"Tanz! (Franz)"- neue CD von Franui

Die Osttiroler Musicbanda Franui fordert auf ihrer heute erscheinenden neuen CD Franz Schubert zum Tanz heraus.

Mit ihrem schrägen Mix aus klassischen Liedern und unkonventionellen Interpretationen steht die Formation seit Jahren für außergewöhnliche Hörerlebnisse. Auf ihrer neuen Platte widmet sie sich erneut Schubert-Liedern, vergisst aber auch nicht auf ihre Kernkompetenz: Trauermärsche.

Morgenjournal, 5.2.2016

Ein merkwürdiger Name, merkwürdige Instrumente und ein merkwürdiger Zugang zu den Liedern und Tänzen Franz Schuberts oder Bela Bartoks. Franui haben seit fast 25 Jahren Spaß am Verqueren. Da passt es auch, dass sich die zehn Musiker mit dem spirituellen Zentrum Innervillgraten in Osttirol beharrlich dagegen wehren, ein Ensemble zu sein oder gar eine Gruppe. Nein, Franui sind eine Musicbanda - eine verschworene Gemeinschaft mit eigenen Regeln und selbst gezimmertem Verhaltenskodex. Andreas Schett, einer der Komponisten von Franui: "Franui machen Volksmusik - das ist die Musik eines Volkes, das aus zehn Menschen besteht. Wenn wir Volksmusik machen, dann ist das unsre Definition von Volksmusik."

Eine Frage des Tempos

Trauermarsch oder ausgelassener Freudentanz - für Franui ist das alles eine Frage des Tempos. Spiele einen Trauermarsch vier Mal so schnell und du bekommst eine Polka - das ist einer der Leitsätze des neuen Albums. Und auf "Tanz! (Franz)" schwingen Franui gerne in ein und demselben Lied das Tanzbein in allen möglichen Geschwindigkeiten: Einmal wogend langsam, bedächtig, den Blick nach innen gerichtet, wie bei einem Trauermarsch; dann unversehens ausgelassen befreit - mit einem fröhlich-beschwingten Jauchzen und wie ekstatische Derwische, die über den Tanzboden fegen.

Filetierte Schubert-Tänze

Franui fordern auf ihrer neuen Platte Schubert zum Tanze heraus. Das ist keine Aufforderung, das ist tatsächlich eine Herausforderung der alten Tänze, die die zehn Musiker hier mit Klarinette, Tuba, Sax und Posaune, mit Trompete, Zither, Hackbrett und Geige frisch filetieren und herrlich eigenbrötlerisch wieder zusammensetzen.

Wer ein feines Gehör hat, der wird sich an diesen behutsam eingelegten Melodien und Themen weiden. Doch auch wer die Originale nicht kennt, kann hier ganz ungezwungen mittanzen oder sich in wohliger Trauer fallen lassen, wie Andreas Schett aus eigener Erfahrung bestätigt: "Manche Zuhörer sagen, dieses Schubert-Lied habe ich noch nie so gehört, jetzt verstehe ich es wirklich erst. Andere sagen: Das ist von Schubert? Das ist ja gar nicht übel!"

Die Trauermarschspezialisten

Doch Franui wären nicht Franui, wenn es sie nicht immer noch auch auf den Friedhof hinaus ziehen würde. Diesmal graben die Trauermarschspezialisten dort ein "Totengräberlied" aus. Und die nächste Franui-Platte wird dann auch wieder eine Trauermarsch-Platte. Trauer und Tanz waren immer schon ein eigenwilliges Paar - so eigenwillig wie die Musik von Franui.

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