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Dienstag
22. September 2015
16:55

1. Wenn Computer begreifen
Gestaltung: Lukas Plank
2. Big Data-Gefahren
Gestaltung und Redaktion: Franz Zeller

1. Wenn Computer begreifen

Mensch und Maschine sind einander noch lange nicht ebenbürtig. Sonst würden wir uns wohl besser verstehen. Das zeigt sich zum Beispiel, wenn der Sprachassistent auf dem Smartphone einfach nicht begreift, was wir von ihm wollen - obwohl wir nicht genuschelt haben. Auch Suchmaschinen verstehen Zusammenhänge manchmal nicht, die einem Menschen völlig klar sind. Semantische Technologien sollen das ändern und Maschinen mehr Verständnis für unsere Welt beibringen. Zum 11. Mal fand dazu vergangene Woche die "Semantics"-Konferenz statt, diesmal in Wien. Zu welchen konkreten Neuerungen semantische Technologien führen können, hat sich Lukas Plank angehört.

Semantische Technologie

Wenn ein Computer nicht nur Informationen speichern und darstellen kann, sondern Zusammenhänge und Bedeutungen erkennt, dann spricht man von einer "semantischen Technologie". Dokumente können mit Zusatzinformationen versehen werden, damit sie von Programmen besser "gelesen" und eingeordnet werden können. Wer bisher nach wissenschaftlichen Dokumenten sucht, kann dies meist nur innerhalb der digitalen Mauern einzelner Online-Bibliotheken tun, sagt der Direktor der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften, Klaus Tochtermann. Was er damit meint, erklärt er am Beispiel der Verhaltensökonomie: "Das ist eine Disziplin in den Wirtschaftswissenschaften, wo es ums Kaufverhalten und die Auswirkungen auf wirtschaftliche Gesamtleistungen geht. Um den Bereich voll zu verstehen, reicht es nicht aus, nur auf Literatur aus den Wirtschaftswissenschaften zuzugreifen, sondern Sie brauchen auch die Literatur aus der Psychologie".

Intelligente Zusatzinfos

Eine semantische Technologie könne nun erkennen, welche Fachartikel aus anderen Bereichen und aus anderen Online-Bibliotheken interessant sind. Für den suchenden Wissenschaftler sieht das dann so aus: "Er startet die Suche, sagen wir nach Kaufverhalten in der Eurokrise, bekommt dazu in erster Linie wirtschaftswissenschaftliche Dokumente, in zweiter Linie werden ihm aber auch Psychologie-Dokumente aus der Verhaltenspsychologie angeboten, die erklären, warum die Bevölkerung sich auf eine bestimmte Art verhalten hat."

Technologie, die Leben rettet

Dank semantischer Technologien können Programme Kontext und Bedeutung erkennen und Informationen zwischen unterschiedlichen Datenbanken besser ausgetauscht werden. Das kann zu besseren Suchmaschinen, Programmen und Apps führen – und Menschen in Not helfen. Zum Beispiel, als sich die USA 2012 auf Hurrikan Sandy gefasst machte, erzählt Jeanne Holm, die unter anderem Chief Knowledge Architect beim Jet Propulsion Laboratory der NASA ist: "Damals unterstützte ich Data.gov, das Open Data Projekt des Weißen Hauses, das abertausende frei zugängliche Datensätze zur Verfügung stellt. Wir brachten Menschen in einem Hackathon zusammen und dachten gemeinsam mit dem Roten Kreuz darüber nach, wie wir die Daten nutzen konnten."

Zielgerichtete Hilfe

Fieberhaft arbeiteten die Wissenschaftler, Helfer und Programmierer an einer App, über die sich Menschen helfen und wichtige Informationen bereitgestellt werden konnten. Innerhalb von 24 Stunden wurde die App rund 700,000 Mal heruntergeladen, sagt Holm. Aber die App hatte auch Grenzen – nicht alle Menschen konnten sich selbst helfen: "Wir nahmen eine Karte der NASA mit überfluteten und gefährdeten Gebieten. Darüber legten wir Steuer-Informationen, die uns zeigten, wo Menschen mit Beeinträchtigungen wohnten. So konnten wir dafür sorgen, dass die Menschen, die besonders auf Hilfe durch Polizei und Feuerwehr angewiesen waren, diese auch schnell bekamen."
Semantische Technologien können uns dabei helfen, Informationen besser zu filtern und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und sie werden dafür sorgen, dass die Ergebnisse, die unsere Suchmaschine ausspuckt, immer besser werden.

2. Big Data-Gefahren

Mehr Transparenz bei der Datenverarbeitung: das fordert eine EU-Studie von Firmen. Das Papier wurde vom Justiz-Ausschuss des europäischen Parlaments in Auftrag gegeben, um die Auswirkungen von Big Data auf die Privatsphäre und den Datenschutz zu untersuchen. Mit dem Internet der Dinge, das viele Gegenstände des Alltags miteinander vernetzen wird, kommt eine neue Welle der Datenproduktion auf uns zu. Zudem werden Sensoren immer billiger. Sie werden in Zukunft zum Beispiel überwachen, ob ein Autoparkplatz belegt ist oder nicht. Der Mensch wird dadurch zu einem immer besser berechenbaren Datenpunkt im Big Data Universum der Firmen. Das Papier im Auftrag des Justizausschusses fordert, die Rechte der Bürger in den Mittelpunkt zu stellen, auch um etwa Diskriminierung zu vermeiden. Das könnte zum Beispiel durch die Berechnung von Krankheiten passieren, die sich über Big Data immer besser vorhersagen lassen.

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