Peter Sloterdijk

Peter Sloterdijk - APA/ROLAND SCHLAGER

Radiogeschichten Spezial

Peter Sloterdijk über den "Informationszynismus"

Der Ö1 Essay: "Kritik der zynischen Vernunft" von Peter Sloterdijk. Es liest Falk Rockstroh.

1983 erschien Peter Sloterdijks umfassende Diagnose unserer Zeit als eine von "zynischer Vernunft" geprägte. "200 Jahre nach dem Erscheinen von Kants 'Kritik der reinen Vernunft'", so Sloterdijk 1983, "sieht sich jede Kritik, die Aufklärung in der Gegenwart einlösen will, mit einer neuen Form des falschen Bewusstseins konfrontiert. Dieses falsche Bewusstsein beruht weder auf Lüge noch auf Irrtum, es ist auch nicht durch die auf eine 'Kritik der politischen Ökonomie' gestützte Ideologiekritik aufzulösen. Zynismus ist das aufgeklärte falsche Bewusstsein. Es ist das modernisierte unglückliche Bewusstsein, an dem Aufklärung zugleich erfolgreich und vergeblich gearbeitet hat. Es hat seine Aufklärung gelernt, aber nicht vollzogen und wohl nicht vollziehen können. Gutsituiert und miserabel zugleich fühlt sich dieses Bewusstsein von keiner Ideologiekritik mehr betroffen, da seine Falschheit bereits reflexiv gefedert ist."

Fast 40 Jahre nach der Erstveröffentlichung der "Kritik der zynischen Vernunft" hat suhrkamp Sloterdijks Studie des 20. Jahrhunderts wieder aufgelegt. Falk Rockstroh liest Ausschnitte aus dem Kapitel über den "Informationszynismus". "Die Medien", so Sloterdijk schon 1983, "sind eine 'Schule der Beliebigkeit'". Er versucht darzustellen, "warum Zynismus geradezu mit Naturnotwendigkeit zu den Berufsrisiken und den Berufsdeformationen jener gehört, deren Arbeit es ist, Bilder und Informationen über die 'Wirklichkeit' zu produzieren."

Service

Peter Sloterdijk, Kritik der zynischen Vernunft, Suhrkamp 1983, Neuauflage 2023

Sendereihe

Gestaltung

  • Kurt Reissnegger

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