Opern-Uraufführung "Der Apfel aus Basra"
Begonnen hat er mit Mathematik und Musikwissenschaft: Matthias Kranebitter, Jahrgang 1980, der an der Musik-Uni Wien Komposition studierte und nun ein Doktoratsstudium plant. Der vielseitige Musiker ist Schöpfer der Ö1 Talentebörse-Signation. Am 25. August 2011 wurde seine Oper "Der Apfel aus Basra" in der Wiener Ankerbrotfabrik uraufgeführt.
"Ich habe zunächst mit Mathematik und Musikwissenschaft begonnen, weil mich beide Richtungen interessierten. Während des Musikwissenschaft-Studiums habe ich aber entdeckt, dass mir diese Richtung zu theoretisch ist und ich damit keine musikalische Ausbildung bekomme.
Damals erzählte mir meine Klavierlehrerin, dass zwei ihrer Schüler an der Musik-Uni Komposition studieren. Ich nahm dann Kontakt mit beiden auf und bereitete mich für die Musik-Universität vor. Und es hat gleich mit der Aufnahmeprüfung funktioniert", erzählt Matthias Kranebitter, gebürtiger Wiener, Jahrgang 1980, der seit 2000 an der Musik-Universität Wien Komposition studierte und im Juni 2008 abgeschlossen hat.
Seit September 2008 absolvierte der junge Komponist am Konservatorium Amsterdam den postgraduate Kompositionskurs "Contemporary Music through Non-Western Techniques", der sich vor allem mit indischen Kompositionstechniken auseinandersetzte, und hat ihn im Herbst 2009 beendet.
Nun plant er ein Doktoratstudium an der Kunst-Universität Graz.

Matthias Kranebitter
Seine erste musikalische Ausbildung bekam er bereits als Kind in der Musikschule Wien-Margareten. Und auch in der Volksschule wurde sein Talent gefördert: "Meine Lehrerin gab mir z. B. Aufgaben, eine Geschichte mit dem Klavier zu erzählen. Das hat mir großen Spaß gemacht und ich habe im Alter von etwa sechs Jahren mit kleinen Klavier-Kompositionen begonnen, die natürlich nur für mich gedacht waren", so der Jungkomponist.
Begonnen hat er mit dem Kompositionsstudium bei Dietmar Scherman, ein Jahr später nahm er noch das Studium Instrumental-Gesangspädagogik (IGP Klavier) bei Christiane Karajev dazu, um seine Klavierkenntnisse weiter zu vervollkommnen.
"In den ersten vier Semestern erhält man die Grundausbildung, lernt die klassischen Kompositionstechniken. Danach kann man sich für einen Lehrer entscheiden. Zuerst habe ich bei Klaus Peter Sattler Medienkomposition und bei Christian Mühlbacher Jazztheorie und Arrangement gemacht. Dabei hatte ich auch mit Pop- und Computer-Musik zu tun. Und so kam ich 2004 zur elektronischen Musik bei Dieter Kaufmann", berichtet Kranebitter, der das Medien-Kompositionsstudium bereits 2007 abgeschlossen hat.
"Das Schwierigste und das Wichtigste beim Komponieren ist, den Zeitablauf so zu gestalten, dass es für den Zuhörer interessant bleibt. Denn auch das konzentrierte Zuhören ist ja Arbeit. Es darf nicht völlig unklar sein, was passiert, aber auch nicht vorhersehbar. Die Kunst dabei ist es, die Balance zu halten", erklärt Kranebitter.

Proben zu den Aufnahmen für eine Filmmusik: Der junge Komponist Matthias Kranebitter hat mit seiner Diplomarbeit "Safiatan", einem Orchesterwerk für rund 60 Musiker, ein großes symphonisches Werk geschaffen.
"Mein Stil hängt davon ab, wofür ich schreibe: Ob es Chormusik ist, wo ich Klangflächen-orientiert arbeite, oder ein Stück für Bigband, bei dem starker dadaistischer Einfluss mitschwingt." Die Arbeiten Kranebitters sind vielfältig und umfassen verschiedenste Stilrichtungen: von Kompositionen für Bigband, Produktionen für den FM4 Soundpark, Ensemblewerken, Stücken für Instrumente mit Live-Elektronik, Tonbandstücken, Musik für Kurz- und Dokumentarfilme sowie Theaterstücke bis zu verschiedenen Klang-Installationen.
Am 25. August 2011 wurde Matthias Kranebitters Kammeroper "Der Apfel aus Bara" im Rahmen des Opernfestivals "alf laila wa laila" in der Wiener Ankerbrotfabrik erfolgreich uraufgeführt.
Es spielt das Ensemble "Phace/Contemporary Music" unter Leitung von François-Pierre Descamps. Regie führt Kristine Tornquist.
Weitere Aufführungen des Opern-Erstlings, der ein Auftragswerk des "Sirene-Operntheaters" ist, finden am 29.August, 2. und 7.September 2011 statt.
