Neuer Anlauf für Schlepper-Netzwerk

Statt, „die Balkan-Route ist geschlossen“, hat man beim EU-Gipfel festgeschrieben, dass "der Migrationsstrom zum Erliegen gekommen ist". Ob man das wirklich so sagen kann? Denn ungeachtet der Formulierungen, die die Politik findet, sind Schlepper jetzt wieder besonders aktiv. Sie suchen und finden Ausweichrouten.

Morgenjournal, 8.3.2016

Grenzschließungen helfen offenbar nur bedingt dabei, den Flüchtlingsstrom nach Mitteleuropa einzudämmen. Nach der Abriegelung der mazedonisch-griechischen Grenze nehmen die Schleppungen über die Grenzzaunländer Bulgarien und Ungarn zu, so Gerald Tatzgern vom Bundeskriminalamt heute im Ö1-Morgenjournal.

"Die Schlepper versuchen, ihr Geschäft nicht zu verlieren", sagte der Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität. Sie seien in großen Flüchtlingslagern, etwa in der Türkei, aktiv. "Hier funktionieren die Schleppungen nicht nur nach Griechenland, sondern auch nach Bulgarien, wo wir verstärkt Aktivitäten feststellen", sagte Tatzgern. Es gebe in der Balkanregion "Hunderte" Schleppernetzwerke aus jeweils 10 bis 15 Personen, die die Weiterreise durch die einzelnen Staaten organisieren.

Österreich setze daher auf eine intensivere Zusammenarbeit mit Griechenland und der Türkei. Dort wolle die Polizei mit einer neuen Schlepperbekämpfungseinheit zusammenarbeiten. Sinnvoll seien auch die Abschreckungskampagnen wie jene in Afghanistan, glaubt Tatzgern.

Auch Ungarn hat unter massiven internationalen Protesten Zäune an seinen Grenzen zu Serbien und Kroatien errichtet, um Migranten abzuhalten. Nach der Schließung der Balkanroute erhalte das Land aber wieder verstärkt Aufmerksamkeit von den Schleppern, sagte Tatzgern. "Ungarn wird aus unserer Sicht verstärkt für Schlepperrouten verwendet."