Peter Klien mit seinem roten OFF-Mikro

Ingo Pertramer/Rabenhof

"Reporter ohne Grenzen" Peter Klien

Aus der satirischen Late-Night-Show "Willkommen Österreich" sind die Politikerinterviews von Peter Klien nicht mehr wegzudenken. Jetzt feiert "Reporter ohne Grenzen", so der Titel von Kliens bereits viertem Kabarett-Solo, seine Premiere im Wiener Rabenhof.

Morgenjournal | 15 11 2017

Wolfgang Popp

Kulturjournal | 16 11 | Peter Klien im Interview

Der studiert Philosoph und Altphilologe im Gespräch über antiken Humor, neue Talkformate und Lieblingsinterviewpartner

Nachrichten unter der Zimmerpflanze

Gleich die Eingangssignation heißt das Publikum im Nachrichtenstudio Peter Klien willkommen. Das unterscheidet sich allerdings recht grundsätzlich von den gläsernen High-Tech-Newsrooms der Gegenwart. Was Peter Klien im Interview auch bereitwillig zugibt: "Ich glaube, es ist ein Nachrichtenstudio für Arme. Der Reporter hat verschiedene Sachen von zu Hause mitgebracht, die ihm schön erscheinen. Einen Tisch, den er als schön bezeichnen würde und eine Zimmerpflanze, die er als schön bezeichnen würde. Er hat versucht, es gemütlich zu machen, ich glaube, es ist ihm nicht ganz gelungen."

Peter Klien mit einem roten OFF-Mikro

Ingo Pertramer/Rabenhof

Satiriker Peter Klien auf der Jagd

Zu allen gleich schlecht

Streng eingehalten im Nachrichtenstudio Peter Klien wird allerdings das Objektivitätsgebot. Von Anfang an gilt das Versprechen, alle Parteien gleich schlecht zu behandeln. Oder überhaupt parteienübergreifende Wahrheiten zu formulieren:

"Anfang des Jahres hat es eine Vorstandssitzung der SPÖ gegeben, wo über die Nachfolge von Sonja Wehsely abgestimmt worden ist. Geworden ist es Sandra Frauenberger. Die war zum damaligen Zeitpunkt Stadträtin für Frauenfragen, hat dann gewechselt vom Frauen- ins Gesundheitsressort, das kann man verstehen, weil gesund wird man leichter als gleichberechtigt."

Nie gesehenes Material

Als Multi-Media-Spektakel ist "Reporter ohne Grenzen" angelegt. Neben Live-Kabarett zeigt Klien die schönsten Tweets, die ihm im Laufe seiner Reporterkarriere zugeschimpft wurden, und dazu gehörend die Videos, die diese Tweets heraufprovoziert haben. Peter Klien: "Ein Reporter kommt auf die Bühne, erzählt, was er so erlebt hat und zeigt Ausschnitte aus bekannten Videos, aber auch sehr viel unbekanntes Material, und er denkt darüber nach, wie Politik und Medien in Österreich funktionieren. Er erzählt von den Dreharbeiten und über das Verhalten seiner Gesprächspartner vor und nach den Interviews."

Interviewflüchtig

Für sein Mikrofon, so heißt es in der Intro, habe Peter Klien extra den Waffenschein gemacht. Dementsprechend vorsichtig ist die heimische Politprominenz, wenn Klien das Mikrofon im Anschlag auf einer Parteiveranstaltung auftaucht. Einer der ganz wenigen, die Klien bisher noch erfolgreich entkommen sind, ist Außenminister Sebastian Kurz.

"Auch später ist er immer wieder vor mir davongelaufen, Sebastian Kurz hält mich also auf dem Laufenden. Gut, aber wenigstens weiß er jetzt, wie es sich anfühlt, ein Flüchtling zu sein."

Drohende Gewalt

Wenn sich Peter Klien in Bierzelte und zu Wahlkampfveranstaltungen begibt, ist die Stimmung dort nicht selten feuchtfröhlich bis latent aggressiv. Die im Netz schon zahlreich angekündigten Watschen für den "Reporter ohne Grenzen" hat es in der Realität bisher noch nicht gesetzt. Knapp war es allerdings schon des Öfteren.

"Da ist mein Interviewpartner plötzlich wieder vor mir gestanden und hat gesagt, 'wenn du des, was mia grod gred hom, im Fernsehen spüst, i find di, und donn geht’s da schlecht.' Ich habe gespürt, wie der Mann unglaublich aggressiv geworden ist … da bekommt der Begriff 'Stichwahl' plötzlich eine ganz neue Bedeutung …"

Premiere von "Reporter ohne Grenzen" ist heute Abend im Wiener Rabenhof-Theater, wo Klien insgesamt zehn Mal zu sehen sein wird. 2018 geht er dann mit seinem Programm auf Österreich-Tournee.

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