Renate Welsh

APA/HERBERT NEUBAUER

Renate Welsh über ihren Glauben

"Was glauben Sie?" - Die Schriftstellerin Renate Welsh spricht anlässlich ihres 80. Geburtstages über das, was sie im Leben trägt. - Gestaltung: Johannes Kaup

Renate Welsh wurde am 22. Dezember 1937, also vor genau 80 Jahren, in Wien als Tochter des Arztes Norbert Redtenbacher und seiner Frau Elisabeth geboren. Die Mutter starb, als Welsh vier Jahre alt war an einem Hirntumor. Welsh wurde großteils von den Großeltern im Ausseerland erzogen, wo sie auch die Schule besuchte. 1953 ging sie für ein Jahr als Austauschschülerin in die USA nach Portland, legte dort und ein Jahr später in Österreich die Matura ab. In ihrer Jugend wollte sie eine Zeit lang ins Kloster gehen, entschied sich aber dann doch dagegen. Von 1955 bis 1957 studierte sie in Wien Englisch, Spanisch und Staatswissenschaften. Das Studium brach sie allerdings ab und heiratete Christopher Norton Welsh. Nach ihrer ersten Tätigkeit als Übersetzerin und einer längeren Krankheit begann sie 1969 Kinder- und Jugendbücher zu schreiben. Ab 1975 war sie freie Schriftstellerin und schrieb seit 1988 auch für Erwachsene.

Ihre Kindheit hat Renate Welsh wiederholt als unglücklich bezeichnet. Durch den frühen Tod der geliebten Mutter und des Großvaters, hatte sie an diffusen Schuldgefühlen gelitten. Bereits als Kind begann sie, das Erlebte mit Hilfe des Schreibens zu verarbeiten. "Das Vamperl" war ihr erfolgreichstes Buch, das in mehreren Fortsetzungen erschien. Es ist die Geschichte eines kleinen Vampirs, der den Menschen das Gift aus der Galle saugt. Zu ihren politisch engagierten Werken zählt das vor 30 Jahren erschienene Buch "Ülkü, das fremde Mädchen". Darin beschrieb Welsh das schwierige Leben eines eingewanderten türkischen Mädchens, das sich nach einiger Zeit in Österreich mehr zu Hause fühlt als in ihrer Heimat, aber trotzdem hier viele Probleme hat. In dem Buch "Dieda oder Das fremde Kind" erzählt sie von ihrer eigenen Kindheit vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges.

Seit über zehn Jahren leitet sie in der sogenannten "Vinzirast" in Wien Schreibwerkstätten. Wie alle "Vinzi"-Einrichtungen geht auch diese auf die Vinzenzgemeinschaften und den Heiligen Vinzenz von Paul zurück, der das Motto kreiert hat: "Die Armut suchen und etwas dagegen tun." In der "Vinzirast" arbeitet Renate Welsh mit Obdachlosen, zum Teil Alkoholkranken und mehrfach marginalisierten Menschen. Manche haben Migrationshintergrund und Sprachprobleme. Daraus ist das Buch "Mit einem Fuß auf zwei Beinen stehen" (Domverlag) entstanden. 2006 wurde Renate Welsh Präsidentin der Interessengemeinschaft Österreichischer Autorinnen und Autoren und damit Nachfolgerin von Milo Dor. Renate Welsh heiratete nach dem Jahr 2000 in zweiter Ehe den Arzt Shiras Rabady, der ein praktizierender Parse ist. Ihr voller Name lautet nun Welsh-Rabady. Die Schriftstellerin wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt 2017 mit dem Theodor-Cramer-Preis. Johannes Kaup spricht mit der Autorin über das, was sie im Leben trägt.

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