Peter Handke

APA/BARBARA GINDL

Peter Handke zum 75er

Peter Handke bekommt den Kärntner Landesorden in Gold verliehen. Das hat die Landesregierung am Dienstag - einen Tag vor dem 75. Geburtstag ihres großen Sohnes - doch noch beschlossen. Ursprünglich hätte es nur das silberne sein sollen, nach heftigen öffentlichen Debatten gab es dann das Upgrading.

Ob Handke davon beeindruckt ist, weiß man noch nicht. Seinen Geburtstag wird er jedenfalls, wie er angekündigt hat, zurückgezogen verbringen, in seinem "Kaff" Chaville nahe Paris. Rund um den Geburtstag gibt es aber Ausstellungen, Film-Dokus, Aufsatzsammlungen, ein Bilder-Lesebuch und nicht zuletzt - ein großes Handke-Epos von 560 Seiten: "Die Obstdiebin".

Morgenjournal | 06 12 2017

Kristina Pfoser

Kulturjournal | Der Lektor im Interview

Handkes langjährigen Lektor ist Raimund Fellinger. Der Cheflektor des Suhrkamp-Verlages gibt unter anderem auch die Schriften von Thomas Bernhard, Christoph Hein oder Peter Sloterdijk heraus. Ö1 sprach mit ihm über die 37-jährige Zusammenarbeit, Interventionen und die Jugoslawien-Texte.
Kristina Pfoser

Die Obstdiebin

Er könnte sich vorstellen, ein Epos zu schreiben, wie es noch keines gegeben hat, hat Peter Handke vor fünf Jahren verlauten lassen. Jetzt ist es da. In "Die Obstdiebin" reist der Ich-Erzähler aus seiner Niemandsbucht ins Landesinnere, drei Tage lang ziehen wird mit ihm durch die Landschaft und begleiten ihn bei seiner Welt-Erkundung.

"Schon als Kind habe ich mich erlöst gefunden, wenn ich in die Landschaft überging, in einen Baum in einen Feldweg", erzählte Peter Handke vor fünf Jahren in einem Fernsehinterview. "Ich erinnere mich an einen Sommermorgen mit meinem Großvater, an dieses erste Licht, an Regentropfen. Und da dachte ich: Jetzt bin ich mich los. Aber trotzdem lebe ich."

Ein spektakulärer Start

Ein Blick zurück: Peter Handkes Einstieg in die Literaturarena war Aufsehen erregend. 1966 warf er bei einer Tagung in Princeton den Autoren der Gruppe 47 "Beschreibungsimpotenz" vor, im selben Jahr wurde in Frankfurt seine provozierende "Publikumsbeschimpfung" uraufgeführt und "Die Hornissen" erschienen - das vielbeachtete Prosadebüt.

"Da ist alles drin, was in mir weiterweht oder würgt oder wurstelt in mir", sagte Peter Handke, "der Traum, die Bruder-Suche, das Blind-Sein, das Verlorengehen, das Vermisst-Sein, das Warten auf den Vermissten, und so weiter". Nachzulesen ist das in mittlerweile rund 70 Büchern - Romanen, Theaterstücken, Hörspielen, Gedichten und Erzählungen.

Ideologisches Monster

Eine ganze Reihe von Verrissen musste Peter Handke nach der Erzählung "Langsame Heimkehr" 1979 hinnehmen. Seine Versuche - über den geglückten Tag, über die Müdigkeit oder über die Jukebox - haben nur mehr den harten Kern der Fangemeinde erreicht.

In den 90er Jahren dann der große Bruch, als Handke "Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien" veröffentlichte, einen Bericht, mit dem er das Bild der Serben - wie er meinte - in der Weltöffentlichkeit zurechtrücken wollte und damit in das Kreuzfeuer internationaler Kritik geriet - beschimpft als "ideologisches Monster", befallen von "Größenwahn und Paranoia".

Das "Letzte Epos"

Sein Anliegen sei es, so Peter Handke, der Welt schreibend gerecht zu werden. Bei allen seinen so genannten "Verwandlungen" bleibt für ihn selbst eine große Konstante: "Ich bin ein Anfänger, ich fange immer wieder neu an und wenn ich nicht zu Ende komme, soll es mir Recht sein."

Als "Letztes Epos" will Handke seine "Obstdiebin" verstanden wissen und sein Lektor, Raimund Fellinger, erklärt: "Damit wird ein Schlussstein gesetzt und wer noch ein Epos schreiben will, selbst wenn er Peter Handke heißt, wird sich sehr anstrengen müssen, um ‚Die Obstdiebin‘ zu überbieten." - Kaum zu überbieten ist wohl auch das Editionsprojekt, das Suhrkamp vorbereitet: Eine 14-bändige "Handke Bibliothek" mit 11.400 Seiten wird Ende März 2018 erscheinen.

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