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Associated Press

Von Antananarivo zum Tor des Südens von Madagaskar

Mora-mora auf der Roten Insel - eine nachhaltige Ö1 Reise durch das Hochland von Madagaskar - zum Internationalen Jahr des nachhaltigen Tourismus.

"In aller Ruhe" bedeutet "mora-mora" und auf diese Weise sollte man sich der viertgrößten Insel der Welt im Osten Afrikas annähern. Die einstige französische Kolonie, deren Bodenschätze ausgebeutet wurden, zählt zu den zehn ärmsten Ländern der Welt. 1947 wurde der letzte Aufstand gegen die Kolonialherren, die "Insurrection malagache" überaus brutal niedergeschlagen. Seit 1960 ist Madagaskar unabhängig, seine soziale und politische Lage jedoch nicht immer stabil: Korruption und Misswirtschaft sorgen immer wieder für Proteste in der Bevölkerung.

Mann mit Mundschutz in einem Klassenzimmer

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Pest ist eine Krankheit der Armen. Sie wird durch infizierte Flöhe von Ratten übertragen.

Mit Beginn der Regenzeit im Herbst 2017 ist - aufgrund der mangelnden Hygiene in den Slums und Armengebieten - die Pest wieder ausgebrochen. Diese Krankheit der Armen wird durch infizierte Flöhe von Ratten übertragen. Obwohl diese Infektionskrankheit mit Antibiotika relativ gut heilbar ist, sind in zwei Monaten mehr als 100 Menschen gestorben. Um die medizinische Versorgung ist es auf der Insel leider schlecht bestellt. Besonders in der Regenzeit zwischen Oktober und April häufen sich alljährlich die Krankheitsfälle. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches in Madagaskar, allerdings haben sich neben der üblichen Beulenpest auch die Fälle der gefährlicheren Lungenpest vermehrt.

Durch groß angelegte Desinfektionsmaßnahmen und Hilfe des Internationalen Roten Kreuzes versucht man der Lage Herr zu werden. Auch die WHO schickte bereits 1,5 Millionen Dosen Antibiotika zur Behandlung und Prophylaxe. Touristen sind von der Pest in der Regel nicht betroffen, daher ist die Gefahr der Verschleppung nach Europa relativ gering.

Dennoch: Als Reiseland hat die "Rote Insel" im Indischen Ozean auf ihren rund 587.000 km2 viel zu bieten, u.a. eine ungeheure landschaftliche Vielfalt: Gebirgsmassive, Felsspitzen, Hochplateaus vulkanischen Ursprungs und kilometerlange Strände an den Küsten. Der rote Lateritboden ist zwar reich an Mineralien und Edelsteinen, allerdings nur in wenigen Gebieten mit viel Niederschlag fruchtbar.

Durch die lange Isolation Madagaskars, das aus der Spaltung des Urkontinents Gondwana vor etwa 90 Millionen Jahren entstand, hat sich eine weitgehend eigenständige Flora und Fauna entwickelt. Die gesamte Insel ist eines der artenreichsten Biotope überhaupt, 80 Prozent der Blütenpflanzen und Säugetiere sind endemisch. Bei den Reptilien sind es sogar 95 Prozent. Die bekanntesten und charakteristischsten madagassischen Tiere sind die Lemuren. Etwa hundert Arten leben ausschließlich auf der Insel: Indris, Kattas, (Ringelschwanzlemuren), Große Makis sind nur einige. Erst 1995 wurde der Goldene Bambuslemur entdeckt, der sich ausschließlich von jungen Bambussprossen ernährt.

