Denkmal für Wehrmachtsdeserteure

Auf dem Wiener Heldenplatz demonstrieren am Freitag Gegner des Burschenschafter-Balls, den sie dem rechtsextremen Milieu zuordnen. Und dieser geschichtsbelastete Ort spielt auch in einem anderen Zusammenhang eine Rolle: Auf dem Heldenplatz wollen manche gern ein Denkmal für Wehrmachtsdeserteure aufstellen. Schließlich gehören auch sie zu den Opfern des Nazi-Regimes.

Morgenjournal, 27.1.2012

Armin Sattler und Peter Daser

Symbolische Rehabilitierung

Jahrzehntelang wurde in Österreich diskutiert, was Deserteure und Wehrdienstverweigerer während der NS-Zeit eigentlich waren: Feiglinge oder Helden. 2009 jedenfalls wurden die Wehrmachtsdeserteure vom Nationalrat als Opfer des Hitler-Regimes rehabilitiert. Was noch fehle, sei die "Rehabilitierung auf gesellschaftlicher oder symbolpolitischer Ebene", sagt der Obmann des Personenkomitees "Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz", Thomas Geldmacher. Und dafür wäre laut Geldmacher ein eigenes Denkmal für Wehrmachtsdeserteure eine Möglichkeit.

Signal der Erinnerung

Ähnlich sieht das der Historiker Oliver Rathkolb vom Institut für Zeitgeschichte der Uni Wien: "Das wäre schon ein Signal, alle Elemente des Krieges zu dokumentieren und auch ein abweichendes Verhalten einer kleinen Gruppe in Erinnerung zu rufen". Schließlich sei "ganz Österreich überzogen von Kriegerdenkmälern für den ersten und zweiten Weltkrieg", ohne dass darüber kritisch reflektiert werde, so Rathkolb.

Suche nach Aufstellungsort

In Deutschland gibt es 30 solcher Gedenkstätten, in Berlin, in Hamburg oder Köln etwa. Wien hat im letztes Jahr angekündigt, ein Denkmal für Wehrmachtsdeserteure zu errichten. Experten arbeiten an einem Konzept für eine Gedenkstätte. Wie die aussehen und vor allem wo sie stehen soll, ist offen. Auch in Bregenz gibt es Bemühungen um ein Denkmal für Deserteure.

Das Personenkomitee hält den Wiener Heldenplatz für sinnvoll - jenen Ort, an dem 1938 zigtausende Österreicherinnen und Österreicher Adolf Hitler zujubelten. Thomas Geldmacher sieht auch aktuelle Bezüge: "Die Vorstellung, das Bundesheer müsste seine Black Hawks, seine Eurofighter, seine Leopard-Panzer und was weiß ich noch alles rund um ein Deserteursdenkmal aufstellen am 26. Oktober - dieses Charms kann ich mich nur schwer entziehen."

Aus Sicht des Historikers Oliver Rathkolb ist der Heldenplatz eine weniger gute Idee: Ihm ist der Heldenplatz "zu aufgeladen" - durch die Fülle der dort bereits aufgestellten Denkmäler, die bis in die Geschichte der Monarchie zurück reichten.

Die Ausschreibung für ein Denkmal für Wehrmachtsdeserteure in Wien soll noch heuer kommen, die Umsetzung im nächsten Jahr folgen.