Theater m.b.H.

Die von Johanna Tomek und Werner Schönolt gegründete Gruppe beendet unfreiwillig ihre Arbeit. Begründet wird der Schritt mit den Subventionskürzungen der Wiener Theaterreform. Einen Namen hat man sich unter anderem mit Stücken zu Süd-Osteuropa gemacht.

Ich habe höchste Achtung für Ihren künstlerischen Instinkt und ich bewundere Ihr Engagement für das Theater sehr. Der Standard des Theaters m.b.H. ist der höchste, den ich kenne.

So lobt der englische Dramatiker und Lyriker Howard Barker, dessen Stück "Christ's Dog" als letztes am Spielplan eines der renomiertesten Häuser der freien Wiener Theaterszene stand.

Die Schauspielerin und Regisseurin Johanna Tomek hat zusammen mit dem Bühnen- und Kostümbildner Werner Schönolt 1983 das "Theater m.b.H." gegründet. Heute, 22 Jahre danach, zeigt Johanna Tomek die überfüllten Räume ihres Theatersitzes in der Zieglergasse, im siebenten Wiener Bezirks. Im Laufe der Jahre hat sich hier alles gesammelt, was ein freies Theater braucht, um sein Theaterleben als immer "on the road" bezeichnen zu können: Scheinwerfer, Kostüme, Programme und Plakate, Skizzen und Szenemodelle.

Geschäftsauflösung

"Wir müssen diese Räume im Juli verlassen.", sagt Johanna Tomek, "was zu verkaufen sei, werden wir verkaufen und anderes muss auf den Schrott." Die meisten der Modelle stammen vom Bühnenbildner Schönolt, "Einige Modelle wird das Theatermuseum übernehmen. Einige werde ich fotografieren und dann wegwerfen und einige werde ich irgendwo in der Wohnung bewahren."

Schwerpunkt Süd-Osteuropa

Das "Theater m.b.H." schließt. Was dieses Theater charakterisierte war, wie schon der zitierte Satz Howard Barkers betonte, ein tiefes Engagement seiner Mitglieder. In vielen Facetten dieses Engagements ist die Beschäftigung mit dem Theater und Themen aus Süd-Osteuropa ein großer Beitrag gewesen. Johanna Tomek sagt dazu im Interview mit oe1.ORF.at:

Ich habe mich aus persönlicher Sympathie mit diesem geographischen Landstrich beschäftigt. Die Kenntnisse, die wir über diese Region haben, waren und sind noch immer unglaublich gering. Der Ausbruch des Krieges im ehemaligen Jugoslawien hat uns zu diesen Geschichten und Schicksalen gedrängt. Wir haben deswegen einen Stücke-Wettbewerb ins Leben gerufen, um diese Konflikte zwischen den verschiedenen Ethnien besser zu verstehen. Wir wollten den Menschen und Theaterschaffenden aus den Ländern Ex-Jugoslawiens die Möglichkeit geben, sich selber durch das Schreiben auszudrücken und eine Chance zu geben, aus diesem Kessel herauszukommen.

Publikation und Aufführung

Der Wettbewerb des Jahres 2002 wurde in zwei Bändern, unter dem gemeinsamen Titel "Schutzzone", veröffentlicht. Um nicht nur ein "Leservergnügen" zu bleiben, hat das Theater m.b.H. einige Stücke auf die Bühne gebracht. Insgesamt sind in der Wiener Zieglergasse seit den 1990er Jahren neun Stücke aus Mazedonien, Kroatien, Serbien und Bosnien gespielt worden. Wegen geringer medialer Unterstützung sei das Projekt nur "halbwegs" erfolgreich geblieben. Johanna Tomek sagt dazu:

Die Stücke waren nicht wahnsinnig gut besucht. Allerdings, die Leute die da waren, sind sehr beeindruckt gewesen und sie haben sich sehr viel damit beschäftig, was sie dort gesehen haben. Sie haben das nicht als Unterhaltung konsumiert, sondern sie haben sich mit den Problemen auseinandergesetzt.

Die Probleme in Süd-Osteuropa wurden von anderen akuten Krisen verdrängt und sind aus den Medien verschwunden. Die Welle des Interesses für Literatur, Theater und Film aus der Region, die in den 1990er Jahren die österreichische Kulturlandschaft erfasst hat, ist verebbt. Die Auflösung des "Theaters m.b.H", das Werke aus dem ehemaligen Jugoslawien systematisch gepflegt hat und selbst in den jeweiligen Ländern Autoren eine Unterstützung bot, wird noch eine große Lücke hinterlassen.

Buch-Tipps
Theater m.b.H (Hg.) "Schutzzone - und andere neue Stücke aus Ex-Jugoslawien", 2 Bände, Folio Verlag, ISBN 385256204X und ISBN 3852562058

Evelyn Deutsch-Schreiner, Gerhard Ruiss, "Theater m.b.H und Theaterpolitik im Wien der 80er und 90er Jahre", Folio Verlag, ISBN 3852562546

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