Hausdirigent mit Starqualitäten

Klobucars Opernrepertoire umfasste über 100 Werke. Vier Jahrzehnte lang war er eine der tragenden Säulen im Repertoirebetrieb der Wiener Staatsoper, setzte ebenso in Graz wichtige Akzente und wurde auch international hoch geschätzt.

Seine Dirigentenkarriere dauerte mehr als sechs Jahrzehnte. Allein an der Wiener Staatsoper war Berislav Klobucar 40 Jahre lang engagiert, betreute hier sage und schreibe 1.133 Vorstellungen von nicht weniger als 53 Werken.

Dazu war er noch über ein Jahrzehnt musikalischer Chef der Grazer Oper, wo sein Wirken weit über die Grenzen der Stadt hinaus ein äußerst positives Echo gefunden hat, insbesondere durch sein Interesse auch an ausgefallenem und zeitgenössischem Repertoire. Darüber hinaus war Klobucar Hofkapellmeister an der Königlichen Oper von Stockholm, Musikchef in Nizza, und überhaupt ein gern gesehener Gast in den wichtigen Musikzentren der Welt, zwischen Bayreuth und der Metropolitan Opera in New York.

Meister alter Schule

"Er ist ein Meister alter Schule" schrieb vor einigen Jahren der Musikjournalist Imre Fabian über Klobucar in der "Opernwelt", "mit einer Opernerfahrung wie sie heute nur wenige unter seinen Kollegen haben, ein stiller und seriöser Musiker, dem die Qualität der eigenen Leistung stets wichtiger war als medienwirksame Publizität und Karrieredenken. Für Schlagzeilen und Sensationen hat Klobucar nie gesorgt, ihm waren Inhalte wichtiger als Effekte. Die Wiener haben bis heute nicht erkannt, was sie an diesem herausragenden Künstler hatten."

Ein Mann für alle Fälle

Über 100 Werke enthielt allein das Opernrepertoire von Berislav Klobucar, das darüber hinaus auch keinerlei Spezialisierung erkennen lässt. Er war schlicht und einfach der Mann für alle Fälle: "Ein großartiger Musiker" soll Staatsoperndirektor Franz Salmhofer gleich zu Beginn seiner Wiener Tätigkeit geäußert haben, "und noch dazu sooo billig!" Das hat seinen Wert in der breiten Öffentlichkeit vielleicht geschmälert, ebenso seine große Bescheidenheit, doch sah er sich immer als einen Diener der Kunst, abseits aller Starallüren.

Klobucar hat mit den wichtigsten Künstlerinnen und Künstlern mehrerer Generationen gearbeitet und genoss wegen seiner großen Professionalität bei allen einen sehr hohen Stellenwert. Keine Geringere als Birgit Nilsson hat das in ihren 1995 erschienenen Memoiren sehr klar zum Ausdruck gebracht:

(...) ein herrlicher Sängerdirigent mit einem enormen Repertoire und solidem Können. Ich hatte das Gefühl, als würde er in Wien immer unterschätzt. Als ich einen der Opernchefs fragte, warum Prof. Klobucar niemals eine Neueinstudierung in Wien dirigieren durfte, zuckte er mit den Schultern und sagte: "Er kommt ja nie in mein Büro!" Ich weiß nicht, ob es die "Wer-zuerst-kommt-mahlt-zuerst"-Methode war, die dahinterstand, oder ob andere Spielchen hinter den Kulissen darüber entschieden, wer favorisiert wurde. Wie auch immer, ich war froh, als wir, auf meine Empfehlung hin, für meine erste Elektra Klobucar als Dirigenten nach Stockholm verpflichten konnten. Das ist nun 30 Jahre her, aber jedes Mal, wenn er ein Gastspiel in Stockholm hat, entzündet das ein Klobucar-Fieber, auf der Bühne ebenso wie im Orchester und im Saal.

Anfänge in Zagreb

Berislav Klobucar wurde am 28. August 1924 in Zagreb geboren, wo er auch seine musikalische Grundausbildung erhalten und sich seine ersten Sporen als Dirigent verdient hat. Bereits mit 19 Jahren debütierte er am Nationaltheater von Zagreb, wo er bis 1951 fix engagiert gewesen ist und sich ein breites Repertoire erarbeitet hat.

Zu Klobucars wichtigsten Lehrern zählten der ehemalige Wiener Staatsopernchef Clemens Krauss sowie sein Landsmann Lovro von Matacic, von dem er bis heute in tiefer Verehrung spricht. 1953 debütierte Klobucar mit Puccinis "Madama Butterfly" an der Wiener Staatsoper (mit Carla Martinis und Helge Rosvaenge) und blieb dann ganze vier Jahrzehnte eine tragende Säule des Hauses.

Diener der Kunst

"Die Grundlage zu Klobucars Interpretationen bilden eine stupende Kenntnis der Partitur und die damit verbundene Analyse", schrieb Imre Fabian einst über den kroatischen Maestro. Und weiter:

Sie führen zu jener inneren Ruhe, Sicherheit und Konzentration, durch die alle Wechsel und Spannungen einer musikalischen Dramaturgie erst richtig wirksam werden. (...) Unermüdlich nach den Geheimnissen der großen Meisterwerke suchend, wird Klobucar immer ein bescheidener, den Werken und den Komponisten dienender Künstler bleiben. Eigenschaften, die in unserer neurotischen Zeit der grellen Signale höchst unzeitgemäß erscheinen. Unbeirrbar in seiner künstlerischen Haltung, nimmt Klobucar dies mit bewundernswerter Gelassenheit zur Kenntnis. Er muss über eine große innere Kraft verfügen, im Vertrauen darauf, dass es immer noch viele Menschen gibt, die den wahren Wert einer künstlerischen Darbietung erkennen und dafür dankbar sind.

Hör-Tipp
Apropos Oper, Dienstag, 25. August 2009, 15:06 Uhr