Immer mehr Sozialhilfeempfänger

Seit Ende der 1990er-Jahre hat sich die Zahl jener, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, auf 170.000 verdoppelt. Die meisten Menschen bekommen die Sozialhilfe deshalb, weil sie in ihrem Job zu wenig verdienen oder weil sie so wenig Arbeitslosengeld bekommen, dass das Einkommen durch Sozialhilfe aufgestockt wird.

Morgenjournal, 18.1.2012

Immer mehr "prekär Beschäftigte"

Wer so wenig verdient oder so wenig Arbeitslosengeld bekommt, dass es unter dem sogenannten Sozialhilferichtsatz liegt, der hatte bis Ende 2010 Anspruch auf Sozialhilfe - jetzt gilt ja die "bedarfsorientierte Mindestsicherung". Und gerade diese Gruppe wird immer größer, hat der Soziologe Manfred Krenn von der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA) in seiner neuesten Studie festgestellt. Als Ursache nennt er immer mehr Arbeitsplätze ohne soziale Absicherung, "prekäre Beschäftigungsformen". Außerdem wachse der Niedriglohnsektor, "wo die Löhne so niedrig sind, dass die soziale Teilhabe auch mit Vollzeitbeschäftigung gefährdet ist."

Unbezahlte Arbeit

Wenn jemand den Job verliert, beginnt oft eine Abwärtsspirale, aus der es nur schwer einen Ausstieg gibt, sagt Manfred Krenn. In seiner Studie berichten viele Menschen auch, dass sie während eines Krankenstands gekündigt wurden. Und viele berichten auch, dass sie am Arbeitsplatz immer wieder diskutieren, ob sie bestimmte Vorbereitungstätigkeiten oder auch nach Kassaschluss unbezahlt in der Freizeit verrichten müssen.

Unbezahlte Praktika

Prekäre Arbeitsverhältnisse betreffen aber nicht nur schlecht ausgebildete - auch dieses Fazit zieht Manfred Krenn. Gerade beim Berufseinstieg nehmen Viele unbezahlte Praktika in Kauf - in der Hoffnung, irgendwann in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis zu kommen. Was sich aber für viele als Illusion erweise, so Krenn. "Und wenn sie dann dieses prekäre Beschäftigungsverhältnis verlieren, landen sie in der Sozialhilfe, weil sie keine anderen Ansprüche haben."

Kein hoher Anspruch

Dabei wünscht sich die Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher einen ganz normalen Job, sagt der Soziologe: einen, der soziale Absicherung bietet und auch zulässt, sein Leben längerfristig zu planen.