Gedanken für den Tag

von Mirja Kutzer, katholische Theologin und Germanistin. "Im Blick der Kamera" - Zum 90. Geburtstag von Marilyn Monroe. Gestaltung: Alexandra Mantler

Der Tod Marilyn Monroes gibt immer noch Rätsel auf. Sie starb an einer Überdosis Tabletten - so viel scheint klar zu sein. Aber wie ist es dazu gekommen?

Marilyn hat in einem depressiven Tief ihrem Leben ein Ende gesetzt, so eine gängige Version. Nach einer neueren Hypothese war ihr Tod eher ein Unfall, eine durch den Arzt vorgenommene falsche Medikamentierung. Schließlich gibt es die Mordtheorien, die sich um ihre Affäre mit dem US-Präsidenten John F. Kennedy ranken. Die Hypothesen über ihren Tod wirken auf die Erzählungen ihres Lebens zurück. Die Suizidhypothese beschließt die Story einer leidenden Frau, die seit ihrer Kindheit nach Anerkennung sucht und diese auch im Filmgeschäft und bei ihren wechselnden Männern nicht gefunden hat.

Die Mord-Hypothese ermöglicht andere Plausibilitäten: Marilyn hat sich durchgebissen, es trotz der schlechten Voraussetzungen ihrer Kindheit zu Weltruhm gebracht. Sie war sich ihrer Wirkung bewusst und setzte sie gezielt ein - auch gegenüber Kennedy. Sie setzt ihm das Messer auf die Brust, verlangt, dass er sich zu ihr bekennt. Ihr Tod ist schließlich eine Beseitigung der Bedrohung - es war Mord.

Letztlich fehlt die Verifikation der Geschichten. Sie fehlt nicht nur deshalb, weil die Umstände des Todes ungeklärt sind. Sie fehlt, weil Marilyn selbst uns keine Bewertung ihres gesamten Lebens geben kann, die den Tod einschlösse. Der Tod, dieser Nullpunkt, in den die Sprache nicht hineinreicht, schlägt auf das Leben zurück. Denn wie formt man eine Erzählung, wenn man ihr Ende nicht nur nicht kennt, sondern prinzipiell die Perspektive fehlt, die ein gültiges Ende zu setzen vermag? Der Tod macht unsere Erzählungen vom Leben immer vorläufig, unabgeschlossen. Sie können sich verändern, sich wandeln und wachsen. Und doch sind diese Erzählungen, die unser Leben zu einem Ganzen formen, die einzige Möglichkeit zu wünschen, dass unser Leben geglückt sein möge.

Service

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Hoagy Carmichael/1899 - 1981
Komponist/Komponistin: Harold Adamson
Album: MARILYN MONROE / THE GOLD COLLECTION
Titel: When love goes wrong / aus dem Film "Gentlemen prefer blondes" / "Blondinen bevorzugt"
Solist/Solistin: Marilyn Monroe /Gesang m.Begl.
Solist/Solistin: Jane Russell /Gesang m.Begl.
Länge: 02:20 min
Label: Preiser/Retro 4035 (2 CD)

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