Multitasking macht unglücklich

Sie kennen das: Man ist in der Arbeit. Das Handy klingelt. Dann will noch ein Kollege was. Und dann, schon abgelenkt, beantwortet man schnell mal eine E-Mail, und manche von uns schauen auch gern mal zwischendurch auf Twitter oder Facebook. Und dann klingelt noch mal das Handy: Die Familie braucht was. Wer das alles gleichzeitig schafft, macht Multitasking, wie es Neu-Deutsch heißt. Für unsere Psyche heißt das, wir machen Fehler. Und: Multitasking macht uns unglücklich.

Morgenjournal, 21.10.2013

Multitasking unproduktiv

Männer und Frauen, täuscht euch nicht: Frauen sind nicht besser im Multitasking, sagt der Neurologe und Coach Wolfgang Lalouschek: weder Männer noch Frauen können multitasken, sondern unser Gehirn schaltet blitzschnell zwischen den Aufgaben hin und her. Hin und Her schalten macht unproduktiv.

Nicht nur das. Durch das ständige Umschalten macht unser Unterbewusstsein auch alle Schleusen auf und lässt uns allzuoft an Unangenehmes denken, an Unerledigtes, das dann ständig präsent ist.

Zum Unglück kommt dazu, dass man nie das Gefühl hat irgendetwas abzuschließen und so kann man sich auch über Erfolge nicht freuen, sagt Lalouschek. Schlafstörungen oder Erschöpfungsdepressionen können die Folge sein, ein Krankheitsbild, das der Neurologe immer häufiger sieht.

Es kommt noch schlimmer: Ablenkung macht süchtig. Wie oft schaut man eigentlich am Tag so aufs Smartphone? Mein Selbstversuch an einem eher ruhigen Testtag hat gezeigt: 33 Mal. Zu oft, sagt Lalouschek, das habe zur Folge, dass das Unterbewusstsein schon so auf Ablenkung programmiert ist, dass es auch ohne äußere Störung zu Ablenkung kommt.

Und wie kommt man da wieder raus? Innerhalb des Tages immer wieder Phasen einplanen, in denen Störungen minimiert sind.

Für Ratschläge dieser Art tut sich ein neues Berufsfeld auf. Anitra Eggler zum Beispiel etwa nennt sich Digital Therapeutin, sie berät auch viele Unternehmen, auch sie sagt: klare online- und offline-Zeiten setzen.

Neue Technologien oder das Smartphone als Zeitfresser zu verteufeln, ist aber nicht der Rat der beiden Experten. Sondern der kontrollierte Umgang damit. Eine Herausforderung.