. Da aber 2013 ein heftiger Ausländerwahlkampf drohe, rückt Schmied enger an Kurz heran - sagt sie: "Von der Haltung her sind Staatssekretär Kurz und ich schon jetzt eng beisammen. Wir beide wollen, dass möglichst alle jungen Menschen in Österreich Erfolg haben, gute Bildung erzielen. Und da sollte dann jedenfalls bei diesem Anspruch und diesem Ziel kein Blatt zwischen uns passen, und schon gar keines, das vielleicht ein Briefpapier der FPÖ ist."

Bis März will Schmied ihrem Regierungskollegen einen Expertenbericht mit konkreten Maßnahmen vorlegen - trotz Wahlkampf.