Zeitungen

ORF/URSULA HUMMEL_BERGER

Inserate für den Boulevard: SPÖ klar vorne

Die Inseratenzahlungen der Regierung sind 2016 im Vergleich zu 2015 gestiegen. Das Bundeskanzleramt hat letztes Jahr aber tatsächlich weniger Geld für Inserate und Werbeschaltungen ausgegeben.

Das Verkehrsministerium unter SPÖ-Minister Jörg Leichtfried hat mit fast 1,6 Millionen Euro mit Abstand am meisten im Boulevard – den Tageszeitungen "Kronen Zeitung", "Heute" und "Österreich" – inseriert, gefolgt vom Kanzleramt mit 1,3 Millionen Euro und dem ebenfalls roten Verteidigungsministerium mit knapp 900.000 Euro.

An vierter Stelle finden sich mit dem Innenministerium und dem Finanzministerium die ersten ÖVP-Ressorts. Genauso wie das Verkehrsministerium legen diese im Vergleich zu 2015 deutlich zu.

Auch das Justizministerium sticht heraus: Laut den Daten der RTR hat das ÖVP-Ressort kein Geld für Werbeaufträge und Medienkooperationen ausgegeben.

Regierungsinserate im Zeitungsboulevard

Inserate der Bundesministerien in den Tageszeitungen "Kronen Zeitung", "Heute" und "Österreich" 2016 gesamt (nur Print, nicht online)

SPÖ-Ministerien geben am meisten aus

Rechnet man alle Ausgaben der Bundesministerien zusammen, so sind 2016 rund 8,1 Millionen Euro in die drei genannten Tageszeitungen geflossen. SPÖ-geführte Ministerien gaben mit 5,3 Millionen Euro im Jahr 2016 fast doppelt so viel aus wie die ÖVP-Ministerien.

Verteilung der Regierungsinserate im Zeitungsboulevard nach Ressorts

Zum Vergleich: Im Jahr 2016 wurden insgesamt 8,8 Millionen Euro an Presseförderung ausgeschüttet. Im Gegensatz zu den Inseratenausgaben ist diese aber seit Jahren rückläufig. Sie soll neu geregelt werden.

Bundeskanzleramt inserierte 2016 weniger

Bundeskanzler Christian Kern hat letzte Woche im #doublecheck-Interview angekündigt, weniger in die Tageszeitung "Österreich" inserieren zu wollen. Tatsächlich hat das Bundeskanzleramt unter Kern weniger im Zeitungsboulevard inseriert. Der Rückgang war aber nicht gleichmäßig über das Jahr verteilt, im letzten Quartal 2016 gab es wieder einen deutlichen Sprung nach oben. Insgesamt bleibt das rote Kanzleramt aber mit 1,3 Millionen Euro für die drei Boulevardblätter "Kronen Zeitung", "Heute" und "Österreich" um rund 200.000 Euro unter dem Ergebnis von 2015.

Alle Inserate des Bundeskanzleramtes in den Tageszeitungen "Kronen Zeitung", "Heute" und "Österreich", von 2013 bis 2016 (nur Print, nicht online)

Stadt Wien ist Top-Spender

Laut den Auswertungen des Bundespressedienstes, basierend auf den Medientransparenzdaten der RTR, hat keine öffentliche Stelle mehr inseriert und Werbungen geschaltet als die Stadt Wien. 9,4 Millionen Euro sind allein an die drei Boulevardblätter "Kronen Zeitung", "Heute" und "Österreich" gezahlt worden. Das ist mehr als alle Bundesministerien zusammen. Im Wahljahr 2015 sind von Wien sogar mehr als elf Millionen Euro an den Boulevard geflossen.

Die Wiener Grünen wollen die Inseratenausgaben drosseln. Für betroffene Zeitungen wie die Stadtzeitung "Falter" geht es um einen beträchtlichen Teil des Anzeigevolumens, das zumindest kleiner werden könnte. "Falter"-Herausgeber Armin Thurnher sagt, dass 10 bis 20 Prozent der Inserate in Zeitungen von öffentlichen Stellen kommen.

Vergleich mit Deutschland

Der Vergleich mit Deutschland ordnet die Inseratenausgaben öffentlicher Stellen in Österreich ein. Die Rechercheplattform "Dossier" hat herausgefunden, dass die österreichische Bundesregierung etwa gleich viel Geld für Inserate ausgibt wie die deutsche Bundesregierung – und das obwohl Deutschland zehn Mal so viele Einwohner hat. 

Pro Kopf gibt die österreichische Regierung neun Mal so viel für Inserate aus wie die deutsche. "An der Inseratengebarung der Bundesregierung, aber auch der öffentlichen Stellen wie der Stadt Wien erkennt man die Nähe von Politik und Medien und die gegenseitige Abhängigkeit von zwei Stellen, die eigentlich kritisch miteinander umgehen sollten", sagt "Dossier"-Chefredakteur Florian Skrabal.

Übersicht