Am 27. April 2012 widmet die "Jeunesse" Kranebitter ein Porträt-Konzert im Wiener ORF-Radiokulturhaus.
Und der erfolgreiche Komponist zählt auch zu jenen Nominierten des Internationalen "impuls"-Wettbewerbs, deren Werke Graz im Rahmen des "impuls Festivals" im Februar 2013 in Graz uraufgeführt werden.
Am 12. März 2010 hatte beim Grazer "Hörfest" Matthias Kranebitters "Konzert für Altsaxophon und Midiorchester in D Dur" seine österreichische Erstaufführung. Das Konzert sowie ein Porträt des jungen Komponisten, das Ursula Strubinsky gestaltete, waren im Rahmen der "Langen Nacht der neuen österreichischen Musik" in Ö1 zu hören.
2. Preis beim "Zürich Jazz Orchestra"-Wettbewerb
Im Dezember 2009 gewann Kranebitter mit seiner Bigband-Komposition "ragzigzag" beim Kompositionswettbewerb des "Zürich Jazz Orchestra" den 2. Preis.
"breathing" bei "50 Jahre Wiener Jeunesse Chor"
Anlässlich des Jubiläums "50 Jahre Wiener Jeunesse Chor", das unter dem Motto Alte und Neue Vokalmusik stand, wurde Kranebitters Stück "breathing" für Chor und Live-Elektronik aufgeführt.
Das Festkonzert fand am 25. November 2009 in der Lutherischen Stadtkirche in Wien statt. Es spielte das Mitteleuropäische Kammerorchester unter Leitung von Ajtony Csaba.
Uraufführung bei "Gaudeamus Music Week" und 1. Preis
Am 12. September 2009 wurde Matthias Kranebitters jüngstes Orchesterwerk "sustained surprise (haydnsymphony94.remixed)" im Rahmen der renommierten "Gaudeamus Music Week" mit der Holland Symfonia unter Etienne Siebens im Muziekgebouw Amsterdam erfolgreich uraufgeführt.
Und: Kranebitter gewann mit seinem großen Orchesterstück, das rund 20 Minuten dauert, den 1.Preis des "Project Jonge Componisten". Das Stück entstand für diesen Wettbewerb, für für den ein symphonisches Werk mit Bezug zu Joseph Haydn gefordert wurde.
"Ich wollte mich dabei der direkten Herausforderung stellen, das Themen-Material Haydns als Ausgangspunkt zu nehmen. Allerdings nicht nur in neuem ästhetischen Umfeld verarbeitet, sondern auch mit Schwerpunkt auf andere Facetten dieser Themen, wie zum Beispiel deren Gestik oder Spannungszustände - also nicht deren melodische Gestalt als Quasi-Zitat zu kopieren, sondern Haydns Themen als lebendigen Keim für neue kompositorische Prozesse zu begreifen", erläutert Kranebitter.
Matthias Kranebitters Stück "spreu und scherben" (2008) wurde am 12. November 2008 im Rahmen der Reihe "Marathon II" des "Wien Modern"-Festivals im Wiener WUK uraufgeführt.
"In diesem Stück habe ich versucht, als Material das zu verwenden, was üblicherweise als missglückt angesehen wird und zum Beispiel bei aufnahmen weggeschnitten würde. Die Erkenntnis daraus soll sein, dass es eben gerade diese Spreu sein könnte, die Unerwartetes und vielleicht Neues bringt", so der junge Komponist zu dieser Komposition für ein achtköpfiges Ensemble.
Für die Ö1 Talentebörse-CD, die anlässlich der Verleihung des ersten Ö1 Talentestipendiums für bildende Kunst im Oktober 2008 präsentiert wurde, komponierte Matthias Kranebitter die Signation, die seither für alle Ö1 Talentebörse-Podcasts sowie -Radio-Porträts verwendet wird.
Mehr zum Ö1 Talentestipendium 2008 in oe1.ORF.at
Im Juli 2007 widmete der Ö1 Zeit-Ton Matthias Kranebitter und seinem Kollegen Marios Joannou Elia ein Porträt. In der Sendung, die Ursula Strubinsky gestaltete, wurde über die Erfolge der beiden Ö1 Talentebörse-Musiker berichtet und es wurden Ausschnitte aus ihren neuen Werken präsentiert.
Mehr zu Marios Joannou Elia in der Ö1 Talentebörse
Ende Juni 2007 wurde Kranebitters Auftragskomposition "7enden" im Rahmen des diesjährigen Wiener Grabenfestes uraufgeführt.
"Die Vorgabe für dieses Werk, das für die Besetzung Violoncello, Kontrabass, Klavier und Live-Elektronik geschrieben ist, war der Begriff Happy End. Es besteht aus sieben kontrastierenden Teilen, wobei jeder einen sehr charakteristischen Klang hat. Die Zahl 7 habe ich deshalb gewählt, weil sie mit Märchen und mit Glück zu tun hat", so der erfolgreiche Komponist.
