Die Göttin auf Erden

Auf dem Pariser Autosalon 1955 wurde ein bahnbrechend modernes Auto vorgestellt. Der Citroen DS war von Anfang an Kult, kein Massenmobil, eher ein Auto für Kenner und Genießer. Louis de Funès machte die DS auf der Leinwand unsterblich.

Es war eine kleine Sensation, damals, 1955 auf dem Pariser Automobilsalon. Dem staunenden Publikum wurde zum ersten Mal der Citroen DS vorgestellt. Kaum ein anderer Hersteller konnte damals mit einem ähnlich ungewöhnlichem Fahrzeug aufwarten. Citroen wusste das, erhob seine Neuschöpfung kurzerhand in den Olymp und nannte das neue Auto schlicht "die Göttin“ (DS = "Déesse“). Mochten die Reaktionen auch gemischt sein, das neue Auto faszinierte.

"Als man den Vorhangschnüren zog, stellte man den DS einem Publikum vor, das sich beeilte, sogleich in zwei Parteien zu zerfallen. Die einen zollten dem Fortschritt, der persönlich zu ihnen gekommen zu sein schien, begeistert Beifall, während für die anderen die futuristische Gestaltung und das hydraulische System mehr war, als dass sie es, an einen Entwicklungsprozess im Kriechgang gewöhnt, ohne weiteres zu akzeptieren vermochten“, schrieb die Zeitschrift "Auto, Motor und Sport“ fünf Jahre nach Erscheinen des Citroen DS.

Ein neuer Nautilus

Die DS ist eine eigenwillige Kreatur. Die Motorhaube erstreckt sich von der Frontscheibe bis weit hinunter zur Stoßstange, die Linie vom Dach bis zum Kofferraum ist wie aus einem Guss. Der Philosoph Roland Barthes schrieb über den neuen Citroen: "Die 'Déesse’ hat alle Wesenszüge (wenigstens beginnt das Publikum sie ihr einmütig zuzuschreiben) eines jener Objekte, die aus einer anderen Welt herabgestiegen sind, von denen die Neomanie des 18. Jahrhunderts und die unserer Science-Fiction genährt wurden. Die Déesse ist zunächst ein neuer Nautilius.“

Im Innenraum geht es futuristisch weiter, besonders das Lenkrad zieht die Blicke an. Es hat keine Speichen, sondern wird nur von der gebogenen Lenksäule gehalten, die aus dem Armaturenbrett fließt wie Zahnpasta aus der Tube. Das mag avantgardistisch aussehen, dahinter steckt jedoch eine ganz banale Sicherheitsüberlegung: So konnte sich das Lenkrad im Falle eines Aufpralls am besten verformen und den Fahrer auffangen - Anschnallpflicht war damals noch ein Fremdwort.

Hydraulik - Freud und Leid

Bekannt und berüchtigt ist die DS für ihr Hydrauliksystem. Je nach Fahrbahnzustand kann das Auto angehoben oder abgesenkt werden, ohne den Komfort der Insassen, die außerdem auf weichen, sessel-ähnlichen Sitzen platz nehmen durften, zu beeinträchtigen. Eine tolle Sache, wäre es nicht so anfällig. Jeder DS-Fahrer wird früher oder später mit geplatzten Schläuchen kämpfen, die Gewissheit, dass die Hydraulik jederzeit ihren Dienst versagen kann, gehört zum DS-Fahren dazu. Ebenso wie andere Mängel, die bei dem inzwischen schon etwas betagten Modell einfach dazu gehören.

Innovativ wie die DS damals war, die Verarbeitung ließ bis zum Schluss einige Wünsche offen. Trotzdem hat der Citroen DS nach wie vor eine Fangemeinde, denn wenn sie fährt, gleitet sie, so heißt es, tatsächlich stilvoll wie ein Göttin auf der Wolke.

Links
prova.de - "Der neue Citroen" von Roland Barthes
DS-Club Österreich