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Musik

Spielräume - Nachtausgabe

Freitag
02. Dezember 2016
23:08

Musikalischer Kitsch: Trivial oder (manchmal auch) genial? Gestaltung: Klaus Wienerroither

Der Schlagersänger, dessen Name mir partout nicht einfallen will, hat einmal in einem Interview gesagt: "Meistens ist es Kitsch, was ich mache. Aber wertvoller Kitsch."

Nur wenige Begriffe sind so unklar und umstritten. In der Musik wird am ehesten der volkstümliche Schlager mit diesem Wort in Verbindung gebracht, aber viele Musikliebhaber/innen wenden die Beschreibung eines "minderwertigen, sehnsuchtsartigen Gefühlsausdrucks" auf alle möglichen Arten von Musik an. Die Schwierigkeit, Kitsch zu definieren, zeigt sich nicht zuletzt in der "Unübersetzbarkeit" des deutschen Wortes. Britische Übersetzer zählten Kitsch zu den zehn am schwierigsten zu übersetzenden Begriffen.

Darf Kunst Kitsch sein?

Die Gäste dieser "Spielräume - Nachtausgabe" diskutieren über eine mögliche Definition und darüber, ob Kitsch Kunst sein kann und darf. Nicht zuletzt präsentieren sie jede Menge "guilty pleasures", die selten oder nie auf Ö1 zu hören sind.

Gäste

Hanneliese Kreißl-Wurth, Komponistin im Bereich der volkstümlichen Musik und des deutschen Schlagers; Andrea Sodomka, Komponistin und Medienkünstlerin; Eva Jantschitsch, Komponistin und Musikerin (Gustav); Michael Weber, stellvertretender Vorstand des Institutes für Musikwissenschaft

Adorno: "Kunst impliziert Kitsch"

Seit 1881 ist das Wort belegt, als abwertende Bezeichnung für Kunst, die deshalb nicht mehr Kunst genannt werden durfte. Wenn Kitsch von "Verkitschen" kommt, dann war es schnell gemalte Kunst, die leicht verkauft, verscherbelt, eben: verkitscht werden konnte. Und doch: "Kunst impliziert Kitsch", postuliert Adorno, und damit "Stereotypisierung, Zurückgebliebenheit, Wirklichkeitsflucht, falsche Geborgenheit oder etwa dümmlich Tröstendes".

Kitsch-Palette

Der Anglist Hans-Dieter Gelfert hat eine ganze Palette von Kitsch dargelegt: vom niedlichem Kitsch zum gemütlichen, vom sentimentalen zum religiösem, vom poetischen zum sozialen, vom mondänen zum sauer-zynischen Kitsch, vom erotischen zum gruseligen, vom erhabenen zum patriotischen, vom Heimat- und Naturkitsch zum Blut und Boden-Kitsch - ab hier geht der Kitsch eine gefährliche Verbindung mit faschistischer Ideologie ein.

"Diktatoren-Kitsch" nennt es Nathalie Patricia Soursos im Band "Renaissancen des Kitsch": die offensichtliche Neigung zum schlechten Geschmack eint Diktatoren der Weltgeschichte. Sie tragen exzentrische Kleidung, leben in überladenen Schlössern und lieben Gold und Glitzer. Kitsch erspart Fragen und bietet den einfachsten Weg an, Kitsch erlaubt keine Zweifel und baut eine Welt, in der wir uns - wie der Grazer Architekt Thomas Pilz sagt - in vollkommener Fraglosigkeit einrichten können, Kitsch ist gediegen, Kitsch ist Gewohnheit.

Gestaltung: Klaus Wienerroither · zur Sendereihe

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