Drei chinesische Frauen posieren vor Graffiti

ORF/ALEXANDRA SIEBENHOFER

Wohin steuert China?

China will an die Weltspitze: in der Politik, im Welthandel und in der Technologie. Gleichzeitig verschärft Xi Jinping, der mächtigste Mann im Staat und in der kommunistischen Partei seit Jahren seinen autoritäten Kurs. Kritische Medien werden mundtot gemacht, das Internet immer strenger kontrolliert. Ist China auf dem Weg in den Überwachungsstaat oder an die technologische Weltspitze - oder beides? Und was bedeutet das für Europa? Ein Ö1 Schwerpunkt widmet sich diesen Fragen.

Wer heute nach China reist, wird überrascht: vom unerwartet dichten Smog in Peking, der von einem Tag auf den anderen strahlend blauem Himmel weichen kann. Von den glitzernden Hochhäusern Shanghais, den Hochgeschwindigkeitszügen und vom Konsumrausch, der einen in den zahlreichen Einkaufszentren der Metropole überwältigt. Aber auch von der Tatsache, dass plötzlich im Internet gar nichts mehr geht: kein Facebook, kein Gmail, kein Whatsapp, kein Googlemaps und auch keine Google-Suchmaschine.

Verbotene Stadt im Smog

Die Verbotene Stadt versinkt im Smog

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Verdrängung aus den Städten

Wer vor vielen Jahren schon einmal in China war, dem fällt vielleicht auf, dass heute in den großen Städten immer weniger kleine Verkäufer an den Straßenrändern ihre Waren anbieten. Das lebhafte Chaos aus Obstverkäuferinnen, Suppenköchen, Müllsammlern und mobilen Fahrradmechanikern, die ihre Dienste am Straßenrand anbieten, ist vieler Orts verstummt, meist nicht freiwillig. Wanderarbeiter/innen und Bettler/innen bekommen immer wieder zu spüren: es herrscht Ordnung im Staate Xi Jinpings. Sie werden an den Rand gedrängt oder, wie kürzlich in Peking, ganz aus den Städten vertrieben. Ähnlich geht es Künstler/innen, Journalist/innen oder unbequemen Anwält/innen, denen oft nur die innere Emigration bleibt.

Ein Nachtmarkt in Shenzhen


Wer heute nach China reist, wird aber auch überrascht von dem rasanten technologischen Wandel des Landes. Weil die Regierung ausländische Konzerne wie Google oder Facebook ausgesperrt hat, sind hier eigene Internet-Giganten entstanden. Sie sind weit mehr als eine bloße Kopie ihrer US-Rivalen, im Gegenteil, mittlerweile imitieren westliche Internetkonzerne die Lösungen ihrer chinesischen Konkurrenten. Das markanteste Beispiel: die in China allgegenwärtigen Online-Bezahldienste. Bei jeder noch so kleinen Suppenküche kann mittlerweile über einen sogenannten QR-Code per Handy-App bezahlt werden.

Technologische Aufholjagd

Egal ob Hochgeschwindigkeitszüge, Gentechnik oder Flugdrohnen: in vielen Bereichen spielen chinesische Firmen in der ersten Liga mit. Geht es nach der chinesischen Führung, soll sich diese Entwicklung in den nächsten Jahren sogar noch beschleunigen. Mit der Initiative "Made in China 2025" will die chinesische Regierung Innovation und Modernisierung in der Industrie voran treiben. Über die "One Belt, One Road" Initiative, auch bekannt unter dem Namen "Neue Seidenstraße", investiert die chinesische Regierung massiv in Transportstrecken nach Europa und Übersee.

Lobby Tencent Shenzhen

In der Zentrale des Internetriesen Tencent

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Ein anderer Forschungsbereich, der von der chinesischen Regierung intensiv gefördert wird, bleibt jedoch oft im Dunkeln: künstliche Intelligenz. Einer der großen Anwendungsbereiche ist die Gesichtserkennung. Bereits heute experimentieren Fast-Food Lokale für ihre Bestellungen mit der Technologie, an einigen Straßenkreuzungen in Chinas Millionenstädten wird sie eingesetzt um Verkehrssünder zu identifizieren. Künstliche Intelligenz könnte aber eine viel größere Rolle spielen, wenn es nach der chinesischen Regierung geht. In China soll bis 2020 soll ein "Sozialkreditsystem" aufgebaut werden, das Zahlungsmoral, Strafregister, Einkaufsgewohnheiten und soziales Verhalten bewertet. Vorläufer dazu gibt es bereits in einigen Regionen. Wer brav Punkte sammelt, wird belohnt; wer zu wenige hat, darf zum Beispiel kein Flugticket mehr kaufen.

In einem Ö1 Schwerpunkt gehen wir diesen Entwicklungen nach und beleuchten Chinas Ambition als Weltmacht aus unterschiedlichen Perspektiven.

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