Eva Maria Sommersberg, Schauspielerin

Die Eltern förderten ihre Kreativität: Eva Maria Sommersberg, Jahrgang 1986, die am Reinhardt Seminar Schauspiel studiert und im Sommer abschließen wird. Am 6. und 7. März 2009 war sie in der Seminar-Produktion von Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" zu sehen.

"Ich habe mich von Anfang an für alle Kunstformen interessiert. Ich habe Instrumente gespielt, gemalt und getanzt. Als ich zehn war, machte ich bei einem Theater-Workshop für Kinder mit. Und da musste ich auf der Bühne vor einem wichtigen Spiel die Schuhe zuschnüren. Damals saß ich auf dieser Bühne, die Leute sahen mir zu, und ich dachte: wie interessant.

Und seither habe ich mich anstecken lassen. Später wusste ich natürlich, dass man das auch als Beruf erlernen kann – und dass es nicht nur Spaß und Hobby ist", erzählt Eva Maria Sommersberg, die aus Bonn in Deutschland stammt, Jahrgang 1986.

Seit 2005 studiert sie am Wiener Max Reinhardt Seminar Schauspiel. Ihr Rollenstudium hat sie bei Maria Happel und Klaus Maria Braundauer absolviert. Abschließen wird Sommersberg im kommenden Juni.

Davor probierte die junge Nachwuchs-Schauspieler, die in der Schule eine Klasse überspringen konnte und daher ein Jahr früher die Matura ablegte, einiges aus: sie spielte und sie machte Regie-Assistenzen am Contra Kreis Theater in Bonn, und später auch am Schauspielhaus Köln.

Reinhardt Seminar - die richtige Wahl

"Ich habe in Deutschland zunächst in acht Schulen vorgesprochen. Damals fuhr ich mit einer Freundin nach Wien, weil ich die Stadt noch nicht kannte und dachte mir nebenbei: da sprichst du auch vor. Wien hat mir sehr gefallen und da ich nicht unter Druck stand, hat es geklappt.

Heute weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war. Denn ich bekam hier nicht nur die Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen, sondern mich auch persönlich weiter zu entwickeln, erwachsen zu werden und alles ausprobieren zu dürfen", resümiert Sommersberg.

Eine Welt erfinden

Was sie am Schauspielen fasziniert, beschreibt Sommersberg folgendermaßen:

"Dass ich als Schauspielerin die Möglichkeit habe, in eine Rolle einzutauchen, eine Welt zu erfinden. Neues zu suchen, Skurilles und Komödiantisches. Humor ist mir auch sehr wichtig - was Ernsthaftigkeit natürlich nicht ausschließt", so die Jungschauspielerin.

Eine große Affinität zu Außenseitern

"Was mich besonders interessiert, sind Außenseiter. Die klassische Narrenfigur bei Shakespeare zum Beispiel, die Monster, die Ausgestoßenen. Einfache Charaktere sind nichts für mich."

Ottilie in Goethes "Wahlverwandtschaften" in Reichenau

Seit 2007 konnte die Nachwuchs-Schauspielerin praktische Theater-Erfahrungen sammeln: so spielte sie unter anderem den Junker von Bleichenwang in Shakespeares "Was ihr wollt", die Gruschenka in Dostojewskijs "Brüder Karamasow" sowie die Grace Ducharne in Claudia Deys "Forelle Stanley".

Sie wirkte aber auch bereits in Profi-Produktionen mit: im Chor in Niklas Luhmanns "This Is Not A Love Song" in der Regie von Ulrich Rasche bei den Wiener Festwochen 2007, sowie als Ottilie in Goethes "Wahlverwandtschaften", die Hermann Beil im Vorjahr bei den Festspielen Reichenau inszenierte:

"Eine Schauspielerin fiel aus Krankheitsgründen aus und ich übernahm kurzfristig die Ottilie. Es war sehr aufregend, denn ich hatte fünf Kollegen, die schon Größen am Theater sind. Aber ich hatte großes Glück, denn sie waren sehr freundlich und haben mir in allem geholfen. Wir haben das Stück ein Monat en suite gespielt. Es war eine ganz wichtige Erfahrung, die ich nicht missen möchte."

In Albees "Virginia Woolf" am Seminar

Am 7. März 2009 war Eva Maria Sommersberg als Honey in Edward Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf? in der Regie von Sarantos Zervoulakos am Reinhardt Seminar zu sehen:

"In vielen Inszenierungen wird die Honey so dumm dargestellt, dass es weh tut. Als ich die Rolle las, dachte ich: die kann nicht wirklich so dumm sein, das glaube ich nicht. Und ich habe entdeckt, dass sie sich aus gutem Grund nur so dumm stellt. Denn sie kann an ihrer Situation nichts ändern, kommt aus ihrer Rolle der betrogenen Hausfrau nicht heraus.

Dieses verzweifelte Suchen nach der Erfüllung eines Traumes, finde ich wahnsinnig spannend und zugleich sehr traurig und tragisch", so Sommersberg zu ihrer jüngsten Rolle, mit der sie am 6. März Premiere hatte.

Vorbereitung auf Abschluss-Abend und Vorsprechen

Derzeit bereitet sich die Nachwuchs-Schauspielerin, die bei Ö1 in Harald Krewers "Monologe plus" auch Hörspiel-Erfahrung sammeln konnte, auf ihren Abschlussabend vor. Dabei wird sie sich mit Ingeborg Bachmanns Kurzgeschichte "Undine geht" auseinandersetzen.

Die berufliche Entscheidung, ob sie ein Fixengagement anstrebt oder lieber als freischaffende Schauspielerin tätig sein will, lässt sie sich noch offen.

Mit Schauspielkunst das Publikum fesseln

Wie lauten die Zukunftswünsche der jungen Schauspielerin?

"Ich möchte ein Leben lang auf der Bühne stehen dürfen. Aber auch Filme, Hörspiele und Lesungen machen. Und mit meiner Gestaltung erreichen, dass die Menschen, wenn sie nach der Vorstellung das Theater verlassen, sich nicht fragen, wie morgen das Wetter wird", so Eva Maria Sommersfeld.

Die Ö1 Talentebörse ist ein Kunstförderprojekt mit Unterstützung der Bank Austria

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Eva Maria Sommersberg

Tipp
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Links
Max Reinhardt Seminar
Max Reinhardt Seminar - Eva Maria Sommersberg
Wiener Festwochen 2007 - "This Is Not A Love Song"
Festspiele Reichenau