Johanna Moder, Filmregisseurin

Zum Film kam sie über die Literatur: Johanna Moder, Jahrgang 1979, die an der Filmakademie Regie studiert. Am 14. Mai 2009 wird ihr Musikvideo "Buffalo People" für die Gruppe "The Base" beim "Vienna Independent Shorts"-Festival uraufgeführt.

"Ich habe, unterstützt durch meine Mutter, in der Kindheit sehr viel gelesen und wollte zunächst in Richtung Schriftstellerei. Mit 16 begann ich dann Theater zu spielen und da gab es über das Schauspiel die erste Überlegung, Geschichten auch in Form von Bildern zu erzählen. Ich wollte aber auch mit Menschen arbeiten. So hat sich der Film schließlich als bestes Medium dafür herausgestellt.

Damals war die Zeit, wo man von Film auf Video wechselte. Ich bekam von meinem Vater mit 16 Jahren eine HI8-Kamera und habe damals sehr viel gefilmt. Und meine Freunde begannen ebenfalls, kleine Filme zu machen. Das hat dazu beigetragen, dass ich auf die Idee kam, die Filmakademie zu machen. Zunächst habe ich es mit Drehbuch versucht, aber das hat nicht geklappt. Beim zweiten Anlauf habe ich es mit Regie probiert – und da hat es Gott sei Dank funktioniert", erzählt Johanna Moder, gebürtige Grazerin, Jahrgang 1979.

Seit 2001 studiert sie Filmregie bei Peter Patzak an der Filmakademie Wien. Abschließen wird sie voraussichtlich Ende 2009.

Bevor die Nachwuchs-Regisseurin an der Filmakademie begann, konnte sie bereits praktische Erfahrungen in der Produktionsfirma coop99 sammeln: so arbeitete sie im Bereich Skript sowie als Regieassistentin bei zahlreichen Spiel- und Dokumentarfilmen von unter anderem Michael Glawogger, Barbara Albert, Helmut Köpping und Jörg Kalt mit.

"Ich hatte das Glück, die richtigen Menschen zur richtigen Zeit zu treffen", resümiert Moder rückblickend.

Möglichkeit zur Emotionalisierung

"Was mich beim Film am Meisten fasziniert, ist die Möglichkeit zur Emotionalisierung. Und das geht mit keinem Medium so gut wie mit Musik. Und im Film hat man die Möglichkeit, Musik einzusetzen. Es sind hier so viele Künste vereint: Schauspiel, Musik, die Bildebene. Mit dieser Verbindung kann man die Herzen der Zuschauer erreichen", erläutert Johanna Moder, für die der Spielfilm im Zentrum steht, ihren Zugang.

Psychologie als Roter Faden

"Die Psychologisierung ist meist der Rote Faden in meinen Arbeiten. Denn es geht mir um die Befindlichkeit der Figuren. Ich mache realistisches Kino, aber mit einer gewissen Liebe zu den Figuren. Und auch mit Verständnis dafür, dass der Mensch, wenn er scheitert oder in tragische Situationen gerät, immer versucht, für sich das Beste daraus zu machen. Also nicht verzweifelt, sondern weiter versucht, für sich etwas herauszuholen. Die Charaktere sollen für den Zuschauer nachvollziehbar sein", so Moder.

Musikvideo bei "Vienna Independent Shorts"-Eröffnung

Das neue Musikvideo "Buffalo People", das Johanna Moder für die Gruppe "The Base" gestaltet hat, hatte am 14. Mai 2009 bei der Eröffnung des "Vienna Independent Shorts"-Festivals im Wiener Gartenbaukino seine Uraufführung.

Wien-Special für BR durch Ö1 Talentebörse

Und die Ö1 Talentebörse hatte bereits positive Auswirkungen für die ambitionierte Jungregisseurin:

Der TV-Kultursender "Bayern alpha" entdeckte das Ö1 Porträt von Johanna Moder im Netz – und engagierte sie für ein Wien-Special für das Jugendmagazin "freiraum", das im Dezember 2008 ihre Wien-Doku ausstrahlte.

"Die Redakteure stießen durch die Ö1 Talentebörse auf mich. Ein Beweis dafür, dass die Nachwuchskünstler/innen-Plattform auch über Österreich hinaus funktioniert", berichtet die junge Regisseurin erfreut.