Ende April 2007 gewann Matthias Kranebitter beim Finale des Kompositions-Wettbewerb der Münchner Symphoniker im Prinzregententheater mittels Publikums-Abstimmung mit "Safiatan", einem Werk für großes Symphonieorchester, den vierten Preis. Sein Stück war von einer Fachjury aus über 100 Kompositionen für das Finale ausgewählt worden.
Dieses Orchesterstück für rund 60 Musiker, das zugleich Kranebitters Diplomarbeit ist, wurde im Rahmen des Wettbewerbs in München uraufgeführt. Das einsätzige Werke, das sich in fünf Teile gliedert, ist sehr rhythmisch aufgebaut und verwendet Jazzelemente.
Ebenfalls im April 2007 wurde Kranebitters "Zoom in", ein Stück für Saxophon und Live-Elektronik, in Zagreb uraufgeführt. Das Werk war Ende Mai 2007 auch im Wiener Haus der Musik zu hören.
"In diesem Werk für Viola, Kontrabass und Bläser, das ich im Frühjahr 2006 geschrieben habe, geht es um Überlagerung verschiedener zeitlicher Ebenen. Im zweiten Teil geht es um Beschleunigung und Verlangsamung. Im Mittelteil mit Jazz-Elementen gibt es eine kurze Kadenz für Viola", erläutert Matthias Kranebitter sein Stück "Kreise für Viola und tiefes Ensemble", mit dem er als Sieger des Gustav Mahler Kompositionspreises 2006 der Stadt Klagenfurt hervorging.
Die Uraufführung des 15-minütigen Stückes, die das Janus Ensemble Wien spielte, fand am 27. Juli 2006 im Rahmen des Musikforums Viktring-Klagenfurt statt. Einen Tag später war es im Rahmen der Gustav Mahler Musikwochen in Toblach zu hören.
Im Jänner 2006 wurde "breathing" im Rahmen des Österreichischen Komponisten Kongresses im Wiener Musikverein uraufgeführt. Diese Komposition - Kranebitters erstes Werk für Live-Elektronik - hat er für 32-köpfigen Chor, einen Computer und drei Lautsprecher geschrieben.
Im Sommer 2005 entstand für die "Nouvelle Cuisine Big Band" Kranebitters Komposition "unddasbing", bei der er von einer Zwölftonreihe ausging, wurde dann im November im "Porgy&Bess" uraufgeführt.

Uraufführung von "unddasbing" mit der "Nouvelle Cuisine Big Band" im "Porgy&Bess": "Der Titel erklärt sich aus der Form, die durch drei Triangel-Schläge strukturiert wird - am Beginn, im Mittelteil und zum Schluss", so Matthias Kranebitter.
Für seine Arbeiten wurde der ambitionierte Komponist bereits vielfach ausgezeichnet:
So zählte er zu den Gewinnern des AntoninDvorakRemixContests von FM4 und Volksoper Wien, erhielt den Theodor-Körner-Preis für Komposition 2005 für sein Sounddesign zu Barbara Siegels Bildinstallation "derelictedATMOSHPHERES", die bei der Linzer Ars Electronica gezeigt wurde. Und ebenfalls im Vorjahr gewann er den Wettbewerb des Österreichischen Komponistenbundes für moderne Chorliteratur mit seinem Stück "Breathing".
Mehr dazu in FM4 Soundpark und im Ars Eletronica Archiv

Endmischung von "matzleinsdorf05" für Viola, Kontrabass und Tonband im ELAK-Studio: "Ich versuche prinzipiell sehr vielfältig zu sein und habe deshalb keine Richtung, auf die ich festgelegt bin", so Matthias Kranebitter.
Wie sehen die Zukunftswünsche des jungen Komponisten aus?
"Als realistisches Standbein habe ich die Klavierpädagogik. Aber ich möchte freischaffender Komponist sein und hoffe, mit Auftragsarbeiten wie z.B. Filmmusik, überleben zu können", so Matthias Kranebitter.
Text: Matthias Osiecki · 25.08.2011
Mehr zum Grabenfest 2007 in oe1.ORF.at
E-Mail - Matthias Kranebitter
Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
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Matthias Kranebitter
Music Center The Netherlands - Gaudeamus Music Week
Münchner Symphoniker
NZZ Online - Das Finale der Talente
Wien Modern - Marathon II
Zürich Jazz Orchestra - Wettbewerb
fm4.ORF.at
Gustav Mahler Kompositionswettbewerb der Stadt Klagenfurt 2006
Gustav Mahler Musikwochen
Haus der Musik
Hörfest 2010
Impuls.Wettbewerb - Nominierte Komponisten für 2013
Jeunesse - Porträt Matthias Kranebitter
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Musikverein
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Österreichischer Komponistenbund
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