Glockenspiel mit Federn

Lukas Beck

"Die Zauberflöte" - ohne W. A. Mozart

Was ist Mozarts bekanntestes Werk - ein Mysterienspiel, ein Märchen, eine Freimaurer-Oper, ein humanistisch-utopisches Lehrstück? Worum geht es in der "Zauberflöte"? Wortgetreu am Text Emanuel Schikaneders ausgerichtet und fast ganz ohne Mozart, konzentriert sich diese Hörspielfassung auf die Handlung und versucht dadurch auch jene Inhalte deutlich zu machen, die Mozarts faszinierende Musik gleichsam verbirgt.

"Eine große Oper in 2 Akten, von Emanuel Schikaneder." So steht es auf dem Theaterzettel der Uraufführung am 30. September 1791 im Theater auf der Wieden. Erst weiter unten - nach der Auflistung der Sängerinnen und Sänger - kann man folgenden Hinweis lesen: "Die Musik ist von Herrn Wolfgang Amadé Mozart, Kapellmeister, und wirklicher K.K. Kammerkompositeur. Herr Mozart wird aus Hochachtung für ein gnädiges und verehrungswürdiges Publikum, und aus Freundschaft gegen den Verfasser des Stücks, das Orchester heute selbst diregieren."

Glockenspiel, im Hintergrund eine Flöte

ORF/Lukas Beck

ORF-CD 803

Die Zauberflöte - Hörspiel. Mit Petra Morzé, Albert Fortell, Matthias F. Stein u.a., Regie: Leonhard Koppelmann (ORF 2017). Die CD erscheint am 6. Oktober 2017 und ist im ORF Shop und im guten Fachhandel erhältlich.

Geschichte lässt lässt viele Deutungen zu

"Die Zauberflöte" wurde ein Erfolg - nicht nur beim Publikum des Schikaneder'schen Wiener Vorstadttheaters 1791 - und fasziniert nach mehr als 200 Jahren noch immer. Viele Opernexperten halten sie für das weltweit bekannteste und am häufigsten gespielte Werk der Opernliteratur. Die große Popularität dieses Singspiels wird auf Mozarts Musik zurückgeführt, Schikaneders Anteil wird - wenn überhaupt - gering geschätzt. Und doch ist die Faszination, die die "Zauberflöte" ausübt, auch auf die Geschichte, die erzählt wird, zurückzuführen. Während viele der musikalischen Motive und Arien der "Zauberflöte" eingängig und daher leicht zu erinnern sind, ist es die Geschichte nicht. Im Gegenteil, sie ist komplex, erscheint widersprüchlich und lässt vielfältige Deutungen zu.

Hörprobe

Die Königin der Nacht (Petra Morzé) muss erfahren, dass Tamino nicht, wie von ihr befohlen, ihre Tochter Pamina aus Sarastros Herrschaft befreien wird. Nun verlangt sie von ihrer Tochter (Pippa Galli), Sarastro zu ermorden … Aber das ist nicht die einzige Zumutung, mit der Pamina sich konfrontiert sieht.

Was die Musik verbirgt

Was ist Mozarts bekanntestes Werk? Worum geht es in der "Zauberflöte"? Wortgetreu am Text Emanuel Schikaneders ausgerichtet und fast ganz ohne Mozart, konzentriert sich diese Hörspielfassung der "Zauberflöte" auf die Handlung und versucht dadurch auch jene Inhalte deutlich zu machen, die Mozarts faszinierende Musik gleichsam verbirgt …

Lange Zeit konzentrierte sich die Rezeptionsgeschichte der "Zauberflöte" auf Mozart. Zahlreich waren und sind die Klagen von Mozart-Forschern über die Qualität des Librettos, Mozart komponiere an vielen Stellen "ganz ostentativ gegen den Text". Schikaneder aber war ein großer, moderner Theatermann, war Theaterdirektor, Stückeschreiber und Schauspieler in einer Person, erfolgs- und effektorientiert. Ihm gelang es, auf Basis der Volkskomödie, mit seiner "Zauberflöte" ein Buch für ein Welttheater zu schreiben (das es durch Mozart auch wurde).

Jan Assmanns Studie

"In der Vielschichtigkeit ihrer Handlungsstränge und in der Vielsprachigkeit ihrer Musik hat sie weder Vorgänger noch Nachfolger", schreibt der Ägyptologe Jan Assmann in seiner 2005 erschienenen wegweisenden Studie über die "Zauberflöte" und den Zusammenhang von Schikaneders Geschichte und Mozarts Musik. "Mozart wäre nicht einverstanden mit der heutigen Praxis, die Einfalt und Unlogik des Textbuchs zu belächeln und die Bedeutung des Werks nur seiner unsterblichen Musik zuzuschreiben", so Jan Assmann. "Er würde uns gerade auch auf die 'Reden' aufmerksam machen und darauf bestehen, dass es sich um ein untrennbares Ganzes aus Text und Musik, Hohem und Niedrigem, Lustigem und Schmerzvollem, Spektakel und Geheimnis handelt. Worauf es ankommt, ist, allem mit gleicher, möglichst unvoreingenommener 'Aufmerksamkeit' zu folgen …"

Dazu möge dieses Hörspiel einen Beitrag leisten. Wenn es Verständnis, Erkenntnis und Vergnügen an der wirklichen "Zauberflöte" vermehrt, dann ist das Ziel dieser Produktion erreicht.

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