Yaks und Jurten

Seit die heutige Republik Mongolei in den 1990er Jahren in einer ruhigen Revolution vom sowjetisch dominierten Kommunismus zur Selbstbestimmung überging, ist Dschingis Khan als nationale Identifikationsfigur wieder in aller Munde.

Eine falbe Hirschkuh und ein schicksalserkorener grauer Wolf sind die sagenhaften Vorfahren des größten aller Mongolen, des Dschingis Khan. Der Krieger Dschingis Khan war im 13. Jahrhundert auf blutigen Beutezügen quer durch Asien unterwegs und begründete ein mongolisches Großreich.

Heute ist Dschingis Khan, nachdem er in den Jahren der sowjetischen Dominanz in der Mongolei Persona non grata war, wieder in aller Munde. Dschingis ist zum Markennamen für den besten mongolischen Wodka geworden und auch zum Patron des Flughafens von Ulan Bator, auf dem die Flüge mit schaulustigen Reisenden in der mongolischen Hauptstadt landen.

Kein Handy, kein Internet

Von Ulan Bator aus brechen Reisende zumeist unverzüglich in die Steppenlandschaften auf. Die heutige Republik Mongolei ist ein weites Land und extrem dünn besiedelt. Gerade diese schier unendlich scheinende Weite hat das Land zum Ziel für Reisende gemacht, die der globalisierten Zivilisation für eine Weile den Rücken kehren wollen.

Von Handy-Empfang und Internet verabschiedet man sich in Ulan Bator ebenso wie von befestigten, asphaltierten Straßen. Die Steppe ist lediglich durch Erdpisten erschlossen, das Brettern über selbige bedeutet eine Herausforderung für die Bandscheiben. Die mongolischen Weiten bieten Hügel mit dünner Grasnarbe, übersät mit Pferde-, Yak-, Ziegen- und Schafherden und Landschaften ohne Häuser soweit das Auge reicht.

Zur Erholung des müden Knochengerüstes haben die gastfreundlichen Mongolen Jurtencamps eingerichtet. Die kreisförmigen Jurten sind der Inbegriff des mongolischen Lifestyles, Zelte mit spartanischen Pritschen, einem dungbefeuerten Ofen in der Mitte und sonst nicht vielem. Mitteleuropäer haben beim Übernachten in der Jurte die Wahl zwischen Schwitzen beim Ofenfeuer oder Frieren ohne Feuer.

Mit ihren Viehherden ziehen die mongolischen Familien über die Steppe und suchen immer bessere Weideflächen, eine Aufgabe, die nicht leicht zu bewältigen ist, da der Klimawandel den hochgelegenen mongolischen Steppenlandschaften schwer zusetzt und das Land zusehends karger und unfruchtbarer wird.

Schamanismus und Buddhismus

Die meisten Expeditionen durch das "Land der zornigen Winde" führen in die ehemalige Hauptstadt Karakorum, eine unspektakuläre Ansammlung schäbiger Häuser, wie alle mongolischen Städte, die lediglich durch überlieferte Geschichten über das Großreich der Großkhane fasziniert. Leider fehlt jedoch von diesem jegliche Spur, und so buddeln Archäologen vergeblich auf der Suche nach Überresten, die an den großen Dschingis oder an dessen Nachfolger erinnern.

Immerhin ist in Karakorum das Kloster Erdene Zuu, das älteste buddhistische Kloster auf mongolischem Boden zu besuchen und einiges über die Verbindung zwischen Schamanismus und Buddhismus zu erfahren.

Hör-Tipp
Ambiente, Sonntag, 16. November 2008, 10:06 Uhr

Link
InWEnt - Mongolei