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Musik
Weltfrauentag 2013

Zeit-Ton extended

Freitag
08. März 2013
23:03

e_may - Wie wir wollen, wir Komponistinnen. Gestaltung: Irene Suchy gemeinsam mit den e_may-Gründerinnen Pia Palme und Gina Mattiello

Wie wir wollen, wir Komponistinnen

Als Luna Alcalay noch kurz vor ihrem Lebensende 2012 aufgeführt wurde, wurde in einer kurzen Vorstellung einzig ihr schöner Vorname gerühmt. Das Oeuvre, der Kampf ums öffentliche Gehört-Werden, blieben unerwähnt. Auch wenn ihr gelungen war, was anderen misslang - am Ende blieb nur der Vorname schön. Ihre Zeitgenossinnen in den 1960er Jahren, darunter die Dichterin Elfriede Jelinek, hatten die Entscheidung getroffen, nicht Komponistinnen zu werden, und wurden, wie Friederike Gottwald, namenlos auf den Fotos neben ihren Zeitgenossen übersehen.

Komponistinnen in der Musikwelt: Yeti-Spuren im Schnee, Pionierinnen, schnell vergessene, Störenfriedinnen - die Geschichte der Komponistinnen ist ein zarter Faden in His-Story. Kein Wunder, dass Komponistinnen heutzutage nicht gern darauf angesprochen werden. Sie haben nichts zu tun mit jenen Übersehenen, Überhörten, Unwillkommenen, Geduldeten, Ausgeschlossenen. Sie haben keine Vorgängerinnen, jedenfalls keine, in deren Fußstapfen es sich gehen ließe. Sie haben nichts zu tun mit jener Luna Alcalay, die sich in den 1960er Jahren als Einzige in der Welt der Neuen Musik Österreichs behaupten konnte, und an deren Lebensende man einzig den schönen Vornamen rühmte.

Plattform für die Komponistinnen-Szene

Es gibt sie längst, die Tradition des Komponierens von Frauen, und doch ist sie nicht Stütze, sondern muss von denen, die in ihr stehen, erkannt und gestützt werden. e_may, die 2007 gegründete Plattform zur Bündelung von Kräften der Komponistinnen-Szene, macht Komponieren von Frauen sicht- und hörbar, vergibt dotierte Kompositionsaufträge, inszeniert neueste Musik, drängt sich in die männlich be-herrschte Szene der gegenwärtigen Musiken.

Die Wiege von e_may war das verdienstvolle Kosmos-Theater mit seiner Intendantin Barbara Klein, mittlerweile sind auch die Klangspuren Schwaz und Wien Modern Partner. e_may geht - sich abgrenzend vom Begriff des weiblichen Komponierens - konsequent den Weg des Komponierens von Frauen, macht aus den Frauenzimmern Frauenräume, aus dem Weibergewäsch Libretti, dreht den Spieß der Männerbelehrungen um. Der Intimität des Kammer-Komponierens wird die Lieblichkeit genommen, die Grausamkeit der Mädchenzimmer enthüllt, der Mantel der Verschwiegenheit gehoben, die Rituale des herr-schenden Musikbetriebs werden durch kluge Inszenierungen infrage gestellt, um nicht zu sagen, über den Haufen geworfen.

Die Reihe der großen alten Männer, goldgerahmt und voll bebartet, ist von schönen, kessen Frauen durchbrochen, die in Hingabe und Selbstbewusstsein ihr eigenes Werk geben, nicht Muse, nicht Anregerin, nicht Schülerin, nicht Lehrerin sind.

e_may verleugnet die Tradition nicht, es stellt Bezüge zu den Renaissance- bzw. Barock-Komponistinnen Francesca Caccini und Barbara Strozzi her, die Gambe aus dem Palazzo in den elektronischen Raum führend. Elektronik, sagt Pia Palme, sei eine dramaturgische Leitlinie, Improvisation eine andere, Visualisierung ebenso.

Yes, they may

e_may wählt aus: Pia Palme, Wissenschaftlerin, Vermittlerin und Komponistin bekennt sich mit ihrer Ko-Intendantin Gina Mattiello dazu. e_may setzt seine Maßstäbe weder mit Geschlecht noch mit Verwertungskategorien gleich, auch die Musik der DJ und Elektronikerin electric indigo ist auf dem Programm.

Noch zur Präsentation des Frauenmusikhandbuches im Jahr 2009 war von kollektiver Selbstverteidigung der Frauen die Rede. Wo kein Kampf, da auch keine Opfer. Die Komponistinnen sind nicht länger dem Altar der Musikgeschichte ausgeliefert. Yes, they may, e-may.

"Zeit-Ton extended" am Internationalen Frauentag mit Werken der Komponistinnen Pia Palme, Elisabeth Harnik, Joanna Wozny, Rebecca Saunders, Katharina Klement, Isabel Mundry, Elisabeth Schimana, Charlotte Seither, Chaya Czernowin. Gestaltung: Irene Suchy und die e_may-Gründerinnen Pia Palme und Gina Mattiello.

Gestaltung: Irene Suchy · zur Sendereihe

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