Katta-Familie

Madagaskar ist eines der artenreichsten Biotope überhaupt

dpa/Holger Hollemann

Ursula Burkert bereiste für "Ambiente" das Hochland von Madagaskar, beobachtete neben Lemuren und Chamäleons auch riesige Zebu-Herden, lernte nachhaltige Tourismus-Projekte kennen und besuchte Werkstätten, in welchen Gegenstände aus Recycling-Material hergestellt werden. Außerdem war sie die ganze Reise über mit einer bemerkenswerten Gastfreundschaft der einheimischen Bevölkerung konfrontiert. Dann kann es trotz so unterschiedlicher Mentalität und Lebensweisen zu spannenden Begegnungen kommen. Da kann es sein, dass man während der Reise durchs Land ganz spontan von einer Familie zu einem Hauseinweihungsfest mit Reis und Bohnen eingeladen wird oder Zugang zu lokalen Initiativen erhält, die sich sowohl um das Wohl der Menschen als auch der Natur annehmen.

Karte von Madagaskar

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Madagaskar ist die viertgrößte Insel der Welt

Violette & Dieux Donne zum Beispiel: die ehemalige Langstreckenläuferin und der Sportprofessor haben am Rand von Antananarivo die alte Schmiede der Großeltern wieder aktiviert: gesammeltes Altmetall wird zu Baobab - Säulen, Kerzenleuchtern, Tischlampen und anderen dekorativen Gegenständen recycelt und zwar vornehmlich von alleinerziehenden Frauen, die aus zerrütteten Ehen geflüchtet sind und auf dem ohnehin höchst angespannten Arbeitsmarkt keine Chancen hätten. Auch Frauen mit unterschiedlichen Behinderungen werden hier beschäftigt. Die Waren der Manufaktur sind nicht nur beliebte Souvenirs für Touristen, sie finden auch im eigenen Land guten Absatz: bei der Innenausstattung von madagassischen Restaurants und Hotels. Außerdem geht ein Teil in den Export zu Kunsthandwerks-Märkten in Europa.

Von den Bewohnern des Dorfes Iarintsena südlich von Ambalavao wurde 1998 eine Initiative zum Schutz der umliegenden Wälder gegründet. Sie waren von Abholzung bedroht. Heute ist "Anja" ein privat betriebenes und selbstverwaltetes Naturreservat inmitten einer semiariden Granit-Felslandschaft und geschützter Lebensraum von Katta-Lemuren, verschiedenen Chamäleon-Arten und etlichen endemischen Pflanzen. Von diesem Ökotourismusprojekt, bei dem neben 40 lokalen Guides, darunter einige Frauen, noch weitere 220 Menschen arbeiten, profitieren außerdem rund 600 Menschen, welchen die Einnahmen des Parks in Form von Sozialprojekten zu Gute kommen.


  • Sonntagsmesse in Akamaso

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  • Auf Lemurenpirsch

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  • Violette und ihr Ehemann Dieudonné haben vor fast 30 Jahren ein humanitäres Projekt in Madagaskars Hauptstadt Antananarivo.

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  • Die neue Schule von Violette und Dieudonné

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  • Landschaft

    Im Hochland von Madagaskar auf dem Weg zum Dorf Ambodipaissu

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  • Kinder

    Einweihungsfest eines neuen Hauses

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  • Landschaft

    Die rote Erde Madagaskars

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Akamasoa ("Gute Freunde") wurde 1989 von dem in Buenos Aires geborenen slowenischen Priester Pedro Opeka initiiert, um Menschen, die auf den Müllhalden am Rand von Antananarivo lebten, zu helfen. Der Priester, der in seiner Jugend auch das Zeug zum Profifußballer gehabt hätte, sammelte Spenden, kaufte Grundstücke und organisierte Bautrupps, die nach und nach Eigenheim-Siedlungen errichteten. Die Ärmsten der Armen erhielten als Starthilfe ein Dach über den Kopf und die Verpflichtung ihre Kinder in die Schule zu schicken. Außerdem muss jeder der inzwischen 20.000 Bewohner seinen Beitrag zum Gemeinwohl leisten. Betteln ist in Akamasoa streng verboten, Pedro Opeka setzt auf Hilfe zur Selbsthilfe. Ein ganz besonderes farbenfrohes und heiteres Erlebnis ist die sonntägliche Messe in der Sporthalle von Akamaso. Tausende - vornehmlich - junge Menschen singen und tanzen dort als würden sie an einem Popkonzert teilnehmen.