Horst Pirker

APA/HERBERT NEUBAUER

Pirkers Dank an den Verlustbringer "News"

Seit Juni 2014 ist Horst Pirker Chef der Verlagsgruppe News, deren Glanzzeiten - nach der Gründung durch Wolfgang Fellner in den frühen 1990ern - schon viele Jahre zurückliegen. Pirker war vom damaligen deutschen Mehrheitseigentümer Gruner+Jahr - eine Tochter des Bertelsmann-Konzerns - als Sanierer geholt worden. Eine schwierige Aufgabe: Jahr für Jahr schrieb die Verlagsgruppe Millionenverluste, das General-Interest-Magazin "News" als größter Defizitbringer. Mitte 2016 hat Pirker den 56-Prozent-Anteil von Gruner+Jahr übernommen und schwarze Zahlen für 2017 angekündigt. Der Plan ist aufgegangen.

Wie nachhaltig ist dieses seit langem erstmals wieder positive Ergebnis? "Wir können uns ganz sicher nicht zurücklehnen. Die Anstrengungen, die wir hinter uns haben, sind kleiner als die, die wir vor uns haben. Wenn wir die Chance nutzen wollen, dieses Unternehmen nachhaltig erfolgreich zu machen, dann liegt der größte Teil der Arbeit noch vor uns", sagt Pirker. Und er meint damit vor allem das Magazin "News", das weiter Verluste bringe. 2016 waren es fünf Millionen Euro, heuer seien es signifikant weniger.

"Größter Teil der Arbeit noch vor uns"

Die Anstrengungen müssten noch zunehmen, "um das, was 'News' die Gruppe belastet, erträglich zu halten oder noch erträglicher zu machen", sagt Pirker. Konkreter will er derzeit nicht werden. Klar sei freilich, dass dieses Magazin nicht "zu alten Herrlichkeiten zurückkehren" werde. "News" hat ja einmal schwer verdient und die Gründung von Magazinen wie "Woman" und den Kauf von renommierten Magazinen wie "profil" und "Trend" erst möglich gemacht.

Kaufmännisch wäre "News" schon lange tot

Genau das ist auch der Grund, warum der VGN-Chef an "News" festhalten will. Kein kaufmännischer, sondern ein verlegerischer, fast schon sentimental anmutender Zugang. Pirker sieht es "irgendwie als Dank an dieses auch namensgebende Magazin", und er sagt: "Wenn es diesen verlegerischen Gedanken und diese emotionale Komponente nicht gäbe, dann hätten Vorgänger von mir das 'News' schon eingestellt. Es klingt ein bisschen banal, aber: Geld allein macht nicht glücklich."

Horst Pirker im Interview mit Stefan Kappacher, Teil 1

"Branche hat gut und hart gearbeitet"

Horst Pirker, der mehr als zehn Jahre lang auch Vorstandschef der Styria Media Group war und über viele Jahre Präsident des Zeitungsverbandes VÖZ, stellt der Print-Branche Österreichs in dieser Umbruchszeit ein gutes Zeugnis aus: "Würde man in größeren Ländern so hart arbeiten wie in Österreich, dann würden die Unternehmen dort im Geld schwimmen. Das heißt, die Österreicher haben gelernt, mit einem kleinen und schwierigen Markt auszukommen. Da ziehe ich meinen Hut." Pirker nimmt Wolfgang Fellner von dem Lob ausdrücklich nicht aus.

Die Online-Strategie des Standard hält Pirker für mutig, aber auch für gefährlich. Der Versuch, Reichweite in Deutschland zu generieren und das große Standard-Online-Forum zu monetarisieren, könnte das Gegenteil bewirken, meint Pirker. Nämlich das Blatt auf dem Heimmarkt in Österreich schwächen.

Horst Pirker im Interview mit Stefan Kappacher, Teil 2

Werbung für Print "lebensentscheidend"

In der Frage, ob Zeitungen sich auf eine Zeit ohne Werbe-Erlöse einstellen sollen, weil dieses Geld immer mehr von den Internetriesen aus Österreich abgesaugt wird, hat der CEO der Verlagsgruppe News eine klare Position: "Meiner Meinung nach wird Werbung ein lebensentscheidendes Standbein für Print bleiben, von Vertriebserlösen alleine zu leben, wird nur ganz wenigen und ausnahmsweise gelingen."

Brötchen backen mit der Zielgruppe

Zum Beispiel den Welt-Ikonen des Zeitungsgeschäfts wie New York Times und Washington Post, die eben den Vorteil eines Weltmarkts und einer Weltsprache hätten, aber auch superreiche Eigentümer wie Amazon-Gründer Jeff Bezos und Mobilfunk-Tycoon Carlos Slim. In Österreich müssten die Zeitungen kleinere, aber viele Brötchen backen. Pirker verfolgt die Idee von Eco-Systemen rund um seine Printmarken, wo zielgruppenorientiert Einnahmenquellen erschlossen werden – neben Werbung und Vertriebserlösen.

Horst Pirker im Interview mit Stefan Kappacher, Teil 3

"News"-Chef will Media-Analyse überdenken

Die Media-Analyse, die die Reichweite von Zeitungen misst und sozusagen die Währung der Print-Branche für den Werbemarkt ist, die stellt Horst Pirker in Frage. Das sei ein veraltetes Instrument, das für dominierende Regionalmedien und für Boulevard-Riesen wie die Kronen Zeitung immer noch Sinn mache. Für die Produkte seines Hauses – außer News lauter Special-Interest-Magazine – sei die Media-Analyse aber immer weniger brauchbar. Pirker will deshalb jetzt eigene Erhebungen in Auftrag geben.

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