Die Arbeit des Zuschauers

"Ich habe den Ehrgeiz, das Theater immer neu zu entdecken und dabei die Menschheit zu umfassen", hat Peter Handke einmal gesagt. Seine Theaterarbeit ist nun erstmals Thema einer Ausstellung im Österreichischen Theatermuseum in Wien.

In zwei Teilen befasst sich die Schau zunächst mit dem jungen Handke, der spätestens seit der Uraufführung seiner "Publikumsbeschimpfung" als erster Popstar der deutschsprachigen Literatur gehandelt wurde. Im zweiten Teil wird Handkes späteres Theaterschaffen thematisiert, das nach achtjähriger Pause in den frühen 1980er Jahren wieder begonnen hat. Auch die Erregungen rund und Handkes Jugoslawien-Engagement sind ein Thema der Ausstellung.

  • Der junge Peter Handke

    Der junge Peter Handke

    (c) Försterling, EPA

  • Szene aus "Immer noch Sturm" bei den Salzburger Festspielen

    Szene aus "Immer noch Sturm" bei den Salzburger Festspielen

    (c) Gindl, APA

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Kulturjournal, 30.01.2013

Peter Handke, ein Autor, der sich jeder Zuordnung entzieht, der literarische Traditionen und Strömungen einer ständigen Prüfung unterzieht, und der das Theater vor allem als Mittel zur Wahrheitssuche begreift: So tritt Handke seit Jahrzehnten in Erscheinung.

Bekannt wurde er zunächst als Rebell: 1966 führte der junge Claus Peymann in Frankfurt sein erstes Stück "Publikumsbeschimpfung" auf, in dem Handke seine Ablehnung gegenüber vorherrschende Themen und Formen des Theaters ausdrückte und die Rolle des Publikums neu definierte. Nicht zufällig trägt die neue Peter-Handke-Ausstellung im Theatermuseum den Titel "Die Arbeit des Zuschauers". Zeitlich setzt die Schau genau in dieser Zeit an, als Handke zum Popstar der Literatur wurde.

Handke war schlagartig berühmt und in den Medien nicht nur als Literat präsent, sondern als kulturelles Phänomen - so wurde er sogar einmal als Comicfigur gezeichnet. Seine frühen Bühnenwerke - von der "Publikumsbeschimpfung" über "Kaspar" bis hin zu "Ritt über den Bodensee" - thematisieren das Theater selbst, seine Sprache, seine Gesten und Posen, erklärt die zweite Kuratorin der Ausstellung, Katharina Pektor.

Einblick in die Arbeitsweise des Autors

Zahlreiche Objekte, die zum Großteil aus dem Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek stammen, dokumentieren die Entwicklung und Aufführungsgeschichte von Handkes Theaterstücken. Briefe und Notizen, Druckfahnen und Bühnenbild-Entwürfe geben Einblick in die Arbeitsweise des Autors. Dazu laufen Video-Interviews mit Handke und Claus Peymann.

Der zweite Teil der Ausstellung führt dann durch Handkes spätere Theaterstücke - beginnend mit dem dramatischen Gedicht "Über die Dörfer" aus dem Jahr 1982, dem ersten Bühnenwerk nach achtjähriger Pause, bis hin zum Stück "Immer noch Sturm", uraufgeführt 2011 bei den Salzburger Festspielen.

Spiel mit Symbolen

Die von Peter Karlhuber gestaltete Ausstellung spielt mit jenen Symbolen, die sich auch in Handkes Theaterarbeit wiederfinden: Der Apfelbaum aus dem Stück "Immer noch Sturm" etwa steht im Innenhof des Museums, und am Eingang der Ausstellung kann sich der Besucher auch selbst ein Stück des Obstes mitnehmen, das bei Handke für Kindheit, Heimat und Friede, aber auch Fantasie und Selbstbewusstsein steht. Auch Handkes umstrittene Haltung zum Jugoslawien-Krieg spart die Ausstellung nicht aus.

"Die Arbeit des Zuschauers" im Theatermuseum ist eine Literaturausstellung geworden, die neben Informationsdichte auch eine Reihe an Sinneseindrücken hinterlässt. Die Schau ist in Zusammenarbeit mit dem Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek entstanden.

Service

Ö1 Club-Mitglieder bekommen im Österreichischen Theatermuseum ermäßigten Eintritt (EUR 2,-).

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