Preisregen für "Her mit dem schönen Leben"

Zu den erfolgreichsten Arbeiten der jungen Regisseurin zählt ihr Kurzspielfilm "Her mit dem schönen Leben", wie sie erzählt:

"Es ist eine Geschichte über jungendliche Mädchen. Der Vater der Hauptfigur wird entlassen. Aus dieser Schocksituation heraus will das Mädchen mit einem Molotow-Cocktail einen Anschlag auf die einstige Firma, wo ihr Vater gearbeitet hat, machen - was dann letztlich nicht geschieht. Es ist die erste Auseinandersetzung eines jungen Menschen mit den Folgen des Neoliberalismus bzw. des Kapitalismus im Allgemeinen", beschreibt die Filmerin.

"Es war das erste große Projekt für Kameramann Robert Oberrainer und für mich. Der Film wurde im Kultursender Arte gezeigt", so Moder, die für diese erfolgreiche Arbeit 2007 beim Internationalen Filmfestival der Filmakademie Wien in den Kategorien "Bester Spielfilm" und "Beste Produktion" ausgezeichnet wurde.

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"Mit Blick auf Wien" auch bei Festival der Filmakademie

In Moders Kurzspielfilm "Mit Blick auf Wien", einer ihrer aktuellen Arbeiten, geht es um eine Wohnungsbesichtigung in einem noblen Wiener Gemeindebezirk. Es scheint, als hätten sich Vermieterin und potentielle Mieterin bereits geeinigt. Als der Freund der jungen Frau kommt, um den Vertrag für die luxuriöse Wohnung zu unterschreiben, ändert sich die Situation spontan: er ist nämlich Ausländer.

Dieser Film Moders wurde am 5. und 9. November 2008 im TV-Kultursender "Arte" ausgestrahlt.

Der Kurzspielfilm wurde inzwischen bei den Solothurner Filmtagen in der Schweiz sowie beim renommierten Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken gezeigt. Und heuer wird er beim Internationalen Filmfestival der Filmakademie Wien im Wettbewerb laufen.

Musikvideo für "The Base"

Für den Song "Not my Dog" der die Grazer Band "The Base" gestaltete Moder 2007 ein Musikvideo:

"Es war eine großartige Arbeit, weil ich hier erstmals ohne Ton gearbeitet habe und wir hatten ein wunderbares Team", erzählt Moder über diese Arbeit, für die sie 2008 mit dem "Rockin' Movies Award" ausgezeichnet wurde.

Und wie Moders Kurzspielfilm wird dieses Musikvideo im Rahmen des Filmakademie Festivals 2009 gezeigt.

Derzeit arbeitet die junge Regisseurin an einem weiteren Video für die Grazer Gruppe.

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Drehbücher für Diplom-Spielfilm

Derzeit arbeitet die Nachwuchs-Regisseurin an zwei Drehbüchern für ihren ersten 90-minütigen Spielfilm:

"Die erste Geschichte spielt im Kriminalbereich und ist sehr kompliziert. Es kann sein, dass diese Story letztlich nicht so funktioniert, wie ich es mir vorstelle. Im zweiten Drehbuch geht es um Wirtschaftskriminalität. Es ist noch offen, für welche der beiden Geschichten ich mich entscheide", berichtet Moder, die ihren Diplomfilm 2009 realisieren möchte.

Als Filmemacherin überleben

Welche Zukunftswünsche hat die junge Nachwuchs-Regisseurin?

"Filme machen und davon leben zu können. Und ohne permanente Lebensängste den Alltag zu überstehen", so Johanna Moder.

Die Ö1 Talentebörse ist ein Kunstförderprojekt mit Unterstützung der Bank Austria

Mehr zu Filmen, Preisen und Stipendien von Johanna Moder in oe1.ORF.at

Kontakt
Johanna Moder

Tipp
Die Porträts der Ö1 Talentebörse können im Rahmen der Ö1 Podcast nachgehört werden. Alle Sendungen des kostenfreien Radio-Abos finden Sie hier.

Links
Wiener Filmakademie
Arte – KurzSchluss
Bayern alpha - Städtetrip Wien
Youtube – The Base – Not my dog
Berlinale Talent Campus
Diagonale
Drehbuch Forum Wien
Forum Stadtpark
Int. Filmfestival der Filmakademie Wien 2009
Sixpack Film
Theater im Bahnhof
Vienna Independent Shorts