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Musik

Wien Modern 2012

Sonntag
11. November 2012
19:30

ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Dirigent: Cornelius Meister.
David Philip Hefti: Changements (2012; Österreichische Erstaufführung)
Olga Neuwirth: Clinamen / Nodus (1999)
John Cage: Quartets I-VIII for an orchestra of 93 instruments (1976) (aufgenommen am 9. November im Großen Konzerthaussaal in Wien in Dolby Digital 5.1 Surround Sound). Präsentation: Christian Scheib

Pursuit of Happiness

Am 4. Juli 1776 verabschiedet der amerikanische Kongress die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten. Ein - abgesehen vom konkreten politischen Kampf um Unabhängigkeit vom britischen "Mutterland" - in seiner Bedeutung demokratiepolitischer Meilenstein, dessen schon im ersten Absatz festgeschriebene Gleichheit aller Menschen samt deren Recht auf das "Pursuit of Happiness" legendär werden sollten:

"We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness."

Cages Anarchismus

200 Jahre später, 1976, wird dieses Jubiläum gefeiert und der Komponist John Cage bekommt im Zuge dessen einen Kompositionsauftrag. Man könnte es auch so sehen: Es war Cages lebenslanges künstlerisches Ziel, auf seine sehr persönliche, von den amerikanischen Philosophen des 19. Jahrhunderts - von Ralph Waldo Emerson und Henry David Thoreau - geprägte Art eines sanften Anarchismus, das Recht auf ein "Pursuit of Happiness" künstlerisch zu formulieren, zu skizzieren und selbst zu leben.

Als er 1976 zum 200-Jahr-Jubiläum diesen Auftrag für ein Orchesterstück erhält, erinnert er sich an alte amerikanische Kirchenhymnen, wie sie zur Zeit der Unabhängigkeitserklärung in allen Kirchen der damals 13 Gründerstaaten gesungen worden waren.

Die alte Welt der amerikanischen Hymnen

Es sind einfache Choräle und Hymnen, oft vierstimmig zu singen. John Cage wählt acht originale Hymnen aus, löst Fragmente mithilfe des I-Ging-Orakels aus ihren alten Zusammenhängen und lässt sie vom Orakel neu ordnen. Aber - typisch John Cage - natürlich nicht wirklich zufällig, sondern nach strengen, vorausgedachten Regeln: Nie sollten mehr als vier der 93 Orchesterinstrumente gleichzeitig erklingen, und das alles in einem ununterbrochenen ruhigen "flow".

Seltsam schöne, "zufällige" neue Harmonien entstehen, die alte Welt amerikanischer Hymnen schimmert durch ein abstraktes Gemälde des 20. Jahrhunderts.

Erst die dritte Gesamtaufführung

Seit Jahren ist das zirka dreiviertelstündige Stück Quartets I - VIII in seiner Version "for 93 players" nicht mehr zur Gänze aufgeführt worden, Chefdirigent Cornelius Meister und das RSO Wien spielen die - laut Verlagsauskunft - nach der Uraufführung erst dritte Gesamtaufführung.

Kurz nach diesem Konzert am 9. November im Wiener Konzerthaus spielt das RSO Wien auch das Abschlusskonzert des Festivals Wien Modern im Musikverein am 16. November mit Musik von Bruno Maderna und Pierre Boulez, Musik der späten 1960er- und der frühen 1970er Jahre.

Gestaltung: Christian Scheib · zur Sendereihe

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