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Gesellschaft

Caritas: Betreuung Sterbender verbessern

Viele Sterbende würden in Österreich im Stich gelassen, kritisieren Caritas und Palliativgesellschaft und fordern dringend mehr Hospizbetten. Es gebe lediglich zwei Hospizhäuser und sieben Hospizstationen in Pflegeheimen, so die Kritik. Und es könne nicht sein, dass die Versorgung sterbender Menschen von Spenden abhängt.

Mittagsjournal, 15.4.2014

Barbara Gansfuß-Kojetinsky

Fördermittel fehlen

Seit 25 Jahren engagiert sich die Caritas in der Hospizbetreuung, sagt Caritas-Präsident Michael Landau. "An manchen Standorten, wie dem Tageshospiz Alt-Erlaa, möchten wir das Angebot ausbauen, sagt er, aber das geht nicht - obwohl der Bedarf enorm ist. Denn es gibt keinen einzigen Cent an öffentlicher Förderung für das Tageshospiz. Das Angebot wird aus Spendenmitteln allein finanziert."

Noch immer ist für viele Todkranke Palliativmedizin nicht greifbar, und manchmal auch nicht leistbar, sagt Michael Landau. 2004 hat das Bundesinstitut für Gesundheitswesen einen Ausbauplan vorgelegt, der bis 2012 erfüllt sein sollte. Aber es fehlen nach wie vor Hospizbetten, Tageshospize und mobile Angebote.

In Gesundheitssystem integrieren

Dabei sollte das längst Teil des Gesundheitssystems sein, ergänzt der ärztliche Leiter der Caritas Wien Harald Retschitzegger. "Wir können nicht hier die Medizin haben und dann einen Randbereich, der nirgends dazu gehört, sondern wir brauchen das in dem Ganzen drinnen."

Und diese Bemühungen der Politik vermisse er, sagt Michael Landau. Es gebe keine Bereitschaft, diese Angebote zu finanzieren: "Das Pingpong-Spiel zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherungsträgern auf dem Rücken sterbender Menschen muss ein Ende haben. Heute verweist der Bund auf die Länder, die Länder verweisen auf den Bund, die Sozialversicherung sagt, das geht sie alles gar nichts an. Und die, die übrig bleiben, sind die Menschen am Ende des Lebens."

"Kraft, die uns ans Leben bindet"

Auch wenn sie sterbenskrank sind, wollen die meisten Menschen leben, so lange es geht, sagt Herbert Watzke, Präsident der Palliativgesellschaft: "Wir wollen in Situationen leben, von denen wir uns früher gedacht haben, nie und nimmer will ich so leben. Wir wollen auch in schwierigsten Umständen leben. Wir haben eine Kraft, und das ist nicht Esoterisches, sondern etwas Physiologisches, das uns ans Leben bindet." Deshalb sei er auch dagegen, Sterbehilfe zu erlauben, so wie zuletzt etwa in Belgien für Kinder und Jugendliche.

15.04.2014

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