Edita Gruberova im Theatermuseum

"Simply the best", "Primadonna Assoluta" oder "Siegerin in den Stratosphären" sind Superlative, mit denen Edita Gruberova bedacht wurde. Seit 42 Jahren steht die Operndiva aus Bratislava nun schon auf der Opernbühne, vor 40 Jahren debütierte sie an der Wiener Staatsoper. Das ist auch das Thema einer Ausstellung, die im Wiener Theatermuseum zu sehen ist.

Kulturjournal, 13.10.2010

Die Zerbinetta in Richard Strauss' "Ariadne auf Naxos" brachte ihr den internationalen Durchbruch. Von da an war ihre Karriere nicht mehr aufzuhalten gewesen, auch wenn man es ihr bis dahin nicht leicht gemacht hat, denn lange Zeit durfte sie am Haus nur Klein- und Kleinstpartien singen, wie die Modistin im "Rosenkavalier" oder die Kate Pinkerton in "Madame Butterfly"

Man wächst nur mit Schwierigkeiten, meint Gruberova, man lernt davon und nimmt was mit und "wird abgehärtet sozusagen". Und man bekomme dadurch auch Kraft. Umso mehr freue man sich, wenn etwas dann gelingt, wenn "das Gute gewinnt".

Das Gute hat in diesem Fall tatsächlich gewonnen, denn nach und nach traute man ihr Partien wie die Zerbinetta, die Konstanze in Mozarts "Entführung aus dem Serail", die Olympia in Offenbachs "Les Contes d'Hoffmann" und die Rosina in Rossinis "Il Barbiere di Siviglia" zu.

Durchbruch mit Zerbinetta

Der große Durchbruch kam 1976 als Premierenbesetzung der Zerbinetta in "Ariadne auf Naxos". Bald darauf kam die Lucia in Donizettis "Lucia di Lammermoor". Diese Jahre bezeichnet Gruberova heute als die aufregendsten ihrer Karriere. Schon das Vorsingen war ein großer, einschneidender Augenblick für sie, als sie die Chance zum Durchbruch bekam. "Die große Chance habe ich genützt."

Die Zerbinetta sang sie übrigens am 6. Dezember 2009 zum 100. und letzten Mal in Wien. Mit dieser Partie erlangte sie auch den Ruf, dass ihr keine Koloratur zu schwierig, keine Höhe zu hoch war - bis heute.

"Es ist viel Arbeit dabei", sagt Gruberova. "Es ist eigentlich nur Disziplin, das ganze Leben, aber in Summe beklage ich mich nicht. Es macht mich glücklich. Was will ich mehr?"

Schlechte Zeiten in den 1990ern

Konfliktfrei war die Situation mit der Wiener Staatsoper trotz aller Liebe nicht, als etwa in den 1990er Jahren Ioan Holender als Direktor der Wiener Staatsoper einen Vertrag mit Edita Gruberova an Klaus Bachler abgetreten hatte, der in der Volksoper mit dem Star Gaetano Donizettis "Regimentstochter" geben wollte, was aber nicht zustande kam, weil dessen Nachfolger Dominique Mentha an diesem Projekt gar kein Interesse hatte.

Als die Gruberova nun ihr Recht beim Staatsoperndirektor einforderte, dieser ihr mitteilte, dass dieses Werk aufgrund seiner musikalischen Konstruktion keine Premiere an der Wiener Staatsoper werden könne, krachte es. Noch dazu, wo sich dieser, ohne dass sich die musikalische Konstruktion des Werks geändert hätte, 2007 eines Besseren besonnen und das Werk mit Natalie Dessay herausgebracht hat .

Das waren schlechtere Jahre für sie, sagt Gruberova, aber: "Ist ja egal, ich hab's überlebt" ist ihre heutige Einstellung dazu.

Das Wiener Publikum

Die Gruberova zog es aller Querelen zum Trotz immer wieder nach Wien zurück - des Publikums wegen: "Das Publikum ist das Wichtigste. Wenn das Publikum genießt und ich sogar die Menschen zum Weinen bringe, dann ist alles in Ordnung."

Heute lebt Edita Gruberova in der Schweiz, machte sich einige Jähre hierzulande rar. "Ich bin schweren Herzens weggezogen", erzählt sie. Grund dafür waren die hohen Steuersätze in Österreich.

Artikel aus dem Privatarchiv

Das Österreichische Theatermuseum widmet der einzigartigen Künstlerin eine Ausstellung, in der auf alle wichtigen Stationen ihrer Karriere eingegangen wird. Edita Gruberova hat dafür ihr privates Archiv geöffnet und zahlreiche, bisher unveröffentlichte Dokumente und Fotografien zur Verfügung gestellt, die auch einen Einblick hinter die Kulissen einer Karriere gestatten.

In Zukunft kommt sie nicht nur wegen des Publikums ans Haus am Ring zurück, sondern auch wegen dessen neuem Direktor Dominique Meyer, der schon etliche Einladungen ausgesprochen hat, die es noch zu überdenken gilt. "Es ist mein Haus und es bleibt mein Haus", so Gruberova. "Da habe ich angefangen, da bin ich gewachsen - zusammen mit meinem Publikum. (...) Wir sind wie eine Familie."

Textfassung: Ruth Halle

Service

Ausstellung "Edita Gruberova - 40 Jahre Wiener Staatsoper", 13. Oktober 2010 bis 9. Januar 2011, Wiener Theatermuseum,
Ö1 Club-Mitglieder bekommen ermäßigten Eintritt.

KHM - Edita Gruberova
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