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Dimensionen - die Welt der Wissenschaft

Montag
11. Februar 2013
19:05

Atacama - Oase der Astronomen. Das ESO-Observatorium auf Cerro Paranal (Teil 1) - Gestaltung: Armin Stadler

Die Atacama im Norden Chiles, die trockenste Wüste der Erde, ist eine Oase für Astronomen. Die Nächte sind sternenklar, die Luftturbulenzen schwach und nirgendwo stören Stadtlichter die Finsternis. Auf dem über 2600 Meter hohen Cerro Paranal hat die Europäische Südsternwarte (ESO) eines ihrer drei Observatorien platziert.

Trockener als die Sahara

Im Jahresmittel fällt bloß ein Millimeter Regen. Im Westen erzeugt der kalte Humboldtstrom eine Inversionsschicht über dem Pazifik, die das Aufsteigen von Luft, Wolkenbildung und Niederschlag verhindert. Im Osten fällt der Regen an den Anden ab. Dazwischen, in der Atacama, gibt es daher praktisch keine Vegetation, Vögel oder Insekten.

Nur die anspruchslosesten Mikroorganismen überleben in diesem Ödland, in dem die Marsrover getestet wurden. Für Astronom/innen ist die Wüste Chiles aber die reinste Oase: fünf Prozent Luftfeuchtigkeit, kaum optische Turbulenzen, mehr als 300 wolkenfreie Nächte im Jahr. Es herrscht eine Finsternis, als wäre das elektrische Licht niemals erfunden worden. Weit und breit kein störendes Stadtlicht.

Optimale Bedingungen

Nicht nur diese optimalen Beobachtungsbedingungen lockten die europäischen Astronom/innen in die Atacama. Am Südsternhimmel sieht man kosmische Objekte, nach denen man beispielsweise über Österreich vergeblich Ausschau halten würde: das Zentrum der Milchstraße, ihre Nachbargalaxien, die Magellanschen Wolken, das Sternbild "Kreuz des Südens" oder die Nachbarsterne der Sonne, Alpha Centauri und Proxima Centauri. Alles mit freiem Auge erkennbar.

Und mit dem "Very Large Telescope" (VLT), einem Verbund von vier Haupt- und zwei Hilfsteleskopen, die den Himmel im optischen und infraroten Spektralbereich des Lichts durchmustern, sorgen die europäischen Astronom/innen auf dem Cerro Paranal immer wieder für Furore.

Eine Kleinstadt in der Wüste

Nächtens fangen die Astronomen das Licht am Südsternhimmel ein. Bei Tag schlafen und logieren sie in der "Residencia", ein braun eingefärbter Betonbau, der wie ein schlafendes Riesenreptil im Wüstensand der Atacama liegt - halb unterirdisch, denn es gilt, jedes Kunstlicht zu vermeiden.

Mehr als 130 Menschen leben und arbeiten hier: ESO-Astronomen, Ingenieure, Gastwissenschaftler, Fahrer, Reinigungspersonal, Köche. Für die Angestellten dauert die Schicht zwischen acht Tage und zwei Wochen. Das ESO-Observatorium funktioniert wie eine autarke Kleinstadt. Zweimal täglich fährt ein Lkw vor und transportiert 60.000 Liter Wasser in die Unterkunft der Astronom/innen. Der Strom wird mit einem eigenen Generator erzeugt. Pro Jahr karrt man 12.000 Kilogramm Mehl und 80.000 Eier in die Kantine der "Residencia", um den ESO-Staff, Astronom/innen, Gastwissenschafter/innen und Ingenieur/innen, zu verköstigen.

Im Gebäude sorgen ein Pool und ein tropischer Garten für Entspannung und mehr Feuchtigkeit in der Luft. Wenn die Astronom/innen nicht gerade die Sterne beobachten, schwitzen sie im Fitnessstudio, spielen Billard oder Fußball in einer eigens für sie errichteten Halle.

"Galileo hätte es gefallen", meint ein italienischer Gastwissenschaftler. Und wer beten möchte, geht in den Container. Selbst eine Kapelle haben die Konquistadoren des Sternenlichts in der Atacamawüste eingerichtet. - Darauf hätte Galileo wohl verzichten können.

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