Doron Rabinovici

LUKAS BECK

"Die Außerirdischen" von Doron Rabinovici

Nach sieben Jahren Pause kommt in diesen Tagen wieder ein neuer Roman von Doron Rabinovici in den Buchhandel. Der 55-jährige Wiener hat sich nicht nur als Autor einen Namen gemacht, sondern auch als Historiker, streitbarer Publizist und engagierter Intellektueller. In Romanen wie "Suche nach M.", "Ohnehin" und "Andernorts" hat er über das Leben nach der Shoa geschrieben und über die Schicksale der Nachgeborenen. Der Titel seines jüngsten Romans klingt nach Science-Fiction: "Die Außerirdischen".

Morgenjournal, 4.8.2017

Kristina Pfoser

Kulturjournal, 4.8.2017 - Interview

Was lernen wird aus dieser Geschichte mit den Außerirdischen? Doron Rabinovici: "Dass es nicht genügt, nur gegen den Exzess eines Spiels zu sein, sondern dass es darum geht, sich einem Spiel zu verweigern, selbst wenn es nicht existieren sollte."

Ein Roman ohne Juden und ohne Österreicher

Judentum und Rechtsextremismus, NS-Vergangenheit und Erinnerung - das sind die großen Themen des Doron Rabinovici. Jetzt hat er das Genre gewechselt. "In dem Buch kommen tatsächlich keine Juden vor", sagt der Autor, "auch keine Identitätsfrage und keine Österreicher". Dafür aber Außerirdische. Und die landen auf der Erde. Zunächst bricht Chaos aus, die Menschen haben Angst. Dann aber hört man, dass sie in friedlicher Absicht gekommen sind, dass sie Wohlstand versprechen und ein Leben ohne Kriege und Krankheiten.

Allerdings: Die Außerirdischen verlangen Menschenopfer, Menschenopfer auf freiwilliger Basis. Wer drankommt, das soll bei einer Art Opfer-Casting entschieden werden, und wer sich für die Außerirdischen opfert, dem winken nicht nur letzte Luxusferien auf einer einsamen Insel mit weißen Stränden, sondern auch - wie es heißt - "menschengerechte Haltung. Die Schlachtung vollkommen schmerzfrei. Nach den allerneuesten Methoden. Viel Geld an die Hinterbliebenen."

Der neue Totalitarismus

Fakt ist: Keiner hat die Außerirdischen gesehen. Was wir von ihnen wissen, wissen wir aus den Medien. "Wir kennen das ja aus den so genannten sozialen Foren", sagt Doron Rabinovici. "Ich will etwas gar nicht sehen, klicke es aber trotzdem an, und zwar, weil ich dagegen bin. Und damit bin ich schon mittendrin." Und er fügt hinzu: "Wir brauchen keine Außerirdischen, damit uns mit uns selbst unheimlich wird." - Durch die Science-Fiction-Brille wirft Doron Rabinovici also einen Blick auf die Gesellschaft von heute.

Während des Schreibens habe er gemerkt, dass die Geschichte der Realität, die ihn umgibt, immer näher rücke, sagt Doron Rabinovici und er nennt ein Beispiel: "Der neue Totalitarismus kommt als Freizügigkeit daher. Die neuen Diktatoren sagen nicht: Parlament ist eine Quatschbude. Die neuen Diktatoren treten als die wahren Demokraten auf, die die Mehrheit so repräsentieren, dass die Minderheit gar nicht mehr gebraucht wird."

Beklemmendes Gedankenexperiment

Gespannt folgen wir dem Autor bei seinem beklemmenden außerirdischen Gedankenexperiment bis er am Ende erkennt, "dass es gar nicht mehr darum geht, ob die Außerirdischen da waren oder da sind, das Erschreckende ist, dass wir da sind und da bleiben."

Service

Doron Rabinovici, "Die Außerirdischen", Suhrkamp

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