EU-Wahl: Juncker on tour

Der EU-Wahlkampf gewinnt an Fahrt - der Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei, Jean-Claude Juncker, hat heute in Brüssel seine Bus-Tour durch Europa gestartet. Juncker will EU-Kommissionspräsident werden und tritt gegen den aussichtsreichsten Herausforderer an: EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, Spitzenkandidat der Europäischen Sozialdemokraten.

Mittagsjournal, 8.4.2014

Bustour wie Clinton

Es ist die fast perfekte Inszenierung eines Präsidentschafts-Wahlkampfes. Vor dem Hauptquartier der Europäischen Volkspartei im Brüsseler Europavierten halten die durchwegs jungen Unterstützer Plakate in die Höhe - "Juncker for President", auf ihre Anzug-Westen und Kostüme haben sie handtellergroße Juncker-Wahlpins geheftet, Christian Kremer, Funktionär bei der EVP orchestriert und motiviert die Wahlkampfhelfer.

Die gut 40 jungen Helfer klatschen den ersten EVP-Spitzenkandidaten für die Europawahlen ein. Jean-Claude Juncker. Für ihn beginnt heute eine Tour durch die EU-Staaten, wie es schon der einstige US-Präsident Bill Clinton vorgemacht hat.

Aber es ist eben nur die fast perfekte Inszenierung. Junckers Tourbus blockiert die schmale Durchzugsstraße, was der ungeduldige Brüsseler Autofahrer nicht goutiert.

Unterwegs in 18 Ländern

18 EU-Länder will der EPP-Kandidat für den Posten des EU-Kommissionspräsidenten bis zu den Europawahlen am 25. Mai besuchen. Heute Belgien, morgen Utrecht in den Niederlanden, nächste Woche Straßburg und von Frankreich geht es weiter nach Wien und Bratislava. Auch in Griechenland und Zypern wird der einstige Präsident der Eurofinanzminister um Stimmen werben. Juncker will der erste von den Wählern bestimmte Kommissionspräsident seit Gründung der EU werden.

Junckers aussichtsreichster Gegner ist Martin Schulz - der sozialdemokratische Präsident des Europaparlaments hat ebenso beste Chancen, die Europawahlen für sich zu entscheiden. Allerdings weiß Juncker, dass letztendlich die EU-Staats- und Regierungschefs den EU-Kommissionspräsidenten bestimmen und sich auf einen Kompromiss-Kandidaten einigen könnten. Mit dieser - wenn auch etwas holprig inszenierten Europa-Bus-Tour - könnte der Wahlkampf erstmals eine echte europäische Eigendynamik bekommen.

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