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Menschenbilder

Sonntag
04. Dezember 2011
14:05

"Kirchen - Wohnbauten - Museen". Der Architekt Heinz Tesar. Gestaltung: Heinz Janisch

"Das Museum ist eine Raumfigur für die Kunst". Heinz Tesar über eines seiner bekanntesten Bauwerke, das Essl-Museum in Klosterneuburg. Das Museum, das Heinz Tesar für die Sammlung Essl geschaffen hat, beeindruckt durch eine Folge von unterschiedlichen Räumen, ständig wechselnde Raumeindrücke mit sich verengenden und weitenden Räumen wurden geschaffen. Kritiker sprechen gar von einer "Raumfuge", der es gelinge, die Wirkung der ausgestellten Kunstwerke noch zu intensivieren.

Noch viele andere Bauten haben den Architekten Heinz Tesar bekannt gemacht - das Keltenmuseum in Hallein etwa oder die Kirche "Christus, Hoffnung der Welt" in der Wiener Donaucity. Viele andere Bauten wären zu nennen. Viel beachtet wurde auch seine Neugestaltung des Bodemuseums auf der Museumsinsel in Berlin.

In diesem Jahr erhielt Heinz Tesar den Großen Österreichischen Staatspreis, die höchste Kunstauszeichnung der Republik. Heinz Tesar wurde dabei als "international gefragter Baukünstler geehrt, der nicht nur auf dem Gebiet der Architektur, sondern auch als Maler, Zeichner und Literat tätig sei", wie in der Jury-Begründung zu lesen war.

Fließende Formen

Während andere Architekten in ihren Arbeiten gern von der Geometrie ausgehen, von festen Formen wie Quadrat, Kreis, Rechteck oder Würfel, beginnt Heinz Tesar bei seinen Arbeiten mit fließenden Formen. Er geht in seinen Zeichnungen und Skizzen stets einem Entwicklungsprozess nach. Er bezeichnet seine Architektur daher mitunter auch als "das versteinerte Wasser der Zeichnung".

Als "Poet unter den Architekten" haben Freunde und Kritiker Heinz Tesar bezeichnet. Aus der ersten Idee, den ersten schwungvollen Linien auf dem Papier wird schließlich eine feste Form.

Heinz Tesar hat sich intensiv mit Urformen und Urtypen der Architektur beschäftigt, das zeigen seine Zeichnungen und Skizzen, die auf zahlreichen Reisen entstanden sind. "Man muss verstehen, dass das Alte nicht besser sein muss als das Neue und umgekehrt", sagt Heinz Tesar, der seine Aufgabe als Architekt nicht nur im Erschaffen von Neuem sieht, sondern auch als ein Reagieren auf das Vorhandene. Bei vielen Projekten, etwa beim Bodemuseum in Berlin oder beim Keltenmuseum in Hallein, konnte er - aus diesem Verständnis heraus - ein vitales Miteinander von alter und neuer Bausubstanz schaffen.

"Suche des Lebens"

In Wien, Berlin und in Perugia hat der vielbeschäftige Architekt Büros, in denen an die fünfzehn Mitarbeiter mit seinen Bau-Projekten beschäftigt sind. Die beruflichen Aufenthalte in Perugia nützt Heinz Tesar so oft wie möglich zu Fahrten ins geliebte Venedig.

Wenn Heinz Tesar von seiner Kindheit in Tirol erzählt, dann gerät er ins Schwärmen über den engen Bezug zur Natur, den er als Kind erlebt hat. Wälder, Berge, Burgen, Wiesen, Teiche - er erinnert sich an viele intensiv erlebte Stunden im Freien. "Ich habe Architektur als Kind nur als Landschaft erlebt", sagt Heinz Tesar.

"Architektur ist weder Verwendung noch Anwendung, sondern Suche des Lebens", sagt Heinz Tesar beim Nachdenken über das weite Feld der Architektur. Und er fügt hinzu: "Architektur ist immer auch ein Statement zur Zeit."

Gestaltung: Heinz Janisch · zur Sendereihe

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