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Wirtschaft

Finanzdienstleister werben mit Pensionskonto

Ab 2014 wird es für alle unter 59-Jährigen ein aussagekräftiges Pensionskonto geben. Um Zugang zu erhalten, muss man seine E-Card als Bürgerkarte aktivieren lassen - und das machen in Österreich auch Finanzberater. Sie schalten ihren Kunden die E-Card frei, um dann anhand der Pensionskonto-Zahlen für Vorsorgeprodukte zu werben.

Mittagsjournal, 28.2.2013

Stefan Kappacher

Angst vor geringer Pension

Künftig kann man per Mausklick im Internet nachschlagen, wie viel oder wenig Pension man einmal bekommen wird. Die Internetseite www.pensionskonto.at wird aber nicht von der Sozialversicherung betrieben, wie man annehmen würde, sondern von einer Firma, die für private Vorsorgekassen arbeitet.

Auch Finanzdienstleister wie AWD werben offensiv mit dem Pensionskonto, das immer mehr zum Vehikel für den Verkauf von Vorsorgeprodukten durch Finanzberater wird. Diese haben freilich ihre Provisionen im Auge und eine ganz simple Botschaft an die Kunden: "Schauen Sie mit uns nach, wie gering ihre staatliche Pension einmal sein wird." Dass Finanzberater als Registrierungsstellen für die Bürgerkarte fungieren, erleichtert die Sache.

Kritik aus dem Sozialministerium

Für Beate Blaschek von der Konsumentensektion des Sozialministeriums ist das ein unhaltbarer Zustand. Den Vermögensberatern würden Tür und Tor geöffnet, um Einschau in die Daten der Konsumenten zu erhalten. "Möglicherweise wird hier auch sehr viel mit den Ängsten der Menschen gearbeitet."

Die Finanzberater schalten die E-Card frei und können mit dem Kunden gleich einen Blick aufs Pensionskonto werfen. Das geht zwar schon derzeit, ab 2014 werden die Kontodaten jedoch aussagekräftiger sein. Aufsichtsbehörde für die Bürgerkarte ist die weisungsfreie Telekom-Control-Kommission.

"Signatur nicht aus der Hand geben"

Deren Chefjurist Wolfgang Feiel sieht keinen Grund zum Einschreiten, da müsste sich schon das ganze System als konsumentenfeindlich erweisen. Derzeit sei das aber nicht ersichtlich und würde sich auch nicht abzeichnen, so Feiel.

Und der Jurist beschwört die mündigen Bürger: Man müsse freilich aufpassen, dass einem bei der Einsicht ins Pensionskonto "niemand über die Schulter schaut". Feiel: "Solange ich meine Signaturkarte nicht aus der Hand gebe, kann auch ein Finanzdienstleister nichts mit meiner E-Card anfangen."

A-Trust: "Keine 'Vorverdächtigungen"

Ähnlich argumentiert Michael Butz, Geschäftsführer von A-Trust. Das ist jene Firma, die bestimmt, wer die Bürgerkarten aktivieren darf. A-Trust gehört Kammern und Banken und hat ein Monopol. Butz betont, dass er Finanzdienstleister vom Gesetz her nicht ausschließen dürfe.

"Es gibt auch Leute, die Ausweise fälschen oder Konten knacken. Aber ich kann jetzt nicht prinzipiell sagen, jeder, der aus einer gewissen Branche kommt, ist für mich verdächtig", argumentiert Butz.

Fehlende Sanktionsmöglichkeiten

Eine Haltung, die auch das Sozialministerium schon zur Kenntnis nehmen musste. Beate Blaschek kritisiert in dem Zusammenhang die fehlenden Sanktionsmöglichkeiten bei Missbrauch.

A-Trust-Geschäftsführer Butz zeigt im Ö1 Interview aber immerhin eine Möglichkeit auf: "Wenn es ein Gesetz oder eine Verordnung geben würde, die mir untersagt, dass ich die Auszüge einem Finanzdienstleister zur Verfügung stelle, dann werde ich mich auch daran halten."

28.02.2013

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