Nina Stemme (Katerina Lwowna Ismailowa)

SALZBURGER FESTSPIELE/THOMAS AURIN

Dmitri Schostakowitsch: "Lady Macbeth von Mzensk"

Mit Nina Stemme (Katerina Lwowna Ismailowa), Dmitry Ulyanov (Boris Timofejewitsch Ismailow), Maxim Paster (Sinowi Borissowitsch Ismailow), Brandon Jovanovich (Sergej), Evgenia Muraveva (Aksinja / Zwangsarbeiterin), Andrei Popov (Der Schäbige) u. a.
Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor, Wiener Philharmoniker; Dirigent: Mariss Jansons (aufgenommen am 2. August im Großen Festspielhaus im Rahmen der Salzburger Festspiele 2017 in Dolby Digital 5.1 Surround Sound). Präsentation: Rainer Elstner

"Gesamtkunstwerk", "spektakuläres Opernkino", "Dramatik und Kraft" sowie "Kammermusikalische Räume" - so lauten die ersten überaus positiven Kritiken für die Produktion der Oper "Lady Macbeth von Mzensk von Dmitri Schostakowitsch.

Die Produktion ist in mehrerer Hinsicht außergewöhnlich. Denn Mariss Jansons dirigiert nur mehr in Ausnahmefällen Oper, zu sehr nimmt so eine musikdramatische Produktion den gewissenhaften Arbeiter in Anspruch. Es ist dies die erste Opernproduktion mit Mariss Jansons in Österreich und die erste mit den Wiener Philharmonikern. Die internationale Aufmerksamkeit ist entsprechend groß.

Lady Macbeth von Mzensk passt in mehrfacher Hinsicht in das heurige Festspiel-Generalthema der "Macht". Denn der Komponist hat ganz direkt die konkrete politische Macht zu spüren bekommen. 1936, zwei Jahr nach der Uraufführung, hat nämlich Stalin einer Aufführung der Lady Macbeth beigewohnt - erzürnt verließ er schon nach zwei Akten seine Loge, kurz darauf erschien in der Prawda ein Verriss unter dem Titel "Chaos statt Musik". Das Werk wurde als bourgeois, dekadent und abstrakt-formalistisch gebrandmarkt. Formalistisch - in der Stalin-Zeit ein Verdikt, das den Tod der betroffenen Künstler zur Folge haben konnte oder die Versendung ins sibirische Lager. Formalistisch - das Äquivalent im Nazi-Deutschland (was die möglichen Folgen betrifft) war die Bezeichnung "entartet".

Nicht nur in Bezug auf den selten Oper dirigierenden Maestro Jansons ist dieser Abend etwas Außergewöhnliches, sondern auch für die Sängerin der Hauptrolle: die schwedische Sopranistin Nina Stemme, einer der führenden dramatischen Soprane unserer Zeit. Es ist für sie eine Rückkehr: 2001 hat sie die Rolle schon gesungen - nun zum zweiten Mal in einer Produktion und sie kann nun auf ihre ganze Erfahrung zurückgreifen - vor allem bei der packenden Darstellung, denn die Rolle ist eine große schauspielerische Herausforderung. Zumal in der sehr realistischen, fast brutalen Regie von Andreas Kriegenburg.

Eine trostlose Welt spiegelt sich im beeindruckenden Bühnenbild von Harald B. Thor - wenn sich der Vorhang hebt, sehen wir den vergammelten Hof eines trostlosen Plattenbaus. Katerina ist allein in ihrem Zimmer - wie ein Vogel im goldenen Käfig wirkt sie. Was sich dann entwickelt ist ein Drama einer Frau, die alle moralischen Grenzen umstößt in ihrer Suche nach körperlicher Erfüllung.

Service

Diese Sendung wird in Dolby Digital 5.1 Surround Sound übertragen. Die volle Surround-Qualität erleben Sie, wenn Sie Ö1 unter "OE1DD" über einen digitalen Satelliten-Receiver und eine mehrkanalfähige Audioanlage hören.

Playlist

Komponist/Komponistin: Dimitri Schostakowitsch
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Dimitri Schostakowitsch
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Alexander Preis
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Nikolai Leskow /Vorlage (Novelle)
Gesamttitel: Salzburger Festspiele 2017/LADY MACBETH VON MZENSK
Titel: Lady MacBeth von Mzensk. Oper in vier Akten (Urfassung 1930-1932)/1. Akt
Leitung: Mariss Jansons
Orchester: Wiener Philharmoniker
Solist/Solistin: Nina Stemme /Sopran, Katerina Lwowna Ismailowa
Solist/Solistin: Brandon Jovanovich /Tenor, Sergej
Solist/Solistin: Dmitry Ulyanov /Bass, Boris Timofejewitsch Ismailow
Solist/Solistin: Maxim Paster /Tenor, Sinowi Borissowitsch Ismailow
Solist/Solistin: Andrei Popov /Tenor, Der Schäbige
Solist/Solistin: Stanislav Trofimov /Bass, Pope
Solist/Solistin: Alexey Shishlyaev /Bariton, Polizeichef
Solist/Solistin: Ksenia Dudnikova /Mezzosopran, Sonetka
Solist/Solistin: Evgenia Muraveva /Sopran, Aksinja/Zwangsarbeiterin
Solist/Solistin: Andrii Goniukov /Bass, Alter Zwangsarbeiter
Solist/Solistin: Oleg Budaratskiy /Bass, Hausknecht/Wachposten
Solist/Solistin: Vasily Efimov /Tenor, Kutscher/Lehrer
Solist/Solistin: Valentin Anikin /Bass, Polizist/Sergeant
Solist/Solistin: Igor Onishchenko /Bariton, Bote
Solist/Solistin: Gleb Peryazev /Bass, Verwalter
Solist/Solistin: Martin Müller /Tenor, Erster Vorarbeiter
Solist/Solistin: Oleg Zalytskiy /Tenor, Zweiter Vorarbeiter/Betrunkener Gast
Solist/Solistin: Ilya Kutyukin /Bariton, Dritter Vorarbeiter
Ausführende: Angelika-Prokopp-Sommerakademie der Wiener Philharmoniker /Bühnenmusik
Chor: Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor
Choreinstudierung: Ernst Raffelsberger
RE: Andreas Kriegenburg
Länge: 161:41 min
Label: Sikorski LM

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