Mikrofone verschiedener Fernsehsender

APA/HELMUT FOHRINGER

Medien als Instrumente des Wahlkampfs

Ein Wahlkampf wie aus einer US-Politserie. Und mitten drin die Medien. Was kann man noch glauben, laufen Journalisten Gefahr, zum Werkzeug von Dirty Campaignern zu werden oder auch einfach nur von Leuten, die offene Rechnungen begleichen wollen? Jede Enthüllung aus anonymen Quellen, jede Behauptung eines Peter Puller - alles wird sofort zerlegt und in Zweifel gezogen. Eine journalistische Gratwanderung der Sonderklasse.

Welchen Beweiswert hat eine SMS-Konversation über ein brisantes Honorarangebot, wie sie vom "Profil" als Screenshot veröffentlicht worden ist? Diese Frage wurde sofort gestellt, nachdem das Ö1-Morgenjournal darüber berichtet hat. SMS-Nachrichten, die könne man fälschen, das bedeute also gar nichts. Und dann stehe wieder Aussage gegen Aussage. Im Endeffekt müssen dann ohnehin die Gerichte klären, was an dem Vorwurf dran ist. Aber die Medien müssen jetzt darüber berichten – auch auf die Gefahr hin, dass am Ende vielleicht wenig vom Vorwurf übrig bleibt.

Instrumentalisieren ja, manipulieren lassen nein

Gernot Bauer vom Nachrichtenmagazin "Profil" hat es gegenüber #doublecheck so ausgedrückt: "Professionelle Journalisten haben schlicht zu prüfen, ob ihnen zugegangene bzw. von ihnen recherchierte Informationen der Wahrheit entsprechen und deren Veröffentlichung medienrechtlich zulässig ist." Bauer hat wie seine Kollegin Anna Thalhammer von der Tageszeitung "Die Presse" recherchiert, dass die SPÖ hinter den Anti-Kurz-Facebook-Seiten steckt. Nach zwei konzertierten Veröffentlichungen der beiden Blätter sahen sich Bauer und Thalhammer dem Vorwurf ausgesetzt, sich mit Informationen anfüttern zu lassen, um der SPÖ zu schaden.

Informationspflicht steht an erster Stelle

Gernot Bauer sagt zu diesem Punkt: "Eine Anfütterung und Instrumentalisierung wäre ja nur denkbar, wenn der Journalist seinen Artikel nach den Vorstellungen des Informanten verfasst. Dies kann man für "Profil" kategorisch ausschließen." Für den Medienwissenschafter Matthias Karmasin, der über Medienethik publiziert hat, befinden sich Journalisten da in einem ethischen Dilemma: Die Informationspflicht stehe an oberster Stelle, umso mehr im zeitlich begrenzten Rahmen eines Wahlkampfs - und sogar um den Preis, dass man sich vielleicht instrumentalisieren lässt. Also erst im Nachhinein, wenn eine Sache etwa gerichtlich geklärt worden ist, erkennt, dass Vorwürfe nicht stichhaltig waren.

"Everybody gets dirty in a dirty campaign"

Einen sauberen Weg aus diesem Dilemma heraus gebe es nicht, sagt Matthias Karmasin im #doublecheck-Interview: "Everybody gets dirty in a dirty campaign." Das heißt: In einer Schlammschlacht wird jeder dreckig. Abgesehen vom aktuellen Wahlkampf: Es passiert uns als Journalisten immer wieder, dass uns jemand für seine Zwecke einspannen will. Nicht immer so spektakulär wie in der Causa Silberstein, aber Interview-Angebote mit Hintergedanken gibt es jeden Tag. Und da fängt es an. #doublecheck wird sich das in einer der nächsten Sendungen noch näher anschauen.

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